Nächstes Thema im Blog: Gibt es noch Reform-Burschenschafter?

Wir sind auf die Suche gegangen und wurden fündig. Und zwar sind wir der Frage nachgegangen, ob es denn noch Burschenschafter und Burschenschaften gibt, die sich nicht nur mit Pegida oder Anti-Flüchtlings-Hetze beschäftigen, sondern auch mit Reformation der burschenschaftlichen Idee und deren Modernisierung.

Wir sind fündig geworden und stellen ein paar Gedanken eines Burschenschafters in den nächsten Tagen vor. Er macht sich Gedanken zu Aufnahme von Frauen, Abkehr vom Nationalismus, Zurückdrängen der Fechtgeilheit, Zukunft von Bünden, Einbringen der Burschenschaften in die Demokratie  etc. Er fasst also ein paar bisherige Tabuthemen an. Bleiben Sie dran und seien Sie gespannt.

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2 Antworten zu “Nächstes Thema im Blog: Gibt es noch Reform-Burschenschafter?

  1. Na, da bin ich aber mal sehr gespannt. Ich habe in den letzten zehn Jahren als Mitglied zweier Burschenschaften auf eine Diskussion mit ziemlich genau den genannten Themen hin gearbeitet. Ohne Erfolg. Trotz eindeutiger Fakten und solider Argumentationsbasis.
    Statt dessen orientieren sich jüngere Mitglieder vermehrt an konservativen Positionen, halten die AfD für eine „normale“ Partei und geilen sich am Deutschlandlied in drei Strophen auf.
    Was treibt diese Klientel in eine Burschenschaft? Dazu drei Thesen. In der Verbindung droht den Männern keine Gefahr durch Frauen, die im Beruf zunehmend als Konkurrenz wahrgenommen werden. Man darf dort Dinge sagen, die sonst nicht gesellschaftsfähig sind. Und last not least gibt man sich einem falsch verstandenen „politischen Engagement“ hin, das in der Regel von wenig Faktenwissen belastet ist, dafür aber mit großen Emotionen. Die drei Stichworte Flüchtlinge, Gutmenschen und Elite mögen das illustrieren.
    Dem entsprechend sinkt die Attraktivität für potenzielle Mitglieder, die im gesellschaftlichen Mainstream sozialisiert wurden.
    In den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren wird zum Beispiel eine der mir gut bekannten Verbindungen ca. 40% ihres Mitgliederstamms durch Todesfälle und fehlenden Nachwuchs in den siebziger Jahren verlieren. Trotzdem versucht man sich nicht an neuen Wegen. Frei nach dem Motto: Der Letzte macht das Licht aus. Meine Prognose: Am Ende noch schnell ein, zwei Fusionen mit ähnlich gelagerten Vereinen. Und in dreissig, vierzig Jahren war es das dann.
    Anders formuliert: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das ist banal, gilt aber für alle Arten von Vereinen, die sich in ihrer Tradition sicher fühlen und darüber eine Anpassung an geänderte gesellschaftliche Verhältnisse verschlafen oder schlicht ignorieren.
    In diesem Zusammenhang wäre es auch interessant, valide Zahlen zu Austritten zu ermitteln. Denn auch der einst so starke Kitt des Lebensbundes kann mit der Zeit an Kraft verlieren. So manches Mitglied stellt sich die Sinnfrage, wenn Burschenschaft zunehmend als Synonym für ewig Gestrige gilt. Nicht jeder möchte sich ständig für eine Mitgliedschaft in einem von außen gesehenen fragwürdigen Verein rechtfertigen. Ein Verein, dessen Mitgliedschaft auch noch jeden Monat ein erkleckliches Sümmchen kostet und keinerlei sichtbaren Vorteil bringt. Auch dies ist ein Thema, das nur allzu gerne totgeschwiegen wird. Nur weil nicht darüber gesprochen wird, heißt das nicht, dass es nicht existiert.
    Demographie, mangelnde Reformbereitschaft und sinkende Attraktivität für neue und bestehende Mitglieder aus der Mitte der Gesellschaft sind die Herausforderungen vieler Korporationen. Ich persönlich denke, dass ein Großteil der Korporationen vor diesem Hintergrund keine Chance auf Bestand hat. Überleben werden nur jene, die sich neu erfinden wollen und können.

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  2. Sicherlich brauchen Studentenverbindungen Reformbedarf; aber wir sollten da anders vorgehen, als es die Reformer es in der 68er Zeit vorgeschlagen haben. Ich betrachte das eher aus der nichtburschenschaftlichen Perspektive. Mein Dachverband der Kösener SCV der Corps, ebenso sein Schwesterverband WSC können seit der Jahrtausendwende steigend Aktivenzahlen vermelden. Die Altherrenzahl ist leider durch die demographischen Löcher aus den 70er oder 80er Jahren leicht gesunken, aber es besteht kein Grund zur Sorge. An den Pflichtmensuren wird nicht gerüttelt und die Aufnahme von Frauen ist Gottseidank kein Thema bei uns.
    Unsere Verbandsfunktionäre, auch die der Altherrenverbände sind mittlerweile frische AH im besten Alter, die auch beruflich auf festem Boden stehen. Ohne unsere Traditionen und althergebrachten Rituale aufzugeben, ist es uns gelungen ein positives Medienecho in der Öffentlichkeit für die Corps zu generieren, das nicht nur durch ausgezeichnete Öffentlichkeitsarbeit der Corpsverbände mit insgesamt über 24.000 Mitgliedern entstanden ist. Suchen Sie nur mal bei Googlenews nach den Stichworten Corps und Corpsstudenten. Sie finden durchwegs positive bis sachlich neutrale Artikel. Ich denke nur an die zahlreichen Studienstiftungen, wie der Professor-Max-Meyer-Preis in Würzburg, die zahlreichen Kommerse und Bälle sowie die Vorortübergabeveranstaltungen wie die Neujahrsempfänge. Hinzu kommt die Öffnung der Corps gegenüber ausländischen Universitäten, deren Verbindungen dem deutschen Waffenstudententum nahe stehen; hier seien Budapest, Leuven und Riga genannt.
    Ich kann nur sagen, dass wir es geschafft haben, als konservative Dachverbände WSC und KSCV, die offen für junge männliche Studenten jeglicher Herkunft und Religion sind, unter Wahrung guter Traditionen ein deutlich verjüngtes Bild abzugeben. Ähnliches gilt auch für den mit uns befreundeten Coburger Convent.
    Waffenstudententum ist in meinen Augen zukunftsfähig, wenn es nur richtig verkauft wird.
    Ich kann nur dem neuen burschenschaftlichen Dachverband viel Erfolg wünschen und kann sagen, dass das Presseecho in Jena bei der Feier der drei alten Burschenschaften angenehm positiv war. Ich hoffe, die Herren verfolgen weiterhin den richtigen Weg. Die IBZ war ein guter Anstoß.
    Meiner Ansicht nach bringt rechtsradikales Sektierertum eine Verbindung genauso wenig weiter wie Wischwaschi Reformen in Bezug zur Aufgabe des Fechtbetrieb und einer Frauenquote.

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