Das Reformkonzept für Burschenschaften/von Klaus Feldmann

Analysiert man die strategischen Diskussionen von Burschenschaften in den letzten Jahren, findet man vor allem diese Themen: Fechten ist essentiell, Aufnahmekriterien sind noch wichtiger, Verbands-Verfassung ist essentiell, mit welchen rechten Organisationen man am besten kooperieren kann, wie man D frei von allem Fremden hält. Das sind eher restaurative Gedanken für die Burschenschaften, die mittlerweile in ihren Äußerungen oszillieren zwischen Größenwahn (wir haben die Demokratie erfunden) und Gejammer (wir Demokratieerfinder werden nicht respektiert).

Die aus unserer Ansicht als Blogger für Buxen wichtigen Themen kommen kaum vor: wie abgrenzen nach rechts, wie vorgehen gegen ganz Rechte, welche Bedeutung haben Burschenschaften heute noch in einer modernen Demokratie, welche Rolle wollen sie zukünftig einnehmen, wie wollen Bünde ganz praktisch überleben trotz Alterspyramide und veränderten Studienbedingungen? Diese eher reformerischen Themen findet man bis auf wenige Ausnahmen bei Burschenschaften kaum.

Wir als Blogger haben uns daher einmal umgehört, wo denn eigentlich die Reformer unter den Burschenschaften und Burschenschaftern abgeblieben sind.

Und fanden zweimal Interessantes.

Zum Einen ist es unverkennbar, dass der Verband NeueDB als einziger Verband (alt oder neu in Gründung) reformerische Ideen diskutiert und sogar umsetzt. So hat sich der Verband gerade einen neuen Leitspruch gegeben: Integrität, Freiheit, Gemeinsinn.
Es scheint, dass die NeueDB das aus ihrer Sicht demokratisch Gute der letzten 200 Jahren Burschenschaft aufnehmen, aber auch für die nächsten Jahrzehnte weiterentwickeln möchte.

Zum anderen fanden wir Klaus Feldmann, als wir zum Thema Reformen recherchierten. Feldmann war bis 2015 Mitglied der DB-Burschenschaft Stauffia München. Er ist als Alter Herr nach 40 Jahren ausgetreten. Wir haben ihn gefragt, ob er über seine Austrittsgründe sprechen möchte, da dies sicherlich auch viele andere Alte Herren interessieren könnten, die momentan mit ähnlichen Überlegungen ringen könnten. Doch das möchte Feldmann nicht. Er möchte das nicht aus Rücksicht auf seine – nun ehemaligen – Bundesbrüder. Das respektieren wir.

Gleichzeitig ist Klaus Feldmann wichtig, dass mit seinem Austritt seine reformerischen Anregungen und Ideen für andere Burschenschafter nicht verloren gehen.

Wir haben daher mit Klaus Feldmann vereinbart, dass er hier im Blog Burschenschafterpacktaus seine Reformpapiere im Original veröffentlichen kann – als Anregung für andere Burschenschafter und weitere Interessierte.

Blog BPA startet mit der Veröffentlichung des Konzeptes von Klaus Feldmann von 2014 (es umfasst 39 Seiten): Burschenschaft im 21. Jahrhundert – Von „Ehre – Freiheit – Vaterland“ zu „Integrität – Freiheit – Bildung“ – Ein Plädoyer für die Erneuerung burschenschaftlichen Geistes.

Einige Gedanken daraus: Einsetzen einer Historikerkommission zur Untersuchung der Verstrickung von Burschenschaft und Drittem Reich, Öffnung nach Europa, Abkehr vom Nationalismus, Relativierung der Bedeutung des Fechtbetriebs,  Aufnahme von Frauen. Feldmann hat auch schon 2014 einen Namen für einen neuen Verband vorgeschlagen, der diese Ideen aufgreifen könnte: Allgemeine Deutsche Burschenschaft in Europa.

Weitere Feldmann-ReformPapiere aus den vergangenen Jahren werden wir hier im Blog BPA veröffentlichen.

Zur Person: Klaus Feldmann ist 62 Jahre jung, Studium: Dipl.-Ing. Maschinenbau, MBA (UCLA AGSM), Beruf: Geschäftsführer Automobilzulieferindustrie (inzwischen im Ruhestand)

Wir würden uns über Ihre Kommentare dazu unten in der Kommentarfunktion freuen, um wieder einmal eine konstruktive Diskussion in Gang zu setzen:

Quovadis Burschenschaft?
(Hinweis: es wäre schön, wenn sich unterschiedliche Richtungen von Burschenschafter als Kommentatoren einbringen könnten, liberale und konservative Buxen – aber auch andere Interessierte. Bei ganz Rechten sind wir uns nicht so sicher, ob das was bringt, denn deren Diskussionsniveau bewegt sich auf dem Level „BPA Ihr Pisser, lasst uns in Ruhe, wir kriegen Euch, Ausländer raus, DB ist geil, wir retten die Arier.“ Aber wir lassen uns auch bei Braunbuxen und ihrem Argumentationsniveau gerne vom Positiven überraschen.

Anmerkung: In 2015 ist der Autor Klaus Feldmann aus der Münchener Burschenschaft Stauffia ausgeschieden. Das vorliegende Reformpapier hat er im März 2014 geschrieben. Das Papier gibt die Meinung von Klaus Feldmann wieder. Die Rechte am Papier liegen ausschliesslich bei ihm. Wir bedanken uns bei ihm für die Möglichkeit, das Papier im Blog BPA zu veröffentlichen.)

——————————————————-
Burschenschaft im 21. Jahrhundert
Von 
„Ehre – Freiheit – Vaterland“
 zu 
„Integrität – Freiheit – Bildung“
Ein Plädoyer für die Erneuerung burschenschaftlichen Geistes

Klaus Feldmann

(ex-) Münchener  Burschenschaft  Stauffia 
März 2014

——————————————————-

Danksagung

Ich bedanke mich bei
Frau Dr. Helma Brunck M.A., Frankfurt a. M.,
Historikerin und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung e.V. (GfbG e.V.) seit 2008,
2003-2006 Lehrbeauftragte an der Universität Mainz (u.a. auch zur Burschenschaftsgeschichte)
für ihre kritischen und ermunternden Rückmeldungen und Anregungen zu meinen Gedankengängen

Herrn  Verbandsbruder Dr. Dr. Harald Lönnecker, Koblenz,
Normannia-Leipzig zu Marburg, Normannia Leipzig, Germania Kassel, Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken EB, S! Normannia Danzig zu Braunschweig EM,
Leiter Archiv und Bücherei der Deutschen Burschenschaft
Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung e.V. (GfbG e.V.)
für seine Hinweise zur einschlägigen Literatur wie auch seine kritischen und ermunternden Anregungen und Rückmeldungen

meinen Bundesbrüdern Dr. Christian Johannes Henrich und Daniel Stock
für ihre Anregungen, lebhafte Diskussion und kritische Durchsicht des Geschriebenen, dem Erstgenannten speziell  für seinen Anstoß zu dieser Betrachtung

 Einführung

Das Bild, das die deutschen Burschenschaften zu Beginn des 21. Jahrhunderts in der Öffentlichkeit abgeben, wird geprägt von der Wahrnehmung, dass der bislang führende Dachverband „Deutsche Burschenschaft“, im folgenden DB, im internen Richtungsstreit auseinander bricht. In der externen Wahrnehmung streitet eine sehr aktive, äußerst konservative, womöglich rechtsextreme, gar dem Nationalsozialismus nahe stehende Gruppe mit dem anderen Teil des burschenschaftlichen Spektrums, das zwar im Wesentlichen konservativ ist, dem aber ebenso Elemente des gesamten klassischen Parteienspektrums der Bundesrepublik Deutschland angehören. Die Auseinandersetzung wird mit solcher Verve geführt, dass inzwischen nennenswerte Teile der zweiten Gruppe die DB verlassen haben und sich außerhalb des Dachverbandes um eine Bündelung der freien und anders verbündeten Burschenschaften bemühen.

Diese Situation wirft die Frage auf, ob es tatsächlich, wie die in der DB bestimmenden Kräfte für sich in Anspruch nehmen, das konsequente Verfolgen der eigentlichen burschenschaftlichen Idee ist, das die DB in die jetzige missliche Lage gebracht hat? Anders formuliert: Sind alle die Burschenschaften, die in den letzten Jahren, vermutlich nach reiflicher Überlegung und heißen inneren Diskussionen, aus diesem Dachverband ausgetreten sind, eben gerade von dieser burschenschaftlichen Idee abgefallen? Trägt also gerade der vor den Augen der Öffentlichkeit ablaufende „Gesundschrumpfungsprozess“ dazu bei, die ursprüngliche burschenschaftliche Idee zu wahren und vor ihren Gegnern in Schutz zu nehmen?
Oder haben wir es anders mit einer Situation zu tun, in der  eine kleine, sehr engagierte Gruppe  die Phase der Orientierungslosigkeit nach Erreichen des großen burschenschaftlichen Ziels, der deutschen Einheit, genutzt hat, sich im Dachverband durch ansonsten absolut anerkennenswertes Engagement die Definitions-Hoheit zu erobern, und so  ihre Vorstellungen, Interpretationen und Ziele zu Verbandszielen zu machen. Leichtes Spiel in einer Zeit, in der viele Verbände darum ringen, die satzungsgemäß vorgesehenen Stellen mit den geeigneten Köpfen zu besetzen, da eben diese auch in anderen Lebensbereichen, sei es Beruf, Familie etc. hohen Erwartungen ausgesetzt sind.

War also in dieser Situation die große Mehrheit, die man ja landläufig als die schweigende bezeichnet, froh, dass überhaupt jemand die Verantwortung für den Verband angenommen und sich engagiert hat und hat dabei übersehen, dass hier der Verband von einer jakobinerhaften Randgruppe gekapert wurde?

Angesichts dieser beiden sehr unterschiedlichen Sichtweisen der Wirklichkeit versucht sich dieser Artikel an der Beantwortung folgender drei wesentlicher Fragen:
1.    Besteht für die deutschen Burschenschaften, insbesondere nach dem Austritt zahlreicher Burschenschaften aus der DB in den letzten Jahren, nach wie vor akuter Reformbedarf oder sind sie auf gutem Kurs?
2.    Bedarf die burschenschaftliche Idee, bevor sie Grundlage einer tiefgreifenden Reform sein kann, eines Transportes ins 21. Jahrhundert und wie würde sie dann auftreten?
3.    Wie könnte auf dieser Basis eine neue burschenschaftliche Vision aussehen, eine Vorstellung von einem gemeinsamen burschenschaftlichen Verband, den alle Burschenschaften als Heimat anerkennen können und eine Vorstellung vom Leben in Deutschland, hinter der sich alle Burschenschafter versammeln können?

Gerade jetzt, kurz vor dem 200. Jubiläum der Gründung der ersten Burschenschaft  in Jena, wäre es ein gutes Zeichen, wenn es gelänge zu klären, ob die urburschenschaftliche Idee uns und insbesondere der Studentengeneration von heute noch etwas zu sagen hat. Darauf aufbauend ließe sich dann ein glaubwürdiger Zukunftsentwurf skizzieren, der das Zeug hat, die burschenschaftliche Idee in die Herausforderungen des 21.Jahrhundert zu projizieren, und sie dadurch  neu zu beleben. Damit wäre ganz im Sinne der Urburschenschaft die Chance eröffnet, die burschenschaftliche Bewegung neu zu einen  und sozusagen als Nebeneffekt das Auseinanderfallen des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft zu stoppen bzw. zu revidieren.

Kapitel 1 Haben die deutschen Burschenschaften Reformbedarf?

Die Schwierigkeiten, in denen sich die deutsche Burschenschaft heute befindet, haben eine durchaus vergleichbare Rahmenhandlung wie die Situation der deutschen Burschenschaften nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 und der darauf folgenden Gründung des Deutschen Reiches in Form der kleindeutschen Lösung. Zur Zufriedenheit großer Teile der Burschenschaft war die deutsche Einheit zwar hergestellt, jedoch gab es eine unzufriedene Gruppe, die das Verpassen einer großdeutschen Lösung zutiefst beanstandete. Die darauf folgende Orientierungslosigkeit, die mit mehreren Verbandsneugründungen und –spaltungen wie auch erfolglosen Reformbemühungen (Sanitätsrat Dr. Konrad Küster (Franconia Bonn))  einherging, dauerte weit über 20 Jahre und endete ohne tiefgreifende  Reform erst, als die anfänglich nach der Reichsgründung einsetzende Zufriedenheit um die Jahrhundertwende einer erneuten Polarisierung unter den europäischen Nationen und damit einem die Burschenschaft wieder belebendem  Nationalismus Platz machte.

Auch 1989 setzte mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung von BRD und DDR 1990, einer Lösung, die manchen Träumer in der DB nicht zufriedenstellte, für die zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend in der DB organisierten deutschen Burschenschaften eine Phase der Orientierungslosigkeit ein, in der wir ebenfalls den Verband auseinanderbrechen sehen und Verbandsneugründungen verfolgen können. Nur zeichnet sich heute nicht wieder eine „rettende“  Polarisierung unter den europäischen Nationen ab, sondern die europäischen Nationen haben sich auf den Weg der Kooperation gemacht, den es jetzt zu gestalten gilt.

Bislang haben viele deutsche Burschenschaften dieser Entwicklung nicht mit angemessenen Reformschritten Rechnung getragen und denken noch in alten Kategorien. Das gilt gleichermaßen und besonders für den Dachverband Deutsche Burschenschaft. In diesem Mangel an Eingehen auf die neuen, ja durchaus erfreulichen Realitäten liegt die Ursache der gegenwärtigen Krise des Verbandes. Keiner hat einen solchen Sachverhalt besser auf den Punkt gebracht als Gorbatschow mit seinem auf die ehemalige DDR gemünzten Ausspruch: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, der wohl auch ganz allgemein auf Reformunfähigkeit von Organisationen gemünzt zu verstehen ist.
Mangelnde Reformbereitschaft ist jedoch keine Erfindung des 20. oder 21. Jahrhunderts. Ein anderes Beispiel mit weitreichenden Auswirkungen ist uns Deutschen, und gerade uns Burschenschaftern, ebenso nah: Die Reaktion der katholischen Kirche auf die Aktionen des kleinen Mönchleins Martin Luther vor sechs Jahrhunderten, mit denen der ja Reform und nicht Spaltung beabsichtigte. Hätte die große katholische Kirche damals die Notwendigkeit erkannt, sich der Kritik zu öffnen und die daraus folgenden Reformen einzuleiten, wäre die europäische Geschichte vermutlich anders verlaufen. Die Spaltung von damals lebt jedoch bis heute fort. Und auch heute noch wird gerade von außen bei der katholischen Kirche eklatanter Reformbedarf diagnostiziert und ganz aktuell, wie es scheint, vom neuen Papst auch anerkannt und aufgegriffen.
Nun ist es sicher so, dass das Ende mancher Organisation einfach gekommen ist, da der ihr zugrunde liegende Gedanke sich überlebt hat oder irrelevant geworden ist.
Die deutschen Burschenschaften gehören sicher nicht in diese Kategorie, auch wenn es von weiten Kreisen der Bevölkerung, ganz besonders aus dem linken politischen Spektrum immer wieder mit Nachdruck behauptet wird!

Sie gehören jedoch in die Gruppe von Organisationen mit drastischem Reformbedarf, in denen gegenwärtig mit allen Kräften darum gerungen wird, ob die Notwendigkeit zum Wandel überhaupt besteht, wenn ja, ob man mit leichten Korrekturen auskommt oder ob in der Tat eine grundlegende Reform an Haupt und Gliedern fällig ist.

In diesem Abschnitt sollen nun Beweggründe zusammengetragen werden, die bei den deutschen Burschenschaften und ihren Mitgliedern die  Akzeptanz der Notwendigkeit des erforderlichen Wandlungsprozesses schaffen können. Dabei stellen sich 4 Schwerpunkte heraus:
    Die Herausforderungen der Zeitenwenden um das Jahr 1800 und das Jahr 2000
    Der Wandel im politischen, gesellschaftlichen und studentischen Leben zwischen 1800 und 2000
    Die gesellschaftliche Ächtung der Burschenschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts
    Das nicht aufgearbeitete Verhältnis zwischen Burschenschaft und Nationalsozialismus
Diese Gesichtspunkte haben  für den Dachverband Deutsche Burschenschaft gleichsam und besonders aktuelle Geltung!

Die Zeitenwende 89/15 um die Jahre 1800 und 2000
Der Gründung der Urburschenschaft im Jahre 1815 ging mit einem Vorlauf von 26 Jahren im Jahr 1789 die französische Revolution voraus. Auch wenn es natürlich vermessen wäre, hier von einem direkt ursächlichen Zusammenhang zu sprechen, sind diese Ereignisse doch verknüpft. Die französische Revolution  verschaffte den Prinzipien der Aufklärung den Durchbruch und löste in Europa einen Zeitenwandel aus. In ihrer Folge eroberte und unterwarf Napoleon Europa, und in der Gegnerschaft zu ihm entwickelte sich im Klein-Klein der deutschen Staaten ein deutsches Nationalgefühl, das unter anderem in der Gründung der Urburschenschaft in Jena seinen Ausdruck fand und  in den folgenden 130 Jahren einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf der deutschen Geschichte haben sollte, im Guten wie im Schlechten.

Es kann nur ein Zufall sein, dass auch 26 Jahre vor der Feier des 200 Jahrestages der Gründung der ersten Burschenschaft wieder ein Ereignis liegt, das in ähnlichem Umfang den Verlauf der Geschichte in Deutschland, Europa und der ganzen Welt beeinflussen sollte: Die friedliche Revolution in der DDR, gefolgt vom Fall der Berliner Mauer als Symbol der deutschen Wiedervereinigung, des Zusammenbruches des Kommunismus und damit der Öffnung Osteuropas. Darüber hinaus aber auch als Startpunkt einer so noch nicht erlebten Globalisierung aller Lebensbereiche, der Intensivierung globaler Wanderungsbewegungen, der Internationalisierung des Islamismus wie auch dem Aufstieg Pekings.

Die 2000er Zeitenwende steht ihrer Vorläuferin um das Jahr 1800 in nichts nach. Während aber die Urburschenschaft die Zeichen der Zeit erkannte und sich in Deutschland mit als Wegbereiter und Gestalter der Entwicklung verstand, ist gerade im Dachverband Deutsche Burschenschaft von heute nichts dergleichen zu erkennen. Im Gegenteil: Seine Antwort auf die Herausforderungen von heute sind die Antworten von 1815. Seit ihm 1989 das Ziel der deutschen Einheit abhanden gekommen ist, zerfällt er in konzeptlosen internen Streitereien, verliert rapide an Mitgliedern und gesellschaftlicher Achtung.

Wandel im politischen, gesellschaftlichen und studentischen Leben
Parallel zu diesen beiden Zeitenwenden hat sich auch das politische, gesellschaftliche und studentische Leben beispiellos gewandelt. An dieser Stelle seien nur einige Punkte dieses gewaltigen Wandels stichwortartig und unvollständig herausgegriffen:
Im politischen Bereich haben sich Änderungen über die kühnsten Träume der Urburschenschaft hinaus ergeben. Nicht nur gibt es ein einiges Deutschland, es gibt die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit, die Bewegungsfreiheit, die Handelsschranken sind gefallen und das nicht nur zwischen deutschen, sondern zwischen den Ländern Europas. Auch die Regierungsform hat sich über die konstitutionelle Monarchie hinaus zur repräsentativen Demokratie entwickelt. Selbst für politisches Engagement, dem zu Zeiten der Urburschenschaft noch kein selbstverständlicher Kanal zugewiesen war, stehen alle Möglichkeiten offen, sei es im Bereich von Bürgerinitiativen, Parteien, Gewerkschaften oder durch Teilnahme an Blogs oder dem Schreiben von Leserbriefen. Und zu all dem existiert ein etablierter und geachteter Weg, sich gegen vermeintlich ungerechte Behandlung durch den Staat zu wehren, auf nationaler wie darüber hinaus auf europäischer Ebene. Zudem ist es gelungen, nach schweren Prüfungen die langgehegte Feindschaft zu Nachbarstaaten in Freundschaft zu wandeln, so dass wir in einer friedlichen Zeit leben.

Auch das gesellschaftliche Leben hat durch wachsenden Wohlstand in breiten Teilen der Bevölkerung, die Gleichberechtigung der Frau, den Zugang aller Bevölkerungsschichten zu Bildung jeden Niveaus, sich laufend in nicht für möglich gehaltener Weise verbessernde Reise- und Kommunikationsmöglichkeiten, Sozialgesetzgebung und Gewerkschaften einen zu Zeiten der Urburschenschaft nicht vorstellbaren Wandel erfahren.
Und sicher ganz besonders hat sich das Studentenleben geändert. Auch hier nur einige Stichpunkte: Schon allein die Zahl der Studierenden als Anteil an der Bevölkerung macht diesen Wandel deutlich. Aber nicht nur das: Inzwischen studieren mehr Frauen als Männer, das Spektrum der Studienrichtungen und Hochschulformen hat sich vervielfacht, gerade in den letzten Jahren hat sich eine deutliche Änderung vom freien Studium hin zur Verschulung ergeben. Manch einer von uns hat noch die Parole „Unter den Talaren, der Muff von 1000 Jahren“ in Erinnerung. Es hat sich also nicht nur das Leben der Studenten, sondern auch das der Professoren gewaltig verändert.
Diese Aufzählung kann nur unvollständig sein. Und alles bleibt im Fluss.
Unabhängig davon, wie man nun diese oder jene Entwicklung bewertet, bleibt zu konstatieren, dass sich das Lebensumfeld der Deutschen und der Studenten im Besonderen in den vergangenen 200 Jahren derart gewaltig verändert hat, dass es kaum vorstellbar ist, Wahrheiten und Überzeugungen aus der Zeit um 1815 in das Jahr 2015 zu extrapolieren, ohne sie im neuen Umfeld völlig neu zu bewerten. Auch alle Hochachtung vor der Tradition muss hinter dieser Pflicht zur Neubewertung im neuen Umfeld zurücktreten!

Selbst angesichts all dieser Änderungen und Entwicklungen hat weder die deutsche Burschenschaft noch der Dachverband Deutsche Burschenschaft sich einer kritischen und schonungslosen Selbstbewertung unterzogen. Auch das ist ein Grund dafür, dass die Burschenschaft im öffentlichen Leben gerade in den letzten Jahren ins Abseits geraten ist. Die dazu in der Öffentlichkeit vorherrschende Wahrnehmung der Nähe zum Rechtsextremismus, immer wieder befeuert durch die Ausstrahlungswirkung der Aktionen einiger Weniger auf die ganze Burschenschaft, ja sogar auf das Verbindungsstudententum als Ganzes, tut ihr Übriges:
Öffentliche Ächtung
Man mag es wollen oder nicht, der Zustand, in dem sich die DB und ihre Mitglieder befinden, ist das gesellschaftliche Abseits und kommt dem Zustand der öffentlichen Ächtung nahe. Hier seien einige repräsentative Beispiele genannt, die diese Aussage belegen.

Einzelne Burschenschafter im Spannungsfeld
Die Zahl der öffentlichen Fürsprecher burschenschaftlicher Tradition schwindet dahin. Selbst respektierte Burschenschafter in herausgehobener öffentlicher Positionen scheuen es, öffentlich als Burschenschafter wahrgenommen, mit dem Dachverband Deutsche Burschenschaft oder gar mit der noch stärker polarisierenden Untergruppe Burschenschaftliche Gemeinschaft in Verbindung gebracht zu werden, da diese Assoziation auch ohne Achtung der Leistung und Errungenschaften des einzelnen Betroffenen die nachteiligsten Folgen haben kann.
Hier seien nur 2 Beispiele mit unterschiedlichem Ausgang genannt.
Der ehemalige Bundesverkehrsminister Ramsauer, der innerverbandlich deutlich machte, dass er als Person und Bundesminister nicht akzeptieren kann, wegen seiner Verbandsmitgliedschaft in die Nähe von Rechtsextremismus und NPD gerückt zu werden. Nachdem er dann im Verbandsblatt, den Burschenschaftlichen Blättern auch visuell in die Nähe der NPD gerückt wurde, war das Ergebnis absehbar: Austritt seiner MB! Franco-Bavaria aus der DB.

Der Fall von Verbandsbruder Böge lief auf ein anderes Ergebnis raus: Er verlor sein Amt, nachdem es ihm nicht gelungen war, hinreichend Distanz zwischen seine Person und die öffentliche Wahrnehmung des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft zu bringen .  Auch ihm wurde von keiner Seite ein Fehlverhalten zur Last gelegt.

Burschenschaftlicher Auftritt an den Universitäten
Die schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts beginnende Verbannung burschenschaftlicher Aktivitäten  von zahlreichen Hochschulen, in welcher Form auch immer, stellt einen Tiefpunkt der burschenschaftlichen Rolle in der Gesellschaft dar. Nicht mehr da aktiv sein zu dürfen, wo man als studentischer Verband hingehört, an die Universitäten, kann als Problem für das Überleben der studentisch geprägten Burschenschaft gar nicht gravierend genug eingeschätzt werden. Denn Burschenschaften sind keine politische Partei, die auf Parteitagen und Ortsvereinssitzungen ihre politische Strategien und Wahlprogramme ausfeilt, sondern ein studentischer Verband, der davon lebt, die hellsten Köpfe an den Hochschulen zu gewinnen und an sich zu binden.
In diesem Zusammenhang sind auch die Fälle zu nennen, in denen Aktivitates oder ganze Bünde in der Regel aus Anlässen im Zusammenhang mit Rechtsextremismus der Beobachtung eines Länderverfassungsschutzes unterliegen. Angesichts dieser die öffentliche Wahrnehmung von Burschenschaft prägenden  Vorfälle ist die ohne Wenn und Aber wünschenswerte Rückkehr der Burschenschaften an die Hochschulen ohne eine grundlegende Reform an Inhalten und Organisation eine blanke Illusion.

Burschenschaftliche Veranstaltungen im öffentlichen Raum
Tritt der Dachverband Deutsche Burschenschaft mit einer Veranstaltung, sei es ein Burschentag oder eine Verbandstagung, in die öffentliche Arena, erhebt sich sofort ein Sturm der Ablehnung. Die Kommunalpolitik setzt alle Hebel zur Verhinderung solcher Veranstaltungen in Bewegung, in den Medien setzt sich eine nicht in jedem Fall von Kenntnis getrübte Artikelwelle in Gang, von dem üblichen Klamauk von  Antifa und ähnlichen irgendwie bewegten Gruppierungen ganz zu schweigen.
Der traditionell in Eisenach stattfindende Burschentag hat dort aus heutiger Sicht nur noch eine begrenzte Laufzeit: Nachdem die Kommunalpolitik wegen vertraglicher Bindungen gescheitert war, den kommenden Burschentag aus den öffentlichen Einrichtungen der Stadt zu verbannen, wird man jetzt das Ende der Laufzeit des Vertrages (2018) abwarten.
Anders lief der Fall beim Verbandstag 2013 in Innsbruck: Nach heftigen Protesten entschied sich die Kommunalpolitik dort sogar, vertragliche Bindungen unter Inkaufnahme einer Konventionalstrafe zu lösen um eine burschenschaftliche Veranstaltung in öffentlichen Räumen zu unterbinden. Auch wenn das Brechen bestehender Verträge nicht unbedingt für die Innsbrucker Lokalpolitik spricht, zeigt es doch, welche Kräfte frei werden, wenn es darum geht, sich von Burschenschaften zu distanzieren.

Dass der Wiener Akademiker(vormals WKR)-Ball Jahr für Jahr wegen dagegen randalierender Gruppen in die Nachrichten gerät ist äußerst bedauerlich. Hier fungiert ein traditionelles Element burschenschaftlichen Lebens wie auch der Wiener Ball-Saison als Blitzableiter eines sich in der Gesellschaft verbreitenden Unwohlseins gegenüber Korporationen im Allgemeinen und Burschenschaften im Besonderen. Dass die Blitzentladung sich dann nur in Form der kleinen, für jeden Anlass bereitstehenden Randale-Truppe und nicht über eine Großdemonstration auch mit bürgerlicher Beteiligung  zeigt, ändert nichts am Trend, dass Burschenschaft immer weiter ins gesellschaftliche Abseits gerät.

Angesichts der hier ja nur als ganz kleiner Ausgriff beschriebenen öffentlichen Reaktionen auf Burschenschaft wird offenkundig, dass unter diesen Bedingungen nicht die geringste Möglichkeit besteht, dem, was die Burschenschaft ohne Zweifel an Positivem in die Gesellschaft einbringen kann, ernsthaft Gehör zu schaffen. Man mag das ja alles als ungut und zutiefst ungerecht empfinden, aber es beschreibt die heutige Stellung  von Burschenschaft in der Gesellschaft.
Der Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD 2013

Auch wenn diese Aufforderung an den Parteivorstand nur von linken Grüppchen in der SPD betrieben worden sein mag, seine Vorläufer in verschiedener Form nicht von Dauer waren und in ihrer konkreten Anwendung letzten Endes einer rechtlichen Überprüfung nicht standgehalten haben, kommt darin doch der Wunsch der großen Volkspartei SPD zum Ausdruck, mit DB-Burschenschaftern nichts zu tun haben zu wollen.

Damit werden die DB, ihre Mitgliedsburschenschaften und jeder einzelne DB-Burschenschafter für das Verhalten einiger weniger Verbandsmitglieder in Haftung genommen. Ungerechtfertigte Pauschalisierung und gleichsam Sippenhaft?
Es ist wohl die Quittung dafür, dass der Verband und seine Organe, allen voran der Burschentag, die Versammlung der Mitglieder also, bislang keine wirksamen Maßnahmen in Wort und Tat ergriffen haben, hinreichende Distanz zu der beanstandeten Gedankenwelt und ihren Trägern zu schaffen. Deswegen wird ihm und all seinen Mitgliedern das Verhalten der Wenigen zugerechnet. Es handelt sich also um eine Art von Organisationsverschulden.

Burschenschaft und Nationalsozialismus
Die hier beschriebenen öffentlichen Reaktionen auf Burschenschaft haben fast immer mit der Wahrnehmung zu tun, dass Burschenschaft mit Rechtsextremismus verwoben sei und sich den Verstrickungen der eigenen Organisation und Einzelmitglieder zu Zeiten des Nationalismus nicht stellt. Mit diesem Erscheinungsbild standen die deutschen Burschenschaften und die DB nicht alleine da. In den letzten Jahren ist jedoch zu beobachten, dass mehr und mehr Institutionen des öffentlichen Lebens beginnen, sich ihren jeweiligen Verstrickungen in der Zeit des Dritten Reiches zu stellen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Sie beauftragen Gruppen externer Fachleute (Historikerkommissionen) und stellen sich den vielfach bestürzenden Ergebnissen.
Es wird von der Gesellschaft wahrgenommen, dass die deutschen Burschenschaften diesen Schritt bislang nicht getan haben. Im Gegenteil: Im burschenschaftlichen Umfeld gibt es immer wieder Ereignisse, die davon zeugen, dass Einzelne auch heute noch nicht zwischen nationalsozialistischem und burschenschaftlichem Gedankengut zu unterscheiden wissen. Da geht dann natürlich auch ein Unvereinbarkeitsbeschluss des Burschentages, dem keine Taten folgen, ins Leere.

Für eine selbstkritische Betrachtung gibt es also Anlass genug, wie auch von Helma Brunck in ihrer Dissertation „Die Entwicklung der Deutschen Burschenschaft in Weimarer Republik und Nationalsozialismus“ exzellent herausgearbeitet wird.
Sie stellt fest, dass zwei wesentliche Grundsätze urburschenschaftlichen Denkens, die Betonung der Bedeutung von Deutschtum und einem großen, einigen, eigenständigen und starken Deutschland große Nähe zur völkisch-rassistisch begründeten Großdeutschland-Ideologie der Nationalsozialisten aufweisen und es deswegen leicht zu Vermengungen kommen musste. Auch der dem Burschenschafter so wichtige Begriff der Ehre wurde im Dritten Reich in trauriger Weise instrumentalisiert und missbraucht.

Selbst die „Burschenschaftliche Arbeitsgemeinschaft“, die sich 1934 wegen der aus ihrer Sicht zu großen Nähe der DB Führung zum Nationalsozialismus von der DB abspaltete, bekannte sich „mit heißem Herzen zum Führer und zum Nationalsozialismus!“
Die deutschen Burschenschaften gerieten nicht wegen inhaltlicher Differenzen in Opposition zum Dritten Reich, sondern wegen reiner Machtfragen: Sie wollten ihre Identität und Tradition als studentische Korporation wahren und wiedersetzten sich der staatlichen Gleichschaltung und Integration in den Nationalsozialistischen Deutsche Studentenbund (NSdStB).  Wenn dann eine Opposition von Burschenschaft zum NS-Regime zu verzeichnen war, dann lag sie in dieser Einschränkung des burschenschaftlichen Begriffs von Freiheit. Im Übrigen erschien das nationalsozialistische Wollen und Tun vielen Burschenschaftern eher als die Erfüllung ihrer Träume, „denn das Bismarckreich hatte dieses Gefühl der „Erfüllung“ nicht vermitteln können. Das sogenannte Zweite Reich beruhte auf staatlichem, nicht auf völkischem Denken. Es war nicht großdeutsch angelegt, also nicht den burschenschaftlichen Vorstellungen entsprechend. Die Burschenschaft ging nicht vom Staats-, sondern vom Volksgedanken aus. Ihr großdeutsches politisches Ziel war und blieb die „Erringung eines Reiches, das den gesamten geschlossenen Siedlungsraum des deutschen Volkes in Mitteleuropa umfasste.“
In ihrer heutigen Darstellung versteckt sich der Verband jedoch hinter der Feststellung, dass die Burschenschaften 1935 aufgelöst, zum Teil verboten und nach einigen Wirrungen als Kameradschaften in die nationalsozialistische Organisation an den Universitäten integriert wurden. Tatsächlich wurde der damalige Verband Deutsche Burschenschaft aber nicht aufgelöst, weil das Nazi-Regime in ihm einen Hort des Widerstandes gegen seine Ideologie vermutete, sondern umgekehrt: Der Verband bzw. zahlreiche Einzelbünder gerieten in Opposition zum Repräsentanten des Regimes, dem NSDStB, da sie gleichgeschaltet und damit aufgelöst werden sollten.

Hiervon unbenommen kann festgestellt werden, dass sich auch unter den Mitgliedern der Burschenschaft, wohl schwerpunktmäßig in den Altherrenschaften, einige der NS-Ideologie entgegenstellten und auch selber im Widerstand aktiv waren.
In einer Gesellschaft, die auf Vertuschung von Verstrickungen  und Ereignissen zwischen 1933 und 1945 äußerst sensibel reagiert, führt die gegenwärtige Haltung der DB zu dem Urteil, dass eine Verarbeitung und der damit verbundene Lerneffekt noch nicht eingetreten sind. Wenn dieses Urteil immer wieder durch unwidersprochene Äußerungen und Handlungen einiger Weniger Bestätigung findet, steht das Urteil fest. Respekt und Akzeptanz in der Gesellschaft wird nicht ohne eine schonungslose Auseinandersetzung mit burschenschaftlichem Verhalten während des Dritten Reiches und Konsequenzen daraus zu gewinnen sein!
Aber selbst wenn man die hier diagnostizierte öffentliche Ächtung nicht für gegeben hält oder ihr  keine Bedeutung beimisst, bleibt angesichts der vorher beschriebenen dramatischen  Änderung der Rahmenbedingungen die Erfordernis einer tiefgreifenden Reform burschenschaftlichen Denkens bestehen.

Schlussfolgerung
Aus dieser Betrachtung heraus ergeben sich zwei mögliche Schlussfolgerungen:
1.    Wenn wir deutschen Burschenschaften so, wie wir sind, nicht mehr zur Gesellschaft von heute passen bzw. die Gesellschaft uns so, wie wir sind, nicht akzeptiert und unsere Botschaft   partout nicht hören will,  sei’s drum. Möge sie daran zugrunde gehen. Wir halten Kurs. Pereat mundus!
2.    Die deutschen Burschenschaften, bzw. der Dachverband Deutsche Burschenschaft stellt sich der Frage: Was können/was müssen wir tun/ändern, um unseren burschenschaftlichen Werten  in der heutigen Gesellschaft trotz dieser misslichen Ausgangslage wieder Anerkennung zu verschaffen.
Auch wenn immer wieder kleine burschenschaftliche Kreise oder einzelne Burschenschaften sich zu dieser zweiten Schlussfolgerung durchringen und nach Antworten suchen, ist diesem Bemühen bislang kein Erfolg beschieden. Man kann wohl konstatieren, dass Schlussfolgerung zwei in vielen Fällen nach intensivem Bemühen zum Austritt aus der DB geführt, Schlussfolgerung eins dagegen die DB in die gegenwärtige Lage gebracht hat und diese Situation aufrecht erhält.
Auseinanderbrechen des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft
So gibt der Dachverband Deutsche Burschenschaft nicht nur in der  Außenwahrnehmung ein schlechtes Bild ab. Auch die interne Einigkeit und Geschlossenheit ist nicht gegeben. So haben sich seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 ca. 55 Mitgliedsburschenschaften dazu entschlossen, den Dachverband zu verlassen. Aus den nicht in jedem Fall vorliegenden Begründungen lässt sich fast immer auf einen aus Sicht der Austretenden mit burschenschaftlichen Werten nicht zu vereinbarenden Rechtsextremismus und Reformresistenz als Austrittsgrund schließen.

Die Auswirkungen dieser Austrittswelle und des damit verbundenen Mitgliederschwundes auch auf die finanzielle Lage der DB sind, wenn auch absehbar, noch nicht in aller Deutlichkeit zu erkennen.

Das Gesamtbild
Gegenwärtig sind in der deutschen Burschenschaft im Wesentlichen zwei Bestrebungen zu beobachten.
Ein großer Teil der  Burschenschaften außerhalb des Dachverbandes DB ringt zusammen mit der Initiative für Burschenschaftliche Zukunft, der Neuen Deutschen Burschenschaft und den jenaischen Burschenschaften darum, im Rahmen einer Verbandsneugründung eine vorsichtige Modernisierung burschenschaftlichen Denkens und neue, verbesserte Formen des Umgangs miteinander herbeizuführen. Es wird zu beobachten sein, ob hier der Schritt in die richtige Richtung gelingt. In dieser Gruppierung ist jedoch einvernehmlich erkannt, dass die immer wieder herstellbare Verbindung zwischen Burschenschaft und Rechtsextremismus und/oder gar Rassismus alle anderen Wahrnehmungen überstrahlt und der Burschenschaft nachhaltigen Schaden zufügt.
Dagegen sieht es im Moment so aus, als verharre die DB darin, diese Gesichtspunkte einfach wegzudiskutieren und sich selbst als missverstandenes Opfer wahrzunehmen. Im Rahmen der Verbandsarbeit der letzten Jahre wurde zwar  ein Strategieprogamm für den Dachverband entwickelt, das aber im Wesentlichen nur mit Antworten von Gestern auf Fragen und Herausforderungen von heute reagiert. Deswegen kam es dann auch nur unter dem Namen Leitmotive ans Licht der Öffentlichkeit. Es kommt einer eher rückwärtsgewandten rechtsnationalen politischen Plattform mit einigen burschenschaftlichen Akzenten gleich und ist nicht geeignet, den Dachverband aus der gegenwärtig misslichen Lage zu leiten. Es bleibt abzuwarten, ob die für das Geschäftsjahr 2014 neugewählte Vorsitzende wie beabsichtigt in der deutlich geschrumpften Rest DB neue Akzente setzen kann.

Eine Analogie
Wer angesichts dieser Sachverhalte noch der Überzeugung ist, dass ein „Weiter so“ eine erfolgversprechende Strategie gerade für die DB sein kann, der möge sich folgende kleine Analogie aus dem Wirtschaftsleben vor Augen führen: Wir betrachten eine Firma.

    Die Entwicklung findet keine Antwort auf die sich neu im Markt ausbreitende Technologie.
    Das ausschließlich bediente Marktsegment schrumpft.
    Das Firmenimage leidet, da die Firma immer wieder mit nicht akzeptablen Praktiken  in Verbindung gebracht wird.
    Tatkräftige Mitarbeiter suchen alternative Beschäftigung.
    Die Kunden springen ab, in der Folge bricht Umsatz und Ergebnis ein.
    Die Insolvenz droht.

Ein „Weiter so“ wird diese Firma kaum retten. Das Steuer muss herumgerissen werden.
Nun soll diese kleine Analogie natürlich nicht die ideellen Aspekte von Burschenschaft mit einem Wirtschaftsunternehmen vergleichen. Wenn aber Verband und Firma in ihrer Eigenschaft als Organisation das Objekt der Betrachtung werden, drängt sich die Vergleichbarkeit der Herausforderung und vermutlich eine ähnliche Schlussfolgerung auf.
Als Ergebnis dieses ersten Kapitels kann festgehalten werden, dass die deutsche Burschenschaft, insbesondere der größte Einzeldachverband DB, sich den akuten Reformerfordernissen stellen muss.
Um Wege aufzuzeigen, auf denen die DB im 21. Jahrhundert ankommen kann, soll im folgenden Kapitel der Frage nachgegangen werden, ob die ins Heute projizierten zeitlosen burschenschaftlichen Werte als Basis einer tiefgreifenden Reform herangezogen werden können.

Kapitel 2 Über die zeitlosen burschenschaftlichen Werte

Wer nun nach der Lektüre des 1. Kapitels zur Überzeugung gelangt ist, dass ein einfaches  „Weiter so“ dem Überleben der Burschenschaft und ihrer Ideale, insbesondere der DB nicht förderlich ist, kommt schnell zur Frage, was denn zu tun sei. Muss sich die Burschenschaft möglicherweise gravierend ändern? Und kann ihr das gelingen ohne ihr burschenschaftliches Erbe zu gefährden oder gar aufzugeben.

Diese Frage stellt sich der Burschenschaft nicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Beispielhaft sei hier der Einfluss der Progressbewegung auf die Entwicklung der Burschenschaft in der Mitte des 19.Jahrhunderts erwähnt.
Ein Aspekt dieser Fragestellung rückt in burschenschaftlichen Diskussion immer wieder ins Blickfeld, wenn es darum geht, was es denn eigentlich heißt, unabhängig von den Besonderheiten einer gewissen Ära, Burschenschafter zu sein: Zur Verdeutlichung einige Beispielfragen:

    Kann man heute Burschenschafter sein, ohne gefochten zu haben?
    Kann man heute Burschenschafter sein und Grün, DieLinke oder NPD wählen?
    Kann ein Mitglied der Burschenschaft heute weiblich sein?
    Kann man als Ausländer Burschenschafter sein?
    Kann man als Moslem Burschenschafter sein?
    Kann man als Handwerksmeister Burschenschafter sein?
    Sind heute von der  DB vertretene Konzepte mit burschenschaftlichen Werten zu vereinbaren (pauschale Herabwürdigung ausländischer Studienabschlüsse, keine besondere Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund)
    Vor nicht allzu langer Zeit hätte hier noch die Frage hingehört: Kann man als Wehrdienstverweigerer Burschenschafter sein?
Diese Liste ließe sich beliebig verlängern!

Um sich überhaupt an diese, sicher vom Einen oder Anderen als frevelhaft angesehenen Fragen heranzuwagen, muss man sich damit befassen, was denn der zeitlose Charakter der burschenschaftlichen Idee ist. Was macht den Burschenschafter aus? Man muss also das in Dokumenten festgehaltene Wollen der ersten Burschenschafter daraufhin untersuchen, welcher gedankliche Kern, welche Idee hinter ihrem Handeln und Schreiben stand. Denn dieses Handeln und Schreiben ist ja im Zusammenhang mit den Umständen und Notwendigkeiten am Anfang des 19. Jahrhunderts zu sehen und einzuschätzen.
Verdeutlichen lässt sich diese Notwendigkeit an einer Passage aus Fichtes „Reden an die Nation“ aus den Jahren 1807/08:

„Im deutschen Volk allein lebt noch die Urkraft der Menschheit, die neues Leben schaffen und mitteilen kann. Wenn dieses Volk zugrunde geht, so ist die Menschheit verloren.“
Natürlich stehen wir Burschenschafter auf den Schultern von national gesinnten Denkern wie Fichte und sind stolz darauf. Wer aber diese Aussage Fichtes nicht aus der damaligen Situation, einem zerstückelten und von Napoleon unterjochten und unfreien Deutschland, begreift und sie Wort für Wort zur Basis seines heutigen Denkens und Handelns macht, kann nicht für sich in Anspruch nehmen, Fichte gerecht zu werden. Er versagt ihm das Recht, sich seine Meinung auf Basis der europäischen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts zu bilden.

Es muss also vermieden werden, aus der Vergangenheit linear in die Zukunft zu extrapolieren, sozusagen durch zwei Punkte in der Vergangenheit eine Gerade zu ziehen und diese ins Heute und in die Zukunft fortzuschreiben. Dagegen soll beginnend auf den Fundamenten von Geschichte und Tradition eine Brücke in die Zukunft gebaut werden, eine Brücke eben, die sich an den Gegebenheiten des Heute und der Zukunft zu orientieren hat. Brückenpfeiler stehen nun mal nicht gut im luftleeren Raum!

In diesem Kapitel soll deswegen untersucht und diskutiert werden, was denn die zeitlosen burschenschaftlichen Prinzipien sind, die sich dann erschließen, wenn versucht wird, diese Prinzipien aus den zeitbedingten Einflüssen herauszulösen. Diese zeitlosen  Prinzipien sind die richtigen Konstruktionsregeln für den Brückenbau.
Auch eine andere Fragestellung könnte die gleichen Antworten liefern: Was würde ein junger Student, ein junggebliebener Professor vom Format eines Horn, Riemann, Rödiger, Jahn, Friesen, Luden, ein Fichte oder auch Follen denn heute tun und denken. Den Namen Sand habe ich aus dieser Auflistung bewusst herausgehalten.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass burschenschaftliches Denken, insbesondere wenn man unterschiedliche Universitätsstädte oder unterschiedliche Zeiträume miteinander vergleicht, nie von umfassender Einmütigkeit geprägt war. Selbst ohne zeitliche und räumliche Distanz gab es massiv unterschiedliche Auffassungen von Burschenschaft: So kam es z.B. in Jena am 28. Januar 1840 zur Spaltung der jenaischen Burschenschaft in die auf dem Burgkeller und die auf dem Fürstenkeller. Während sich der Burgkeller streng an den überlieferten Formen (zwangsmäßige Herrschaft der sogenannten „Familie“ der Alten und strenge Sittenzensur) festgehalten hatte, betonte die neue Partei, die sich um Zuzügler aus Göttingen gebildet hatte,  Freiheit der Form, Freiheit der einzelnen Person, Gleichheit der Rechte. Hierzu gehörten auch die politisch radikal Denkenden, die Befürworter eines flotten Studentenlebens und eifrigen Paukens. Beide Burschenschaften nahmen für sich das Recht in Anspruch, „die Jenaische Burschenschaft“ zu sein.

Angesichts dieses letzten Beispiels  wird deutlich, dass es auf die oben gestellte hypothetische Frage an die burschenschaftlichen Vorfahren keine sicheren Antworten geben kann. Sie sind nun mal heute nicht mehr verfügbar, um uns bei der Anwendung burschenschaftlichen Denkens auf die heutigen Herausforderungen zur Seite zu stehen. Und wenn sie noch verfügbar wären, wären sie vermutlich nicht einig.

Unsere heutige Generation muss deswegen die Entschlossenheit aufbringen, aus ihrem burschenschaftlichen Verständnis heraus genau diese Fragen mit Mut und Zuversicht zu beantworten, ganz im Sinne von Karl Schulze-Westen, der 1929 in der Einführung  seines „Vermächtnis der Urburschenschaft“ schreibt „Es hat ferner keinen Wert, Lebensformen und Einrichtungen aus vergangenen Tagen künstlich wiederzuerwecken oder in doktrinärer Weise auf bestimmte zeitgebundene Anschauungen zu schwören . Sondern es gilt vielmehr aus dem tieferen Geist und Wesen reifer, kräftiger Überlieferung die eigene Gegenwart richtig zu erfassen und zu meistern. ….“

Mein Einstieg in die Suche nach den zeitlosen burschenschaftlichen Werten beginnt bei den Wahlsprüchen der frühen Zeit, die ja Zeugnis ablegen von den Leitmotiven der frühen Burschenschafter.

Betrachtung von Wahlsprüchen, Leitmotiven aus der  frühen und vorburschenschaftlichen Zeit
Vornean gestellt sei eine einfache Auflistung von Wahlsprüchen und Aussagen aus vorburschenschaftlicher Zeit, die aus dem Geist der Aufklärung gewachsen sind und uns zeigen, auf wessen Schultern die Männer der Urburschenschaft und ihre Vordenker standen.
    1689, John Locke, Two Treatises on Government: Governments purpose is to protect a person’s “Life, Liberty, and Estate”
    1776, US Declaration of Independence: “We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.”
    1777, „Freundschaft, Eintracht und Beständigkeit”. Wahlspruch Konstantinistenorden, Halle
    1784, „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Kant
    1785, „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
    1787, “We the People of the United States, in Order to form a more perfect Union, establish Justice, insure domestic Tranquility, provide for the common defence, promote the general Welfare, and secure the Blessings of Liberty to ourselves and our Posterity, do ordain and establish this Constitution for the United States of America.” US Constitution Präambel
    1789, “Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“. Wahlspruch der französischen Revolution
    1791, “Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; or abridging the freedom of speech, or of the press; or the right of the people peaceably to assemble, and to petition the Government for a redress of grievances.” US Constitution Amendment 1 – Freedom of Religion, Press, Expression.
    „Frisch, frei, fröhlich, fromm“. aus der Jahn’schen Turnbewegung
    1814, „Freiheit, Ehre, Vaterland“. Wahlspruch Teutonia Halle
    1814, „Ruhe, Ordnung und Sitte, Fleiß, mehr wissenschaftlicher Sinn und Tüchtigkeit fürs Leben zu fördern“. Christian Wenzel, Sprecher, Teutonia Halle

Wir sehen, dass sich hier schon Einiges findet, dass wir heute mit burschenschaftlichem Denken verbinden.
Es folgen einige markante Wahlsprüche aus frühburschenschaftlicher Zeit:
Burschenschaftliche Wahlsprüche
    1815, “Dem Biederen Achtung und Ehre“. Wahlspruch der Urburschenschaft zur Gründung
    1816, „Ehre, Freiheit, Vaterland“. Wahlspruch der Urburschenschaft ab 18.3.1816 und wohl bis heute der burschenschaftliche Wahlspruch
    1816, „Freiheit, Recht, Tugend, Vaterland“. Wahlspruch Teutonia Marburg
    1816, „Gott, Freiheit, Vaterland“. Wahlspruch der Gießener Schwarzen
    1817, „Volkseinheit, Freiheit, Gleichheit, Recht, Treue, Wahrhaftigkeit“.  Wahlspruch Allgemeine Heidelberger Burschenschaft
    1817, „Geistesfreiheit und Vaterlandsfreiheit“. Leitwort des Wartburgfestes
    1817, „Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland“. Wahlspruch Teutonia Breslau
    1817/18, „Das Gefühl des Brudertums im Volke, Überbrückung der Gegensätze von Nord und Süd, von Katholisch und Protestantisch, Unzulässigkeit eines Krieges zwischen deutschen Staaten, gemeinsame Verteidigung des Vaterlandes, Einheit in Handel und Wandel durch Aufhebung der Zollschranken zwischen einzelnen Staaten, Gleichartigkeit von Münze, Maß und Gewicht, Verfassung und Volksvertretung, Ministerverantwortlichkeit, Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Ansehen der Geburt, Aufhebung der Leibeigenschaft, Freiheit der Person und Sicherheit des Eigentums, Rede- und Pressefreiheit“.

Wesentliche Forderungen der Jenaischen Burschenschaft zum Wartburgfest, vorgelegt 1818 in: Die Grundsätze und Beschlüsse des 18. Oktobers 1817
    1819, „Einheit, Gleichheit, Freiheit“. Wahlspruch Allgemeine Burschenschaft Marburg
    1820, „Ehre, Gerechtigkeit, Einheit“. Wahlspruch einer wiederbelebten JB Germania
    1841, „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Lied der Deutschen
    1929, „Die urburschenschaftlichen Leitgedanken von Freiheit, Ehre, Wehrhaftigkeit, Sittlichkeit, Verinnerlichung, Wissenschaftlichkeit, Deutschheit, Betätigung im Gemeinschaftsleben, Freundschaft, Erlebnis, Persönlichkeitsentfaltung, Wesensprägung haben überzeitliche Geltung“. Schulze-Westen, Das Vermächtnis der Urburschenschaft

Allein schon die Lektüre dieser kleinen und sicher unvollständigen Stichprobe gibt einen guten Überblick über die Ideale der frühen Burschenschaft und ihrer Vordenker. Es ist da nichts Überraschendes dabei.
In den nächsten Abschnitten sollen nun die einzelnen Begriffe, die Eingang in die Wahlsprüche gefunden haben bzw. sonst von Bedeutung sind geprüft und auf ihre Bedeutung im 21. Jahrhundert hin untersucht werden.

Ehre, Sittlichkeit, Wahrhaftigkeit, Tugend, Treue
Der Begriff der Ehre steht an erster Stelle des burschenschaftlichen Wahlspruches schlechthin: Ehre, Freiheit, Vaterland. Ihm deswegen eine zentrale und zeitlose Rolle im burschenschaftlichen Denken zuzuweisen, liegt nahe. Jedoch unterlag gerade das Verständnis von Ehre in den zwei Jahrhunderten der Burschenschaft erheblichen Überdehnungen, katastrophalem Missbrauch und gravierendem Wandel.
In frühburschenschaftlicher Zeit stand er in engstem Zusammenhang mit dem Duellwesen und erlebte dort sicher eine Pervertierung. Zeitweise wurde die bewusst provozierte Verletzung der Ehre zum Vehikel, mittels dessen sich der Einzelne für das kommende Semester mit der nötigen Zahl von Kontrahagen versah. Zu diesem Zweck wurden spezielle Kontrahierkneipen gefeiert, in deren Verlauf man sich einen Gegner suchte, mit ihm ein Wortgeplänkel (Tüftelei) begann, das solange fortgesetzt wurde, bis irgendwann das Stichwort „dummer Junge“ oder ähnliches fiel, um daraufhin zu fordern und eben dadurch die Ehre wiederherzustellen. Die Burschenschaft versuchte immer wieder, diesem durch die Einführung von Ehrengerichten entgegenzuarbeiten, die nur für den Fall einer wirklichen Ehrverletzung  das Duell für zulässig erklären sollten.
Katastrophalen Missbrauch erlebte der Ehrbegriff durch seine Pervertierung im Nationalsozialismus: Die SS wählte ihn zu ihrem Leitspruch „Meine Ehre heißt Treue“. Hier wurde die moralische Kategorie Ehre umgedeutet und instrumentalisiert als Treue zum politischen System und seinem Führer.

Als ausschlaggebendes Kriterium für die Ehre des Individuums galt die Rassezugehörigkeit: „Ehre ist bedingt durch die Art, durch das Blut“. (Meyers Lexikon, 1937). Diese Auffassung der Ehre spiegelte sich in der nationalsozialistischen Gesetzgebung und Rechtsprechung wider. So trug eines der Nürnberger Gesetze von 1935 den Titel: „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“. Der Volksgerichtshof gelangte am 18. März 1942 in einer Urteilsbegründung zu dem Schluss: „Die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte nach §3 StGB könnte nur dann einen Sinn und Zweck haben, wenn der Angeklagte die … Rechte tatsächlich besitzen würde. Dies ist aber bei einem Juden nicht der Fall. … Ein Jude … besitzt nach der Überzeugung des ganzen deutschen Volkes überhaupt keine Ehre“.

Gerade aus diesen Gründen sollte der Burschenschafter den Ehrbegriff nicht ohne Bedacht nutzen und sich auf den eigentlichen Kern besinnen, wie es auch der Dachverband Deutsche Burschenschaft in seiner Begriffsdefinition tut: „Jeder Burschenschafter soll seine Gedanken, sein Reden und Handeln nach den Wertbegriffen der Lauterkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit ausrichten und mit seiner ganzen Person dafür eintreten, ohne daß er für sich eine besondere, ihn über andere heraushebende Ehrenhaftigkeit in Anspruch nimmt. Die Würde anderer ebenso zu schützen und zu verteidigen wie die eigene ist für den Burschenschafter Ehrenpflicht.“ Auch Kant bietet in seinem kategorischen Imperativ (siehe oben) eine Anweisung für ehrenhaftes Handeln.
Wegen der in der Vergangenheit immer wieder missbräuchlichen Verwendung des Begriffes, ist es heute angeraten, sich eines weniger missbrauchten Begriffes zu bedienen, der deswegen auch weniger der Gefahr der Fehlinterpretation ausgesetzt ist. Denn Begrifflichkeiten bestimmen das Denken.

Wenn man heutzutage von einer integren Persönlichkeit spricht, kommt darin wohl zum Ausdruck, dass wir es mit einer ehrenhaften Person zu tun haben. Der Große Duden, Band 5, Fremdwörterbuch, gibt die Bedeutung von integer als unbescholten, ohne Makel, unbestechlich, sauber, unversehrt an. Persönliche Integrität als Attribut der Ehrenhaftigkeit im 21. Jahrhundert. Hierin finden sich auch die Begriffe der Sittlichkeit und Wahrhaftigkeit der frühburschenschaftlichen Wahlsprüche wieder.
Die Verwendung des Begriffes  Integrität zur Beschreibung der Ehrenhaftigkeit eines Individuums vermeidet auch das Missverständnis, dass eine Beschädigung der Ehre möglicherweise durch eine Forderung wieder herzustellen wäre. Integrität, Ehrenhaftigkeit, und damit Ehre im heutigen Sinne, liegt in der eigenen Person begründet und ist unabhängig vom Handeln anderer!
Wegen des in der burschenschaftlichen Geschichte engen Zusammenhanges zwischen Ehre und der bei ihrer Verletzung erforderlichen unbedingten Genugtuung in Form einer Kontrahage oder eines Duells soll unter der Überschrift Ehre auch die burschenschaftliche Tradition des Fechtens, die sich ja heute noch als Bestimmungsmensur wiederfindet, adressiert werden. Im 3. Band seiner Geschichte der Deutschen Burschenschaft gibt Heer in einem Abschnitt exzellenten Einblick in das studentische Fechten während der Zeit des Progresses:

„So kam es (Anmerkung: in den schon erwähnten Kontrahierkneipen), dass der einzelne Korpsstudent es recht oft, namentlich wenn er ein guter Fechter war, zu einer unsinnigen Zahl von Mensuren brachte. Deren 30 waren keine Seltenheit, aber es werden selbst die Zahlen 70 und 80, ja selbst 100 und mehr genannt. Wieweit letztere Angaben richtig sind, entzieht sich der Beurteilung; man muss aber berücksichtigen, dass sehr häufig kein Blut oder wenig Blut bei einer solchen Paukerei floss.  Indessen hatten auch die Formalkontrahagen noch das missliche an sich, dass eine „Beleidigung“ vom Zaun gebrochen werden musste. So kam man langsam zur Bestimmungsmensur, doch blieb der Schläger noch lange die zum Austrag gewöhnlicher studentischer Streitigkeiten übliche Waffe…. Natürlich wurde der Student unter solche Umständen oft nach der Zahl der Paukereien beurteilt, die er ausgefochten hatte, und so bildete sich allmählich der Brauch heraus, dass jeder Korpsbursch auf der Mensur gestanden haben musste. …. In den vierziger Jahren hat es noch manchen Korpsburschen gegeben, der nie gefochten hatte, aber schon am Ende derselben trat, wie wir noch sehen werden, das Bestreben auf, den Brauch durchzuführen, dass der Fuchs vor der Rezeption in das (engere) Korps, wenigstens einmal auf Mensur gestanden haben musste.“

Die Duelliersucht hatte schon vor 1815 in studentischen Kreisen epidemische Ausmaße angenommen, wie sich aus den beiden folgenden Zitaten erkennen lässt.
Das Duellwesen wurde von der Obrigkeit immer kritisch gesehen: 1798, Halle, Ludwig Heinrich Jacob, Prof. Phil. „ Ich bin gewiß, dass eine öffentliche Bestrafung mit 20 Rutenhieben auf den Hintern mehr Duelle verhindern würde, als Festung und Schwert“

König Friedrich Wilhelm III. legte 1798 „bei groben Exzessen“ keine Geldbuße oder Relegation sondern körperliche Züchtigung nach genauen Regeln fest.
Es war eines der Anliegen der Urburschenschaft, diesen Exzessen durch Betonung der Ernsthaftigkeit und Sittlichkeit des Studenten entgegenzutreten. So gehörte die Etablierung von Ehrengerichten, die nur bei tatsächlich ernsthaften Ehrenhändeln die Genehmigung zum Duell erteilen sollten, immer wieder zum burschenschaftlichen Drängen und Wollen, was allerdings in vielen Fällen weder erfolgreich noch effektiv war.

Der Wahlspruch der Urburschenschaft, der für den Biederen Ehre und Achtung fordert und nicht nur dem steilen Fechter und durstigen Zecher, ist in diesem Zusammenhang zu sehen.
Laut Heer , wurde auf dem Dresdner Burschentag 1820 der Zweikampf als Mittel zur Wiederherstellung der verletzten Ehre nicht anerkannt, weil er zwecklos und vernunftwidrig sei. Denn die äußere Ehre bestehe in der Anerkennung durch die öffentliche Meinung ……
Es steht dagegen außer Zweifel, dass die Übung der Fechtkunst von jeher ein ausgesprochen studentischer Brauch gewesen war. Seit dem 17., vereinzelt schon im 16. Jahrhundert, werden fast überall Universitätsfechtmeister erwähnt. Genauso gab es aber auch immer eine Gegenbewegung, wie z.B. 1791 die Chokoladistenbewegung, die ihren damals schmähenden Namen erhielt, weil sie Ehrenangelegenheiten bei einer Tasse Chokolade ausmachte: Die Vernunft dulde keine Vorurteile, der Zweikampf sei ein solches Vorurteil. 1792 soll in Jena bei aller Rauflustigkeit unter den 916 Studenten kein Zweikampf stattgefunden haben.
Nach diesen Betrachtungen lässt sich festhalten, dass die Verbindung von Fechten und Burschenschaft schon in der Frühzeit viel mit Tradition, ganz besonders aber mit der damaligen Auslegung des Ehrbegriffes, nichts aber mit burschenschaftlichen Inhalten oder Zielen zu tun hatte.

Die Pflichtmensur lässt sich nicht aus der Geschichte der Urburschenschaft herleiten.
Auch die Interpretation der Bestimmungsmensur als Aufnahmehürde, als Nachweis besonderer Hingabe an burschenschaftlichen Prinzipien und die jeweilige Bundesgemeinschaft, lässt sich ernsthaft nicht aufrechterhalten. Wo schon die frühen Burschenschafter das Duell nur bei ernsthaften Ehrenhändeln zulassen wollten, lässt sich heute nur schwer argumentieren, dass die Mensur ein Muss, die „Conditio sine qua non“, ein Nachweis besonderer Eignung für den zukünftigen Burschenschafter sei. Einen Nachweis besonderer Integrität stellt sie jedenfalls nicht dar.

Als letztes wird noch das Argument geführt, die gemeinsame Erfahrung der Mensur sei besonders förderlich für den bundesbrüderlichen Zusammenhalt, sie schweiße zusammen. Auch wenn an diesem Argument sicher was dran ist, wirft es doch die Frage auf, ob sich im 21. Jahrhundert nicht geeignetere Gemeinschaftserlebnisse finden lassen.

Zusammenfassend kann es heute nur nachdenklich stimmen, wenn dem Fechten in der aktuellen Diskussion burschenschaftlich identitätsstiftender Charakter nachgesagt wird. Weder hat es diese Rolle in den burschenschaftlichen Gründungsjahren gehabt noch passt es ins 21. Jahrhundert.

Freiheit
Wie die Verwendung in der amerikanischen Verfassung und im Wahlspruch der französischen Revolution zeigen, hat der Begriff der Freiheit eine weit über das burschenschaftliche Denken hinaus- gehende Bedeutung. Wohl schon immer in der Menschheitsgeschichte gab es Unterdrückung, Herrschaft von Menschen über Menschen und als Gegenbewegung den Drang nach Freiheit. Er drückte sich zu Zeiten der frühen Burschenschaft ganz besonders im Drang nach Freiheit der akademischen Hochschulen, Aufhebung der Leibeigenschaft, Freiheit der Person und Sicherheit des Eigentums, Freiheit von staatlicher Unterdrückung und Willkür, Rede- und Pressefreiheit aus. Auch heute ist der Wunsch nach Freiheit ein universelles Phänomen und z.B. in Form nationaler Freiheitsbewegungen eine Hefe im weltweiten politischen Gärungsprozess.

Das Drängen nach Freiheit ist wohl ohne Einschränkungen als zeitloses Prinzip burschenschaftlichen Denkens festzuhalten. So hält die Einleitung der Verfassungsurkunde der jenaischen Burschenschaft für das Leben an der Universität fest: „Wie den Lehrern und Vorstehern unserer Anstalten die wissenschaftliche Thätigkeit frey und unbeschränkt zusteht und ihr Streben und Wirken ….durch die höchste Staatsgewalt beschützt und unabhängig erhalten wird von fremder und einzelner Willkühr; auf gleiche Weise ist auch den Mitgliedern der Universitäten, die sich in Ihnen bilden, ausleben, und Männer werden wollen, ein freyes Leben und Treiben in jugendlicher Weise gewährt, es ist ihnen Raum gegeben, worin ein Jeder sein Eigenthümliches in Geist und Gemüth, in Art und Sitte frey aussprechen, fortbilden und zu einem Ganzen, zu einem festen Charakter ausbilden kann.“

Gerade im burschenschaftlichen Umfeld weniger artikuliert, wenn auch immer präsent, ist die ernstzunehmende und an sich naheliegende Frage nach den Grenzen der Freiheit: Nehmen nicht auch Kommunismus wie ungezügelter Kapitalismus für sich in Anspruch, den besten Rahmen für die wirkliche Freiheit des Menschen abzugeben.  Inzwischen wissen wir, dass man Freiheit nicht herbeiplanen, herbeiregulieren oder herbeikontrollieren kann. Genauso wissen wir aber auch, dass Freiheit für die Menschen nicht eintritt, wenn man alles dem freien Spiel der Kräfte, häufig eben dann der Kraft des Stärkeren,  überlässt.
Richtig ins burschenschaftliche Blickfeld kam diese Frage spätestens anlässlich der Bücherverbrennung zu Ende des Wartburgfestes 1817. Dieses Ausleben der Meinungsfreiheit brachte für die junge burschenschaftliche Bewegung fast nur negative Folgen. Die Schilderung des Wartburgfestes im Roman „Berthold der Student“ von 1850 verdeutlicht, dass diese Bücherverbrennung wohl keineswegs ausschließlich goutiert wurde und sich die kühlen Köpfe  der ausgelösten Problematik sehr wohl bewusst waren.

Noch und gerade heute ist das Problem der Grenzen der Freiheit, aktuell der Rede- und Meinungsfreiheit, ein akutes Problem des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft. Einzelne fügen mit Ihren Redebeiträgen und Meinungsäußerungen dem Dachverband gravierenden und nachhaltigen Schaden zu und berufen sich dabei auf die Ausübung ihrer Freiheitsrechte.
Wie vor 200 Jahren nach der Bücherverbrennung am Ende des Wartburgfestes führt das zum Argwohn der Öffentlichkeit gegenüber der gesamten Burschenschaft und ganz aktuell zum Auseinanderfallen des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft.

Darf der Burschenschafter die Meinungs- und Redefreiheit auch für nachweislich falsche, burschenschaftlichem Gedankengut zuwiderlaufende oder rufschädigende Aussagen in Anspruch nehmen und nachher zur Verteidigung seiner selbst und seiner Redefreiheit die Solidarität der Burschenschaft  reklamieren?
Gleichzeitig muss natürlich konstatiert werden, dass es praktisch ein Faktum der burschenschaftlichen Geschichte ist, dass selten Einigkeit darüber besteht, was nun dem burschenschaftlichen Gedankengut zuwiderläuft oder nicht. Ja, selbst was der eine als schwere Schädigung des burschenschaftlichen Ansehens ansieht, feiert der andere als klares Bekenntnis zu burschenschaftlichen Werten.
Hier liegt wohl der Samen für das  ständige Auf und Ab, Auseinanderbrechen und Wiederzusammenwachsen der burschenschaftlichen Bewegung.
Das wiederum steht im unbestrittenen Gegensatz zum originär urburschenschaftlichen Ziel einer einigen Allgemeinen Deutschen Burschenschaft an allen  deutschen Hochschulen, ein Widerspruch an dem sich der Dachverband Deutsche Burschenschaft gerade aktuell aufreibt.

Eine Lösung dieses Konfliktes innerhalb eines Verbandes, der sich zudem als politisch versteht, ist wohl nur zu erreichen, wenn
a.    klar definiert wird, welche Standpunkte sich mit Selbstverständnis und Grundsätzen des Verbandes nicht vereinbaren lassen und daraus folgernd den Vertretern dieser Standpunkte das Ausleben ihrer Meinungsfreiheit außerhalb des Verbandes nahegelegt wird.
b.    dem Grundprinzip der Freiheit das Prinzip der Verantwortung und der persönlichen Verantwortlichkeit gleichberechtigt gegenübergestellt wird. Dadurch wird der Einzelne für die Folgen seines Handelns, die Einzelburschenschaft und letzten Endes der Verband für die Folgen des Handelns des Einzelnen in die Pflicht genommen. Hier wird es notwendig sein, ein Instrumentarium zu entwickeln, mit dem Verstöße auf der Basis klarer Regeln zeitnah geahndet werden können.

Es geht hier also nicht um eine Einschränkung der Meinungsfreiheit generell, sondern um eine Feststellung, welche Standpunkte und Meinungen sich nicht mit dem Selbstverständnis des jeweiligen Verbandes vertragen. Für einen politisch denkenden Verband ist es überlebenswichtig, hier Grenzen aufzuzeigen, wenn er nicht der Beliebigkeit verdächtigt werden will.

Ohne Zweifel hat das burschenschaftliche Streben nach Freiheit aber nichts an seiner Aktualität verloren. Nur kommt die Bedrohung von Freiheit in anderem Gewand und vielfach unbemerkt daher. Hervorgehoben sei hier die Beeinträchtigung unserer Freiheit, darüber zu bestimmen, was mit Informationen zu unserer Person geschieht, die informationelle Selbstbestimmung. Die Gefahr kommt im Deckmantel des Komforts daher und wird wahr bei der Nutzung von Smartphones und Kreditkarten, bei Teilnahme in Social Networks und am Email-Verkehr, etc.. Dave Eggers gibt in seinem Roman „The Circle“ ein beklemmendes, aber gar nicht so realitätsfernes Szenario eines Lebens im Zeitalter totaler „Freiheit“, Datenkontrolle und Transparenz wieder. Ein ähnlich beklemmendes, aber reales Szenario, in dem sich ein Redakteur bewusst einem Internet-gestützten Angriff auf seine Person aussetzt, beschreibt der Spiegel in seiner Ausgabe Nr. 42/2013.

Freiheitsrhetorik ist beliebt und üblicherweise über Kritik erhaben. Wer aber Freiheit, wie wir Burschenschafter, auf seine Fahne schreibt, tut heute gut daran, sich mit ihren Grenzen und Risiken auseinandersetzen. Das Rosa Luxemburg zugeschriebene Zitat von der Freiheit der anders denkenden ist dafür kein schlechter Startpunkt.

Vaterland, Deutschsein, Deutschheit, Volkseinheit
Das Vaterland und das Deutschsein in den Mittelpunkt zu rücken war zweifellos etwas, das die frühe Burschenschaft gegenüber den schon früher bestehenden Verbindungen auszeichnete. Und der Wunsch der frühen Burschenschaft nach einem einigen, großen, eigenständigen und starken Deutschland  ist natürlich besonders im Zusammenhang mit den tatsächlichen Zuständen der Zeit zu verstehen: Deutschland war nicht einig, deswegen nicht groß, nicht eigenständig und nicht stark. Und es sollte einige Zeit dauern, bis sich das änderte. Mit der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 im „Siegesmond“, wie der Oktober genannt wurde, aber war der erste Schritt in die richtige Richtung getan.

Da die Begriffe Vaterland, Deutschland und Deutschsein aber auch im Dritten Reich von zentraler Bedeutung waren, ist eine kritische Auseinandersetzung mit ihnen wie auch eine Neubewertung für das Ankommen der Burschenschaft in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts unabdingbar! Der Dachverband Deutsche Burschenschaft stand ja nicht wegen Ablehnung von völkisch-rassistischer Ideologie und den Groß-Deutschland-Zielen der Nationalsozialisten in Konflikt mit den studentischen Institutionen des Dritten Reiches, sondern vornehmlich wegen der beabsichtigten Gleichschaltung und den tiefgreifenden Eingriffen in die Autonomie der Einzelbünde. Ohne eine historisierende Bewertung ließen und lassen sich die Ziele der Nationalsozialisten zu leicht als Verkörperung urburschenschaftlicher Gedanken verkaufen. Auch die Einführung des Führerprinzips wurde von vielen Burschenschaftern trotz  demokratisch burschenschaftlicher Tradition nach den schwierigen Demokratie-Erfahrungen  der Weimarer Republik nicht rundheraus abgelehnt.
Heute, 200 bzw. 80 Jahre später, ist das Vaterland nach wie vor Bestandteil des burschenschaftlichen Wahlspruches, aber so ziemlich alles um diesen Begriff herum hat sich geändert, dass es angeraten ist, dieses Ziel des burschenschaftlichen Wollens im heutigen Kontext zu betrachten und das daraus folgende Denken und Handeln neu zu bestimmen.
Zudem fällt  auf, dass die in den letzten Jahren verstärkten Versuche einer  immer genaueren Definition, was denn genau das Vaterland sei und demzufolge was es genau heißt, Deutscher zu sein, den Dachverband Deutsche Burschenschaft in erhebliche Schwierigkeiten gestürzt haben. Die Klärung dieser Fragen wurde u.a. für erforderlich gehalten um festlegen zu können, wer Burschenschafter werden darf und wer nicht.

Das wurde früher schon wesentlich undogmatischer gehandhabt:
Heer hält als Ergebnis des Burschentages in Dresden im September 1820 fest „Der schon auf dem Burschentag vom Oktober 1818 entstandene Streit, ob Juden in die Burschenschaft aufgenommen werden könnten, wurde dahin entschieden, dass sie „als solche, die kein Vaterland haben und für unseres kein Interesse haben können, nicht aufnahmefähig seien, außer, wenn erwiesen ist, dass sie sich christlich teutsch für unser Volk ausbilden wollen.  Ähnliches wurde für Ausländer bestimmt, dabei aber das Nähere der Einzelburschenschaft überlassen.“

Die Perspektive des 21. Jahrhunderts erlaubt oder erfordert aber noch eine ganz andere Herangehensweise: Wenn das Wohl des Vaterlands im Mittelpunkt allen Strebens steht, stellt sich die Frage, woran denn diesbezüglich Fortschritt zu messen sei. Die Antwort kann nur im steigenden Wohl der Menschen  im Vaterland, also für den Burschenschafter in den meisten Fällen in Deutschland und Österreich, liegen. Hier wird schon deutlich, dass eine Differenzierung zwischen Deutschen und Nichtdeutschen nicht zielführend ist: Eine nachhaltige Erhöhung des Wohls der Deutschen unter Auslassung des Wohls der Nichtdeutschen in diesen beiden Ländern lässt sich schwer vorstellen und ist aus Sicht des Autors auch weder machbar noch erstrebenswert, trüge es doch apartheidhafte Züge. Weiter zwingt die heute im Gegensatz zu 1815 ungeheuer enge Vernetzung und Abhängigkeit der Nationen in Europa und darüber hinaus wohl zu der Feststellung, dass auch das Wohl der Menschen in Deutschland ohne das Wohl der Menschen um Deutschland herum (und darüber hinaus) nicht nachhaltig und dauerhaft zu haben ist. Angesichts der europäische Herausforderungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts bringt der italienische Ministerpräsident Enrico Letta diesen Zusammenhang bei seinem Besuch auf dem SPD Parteitag in Berlin im November 2013 auf den Punkt: „Wenn ihr Deutschen auf dieser Straße weitergeht, werdet ihr eine Weile noch stark bleiben. Aber um euch breitet sich die Wüste aus, und das wird am Ende euch selbst schwächen.“
Wegen dieser gegenseitigen Abhängigkeiten ist eine noch so genaue Definition von Deutsch und Nichtdeutsch, Deutschland und nicht Deutschland für burschenschaftliches Handeln nicht mehr relevant.

Insbesondere trägt die hier präsentierte Sichtweise dazu bei, dass es nicht mehr des volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriffes bedarf, der zur ideologischen Begründung der Aufnahme der österreichischen Bünde in die Deutsche Burschenschaft im Rahmen des historischen Kompromisses herangezogen wurde. Die Verwendung dieses Begriffes hat doch gerade wegen seiner Verwechslungsgefahr mit der völkisch-rassistischen Großdeutschland-Denke der Nationalsozialisten in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten und zu der Wahrnehmung geführt, dass sich Burschenschaft und Nazi-Ideologie naheständen.
Die hier vorgeschlagene Sichtweise substituiert also das Auf-den-Sockel-heben von letzten Endes abstrakten, sich einer absoluten Definition entziehenden  Begriffen wie Vaterland und Deutschheit mit dem konkreten Streben nach dem Wohl der Menschen. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Zudem lässt sich festhalten, dass sich Vaterlandsliebe und Patriotismus aus sich selbst heraus definieren und  nicht aus der Abgrenzung und Erhöhung  gegenüber dem Anderen. Dann kann Vaterlandsliebe und Patriotismus eben dieses bei anderen achten. Sie bedürfen deswegen auch nicht einer akribischen Definition einer irgendwie gearteten Grenzlinie. Man liebt das Vaterland in dem man aufgewachsen ist bzw.  sich zuhause fühlt. Hieraus folgt gerade aus burschenschaftlicher Sicht die selbstverständliche Notwendigkeit, sich zuwandernden Menschen und Familien gegenüber zu öffnen und ihnen das Gefühl eines neuen Zuhauses zu vermitteln.

In dieser ganzheitlichen und langfristigen Sicht kann Vaterlandsliebe und Patriotismus der Nationen und Völker fruchtbar nebeneinander bestehen und ein großes Maß an Kooperation begründen. Im Gegenteil, gerade das sichere Zugehörigkeitsgefühl des Einzelnen zu einer Gruppe erlaubt das wirksame Engagement aus der Gruppe heraus. Das ist bei der Zugehörigkeit zur Familie nicht anders als bei der zu einem Vaterland.

Aus diesem Blickwinkel sind Vaterlandsliebe und Patriotismus selbstverständlich wesentliche Elemente burschenschaftlichen Denkens, damals wie heute.
Deswegen kann ein Burschenschafter kein Verständnis dafür haben, dass ein  in Deutschland Verantwortung tragender Politiker wie Hans-Christian Ströbele, Grünen-Urgestein, auf die Frage, ob man stolz auf Deutschland sein könne, antwortet:  „Sprüche wie ´Ich bin stolz auf Deutschland‘ gruseln mich“. Die Folge des Stolzes ist nämlich nicht, wie Ströbele anscheinend vermutet, die Geringschätzung der anderen Nationen. Niemand ist mit einem Gegenüber gedient, dass weder geachtet wird noch sich selber achtet.

Diese Betrachtung eröffnet dem Wirken der Burschenschaft gerade im Hinblick auf ein Engagement für ein einiges Europa völlig neue Perspektiven. Ein isoliertes Engagement für die wie auch immer definierten Deutschen wird verdrängt durch ein Engagement für die Menschen in Europa und wirkt gerade dadurch für das Wohl der Deutschen. In einem einigen Europa, das Wege gefunden hat, seine Herausforderungen und Chancen gemeinsam zu regeln, ist für ein intaktes und selbstbewusstes Deutschland genauso viel Platz wie für den intakten und selbstbewussten Freistaat Bayern im seit weit über hundert Jahren geeinten und von 1945 bis 1990 wieder geteilten Deutschland.

Ebenso eröffnet diese Betrachtung jedem Europäer Raum für Erhalt und Pflege der Kultur des jeweils eigenen Vaterlandes. Dies als Pflicht zur Pflege von deutscher Kultur, Volks- und Brauchtum anzusehen steht der Burschenschaft schon aus Gründen der Tradition gut zu Gesicht. Einer akribischen Abgrenzung, was denn nun deutsche Kultur und Brauchtum sei und was  nicht, bedarf es auch hier nicht. Wir pflegen die Kultur, in der wir aufgewachsen sind und in der wir uns wohl fühlen. Es ist nicht zu übersehen, dass hierin ein weiteres starkes Argument liegt, Zuwanderer willkommen zu heißen und sich ihnen gegenüber zu öffnen.

Am Ende dieses Abschnittes sei aber nochmal die Brücke vom Vaterland zu Europa als burschenschaftlichem Ziel geschlagen. In seinem sehr lesenswertes Essay „Zur Verfassung Europas“ sendet  Jürgen Habermas gerade uns Burschenschaftern eine deutliche Nachricht: „Die Politik scheint an der Schwelle von der ökonomischen zur politischen Einigung Europas den Atem anzuhalten und den Kopf einzuziehen. Warum diese Schreckstarre? Aus einer dem 19. Jahrhundert verhafteten Perspektive drängt sich die bekannte „no demos“ Antwort auf: Es gebe kein europäisches Volk; daher sei eine politische Union, die ihren Namen verdient, auf Sand gebaut. Dieser möchte ich eine bessere entgegensetzen: Die anhaltende politische Fragmentierung der Welt und in Europa steht im Widerspruch zum systemischen Zusammenwachsen einer multikulturellen Weltgesellschaft und blockiert Fortschritte in der verfassungsrechtlichen Zivilisierung der staatlichen und gesellschaftlichen Gewaltverhältnisse.“

Es liegt auf der Hand, dass für das Wohl der Menschen kritische Themen wie u.a. die Regulierung der Finanzindustrie, Steuern, Umweltpolitik, Patentwesen, aber auch Kriminalität und Terrorismus,  sich der Regelungs- und Verfolgungskompetenz des Nationalstaates immer weiter  entziehen und nicht mehr zielführend von einem auf sich gestellten Land angegangen werden können. Wenn der Nationalstaat für diese Bereiche Souveränitätsrechte auf ein zunehmend demokratisch legitimiertes Europa überträgt, stellt er damit die zwischenzeitlich verlorene Möglichkeit der demokratischen Einflussnahme seiner Bürger auf diese Bereiche wieder her.

Aus dieser Perspektive wird deutlich, dass das von Teilen der Burschenschaft betriebene Zurückdrehen des europäischen Einigungsprozesses die Möglichkeit der demokratischen Einflussnahme der Unionsbürger auf die den Einzelnen betreffenden transnationalen Phänomene unserer Zeit reduziert. Das kann nicht im Sinne der Burschenschaft sein. Im Gegenteil: Aus der Selbstverpflichtung der Burschenschaft, sich für das Wohl der Menschen in Deutschland einzusetzen, folgt die Notwendigkeit, sich für eine Zunahme an Einfluss eines demokratisch legitimierten Europaparlamentes einzusetzen, den europäischen Einigungsprozess zu fördern, und sich als politisch denkender Verband konstruktiv mit seiner Gestaltung auseinanderzusetzen. Denn ohne Zweifel gilt es hier bei aller grundsätzlichen Notwendigkeit auch, eintretende Fehlentwicklungen zu erkennen und zu benennen, egal ob das nun Kleinigkeiten wie das Verbot von Speiseölkännchen auf den Tischen von Restaurants oder gravierende Konstruktionsfehler bei der sonst uneingeschränkt wünschenswerten gemeinsamen Währung sind!

Angesichts der in diesem Abschnitt nur ansatzweise aufgezeigten Interdependenzen europäischer Staaten und des Wohls ihrer Bürger ist es gerechtfertigt von einer europäischen Schicksalsgemeinschaft oder besser, von einer Schicksalsgemeinschaft der Bürger Europas zu sprechen, die sich mit Sicherheit nicht durch eine Rückabwicklung des europäischen Einigungsprozesses entwirren lässt. Wir sitzen in einem Boot und werden Herausforderungen wie die heutigen ohnehin gemeinsam meistern müssen.

Zur Veranschaulichung  sollte man sich in Analogie einfach mal die Rückabwicklung des fast 200-jährigen deutschen Einigungsprozesses zurück zum Fleckerlteppich der burschenschaftlichen Gründungszeit vorstellen.

Einigkeit, Freundschaft
Dem Streben nach Einigkeit für das deutsche Vaterland (Lied der Deutschen) entspricht der Wunsch nach Einigkeit einer Allgemeinen Deutschen Burschenschaft der frühen Burschenschaft und natürlich auch das Gebot der Einigkeit und Freundschaft, der Bundesbrüderlichkeit, auf der Ebene der einzelnen Burschenschaft. In dieser Einigkeit und Freundschaft unter Bundesbrüdern liegt der wesentliche, zeitlose Kitt, der die Burschenschaft zusammenhält. Hier kommt das klassisch studentische  Verbindungsleben zum Tragen: Gemeinsam singen, feiern, ja auch trinken und die eine oder andere Dummheit machen, Sport treiben, auf Skihütten übernachten, nächtelang diskutieren und was es sonst noch so alles gibt.

Denn wenn es einerseits zum Kern der Burschenschaft gehört, sich mit Leidenschaft, Sachkenntnis, Scharfsinn und Logik über so ziemlich jedes mögliche Thema auseinanderzusetzen, dadurch Erkenntnis zu gewinnen und die eigene Persönlichkeit zu formen und zu bilden, so bedarf es eines Bandes, das die Burschenschaft zusammenhält und sie vor dem Zerbrechen schützt. Dieses Element wurde von der Urburschenschaft noch als bundesbrüderliche Liebe bezeichnet. Heutzutage wählen wir die Worte Freundschaft, Bundesbrüderlichkeit, gegenseitiges Vertrauen und  Respekt, ohne die Burschenschaft nicht möglich ist.

Dem zugrunde liegen bei der Einzelburschenschaft das Einvernehmen über und die Durchsetzung der in den jeweiligen Bundesverfassungen festgehaltenen Regeln. Die burschenschaftliche Geschichte mit ihren Spaltungen, Neugründungen und Wiedervereinigungen zeigt, dass dieses Einvernehmen und die Durchsetzung von Regeln auf Verbandsebene, anders als auf der Ebene der Einzelburschenschaft, selten dauerhaft funktioniert hat.
Wenn man heute am Ziel einer einigen deutschen Burschenschaft festhalten möchte, sollte das auf der  Verbandsebene  zu der Schlussfolgerung führen, dass man einen weiten Rahmen braucht, dessen Grenzen aber klar, eindeutig und einklagbar definiert  und Prozesse etabliert sind, Verletzungen dieser Grenzen in überschaubaren Zeiträumen zu sanktionieren.

Recht, Gleichheit
Die urburschenschaftliche Forderung nach Recht, Gleichheit vor dem Gesetz und Schutz vor staatlicher Willkür sind inzwischen gerade in Deutschland und Österreich in einem Maße realisiert worden, das sich die ersten Burschenschafter kaum hätten träumen lassen. Dennoch gilt es gerade hier immer aufmerksam zu bleiben.
Ein Nebenaspekt dieser Forderung nach Gleichheit aus urburschenschaftlicher Zeit ist jedoch erwähnenswert: Der Einsatz gegen den Pennalismus. Unter Pennalismus versteht man ein Unterordnungsverhältnis zwischen jüngeren, gerade eingeschriebenen und den älteren Studenten. Dies spiegelte sich auch in zum Teil bösen Auswüchsen in studentischen Verbindungen im Verhalten gegenüber den jungen Mitgliedern, insbesondere den Füxen, wieder. Schon in der Schrift „Ordnung und Einrichtung von Burschenschaften“ von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn und Friedrich Friesen im Jahr 1811 ist der Satz zu finden: „Der Pennalismus darf nicht wiederkehren, er verleitet die Älteren zu Anmaßungen und zerstört die Freiheit und Gleichheit.“

Die Reform dieses Verhaltens war ein Anliegen der Urburschenschaft, und auch heute gibt es sicher noch vereinzelt Anlass, dieses Anliegen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Wehrhaftigkeit, Turnen
Ebenfalls in der Schrift „Ordnung und Einrichtung von Burschenschaften“ von 1811 von Jahn und Friesen findet sich der Satz: „Darum muss jeder Bursch etwas tüchtiges lernen, sich deutsch ausbilden für Volk und Vaterland, leiblich und geistig, und sich in Waffen üben, mit Blankgewehr wie mit Schießgewehr.“
Leiblich und geistig also. Das ging aber über die Forderung „Mens sana in corpore sano“ hinaus, da zu dieser Zeit auch die körperliche Wehrhaftigkeit von großer Bedeutung war. War der Krieg doch damals noch die selbstverständliche und auch angewandte Fortsetzung  der Politik mit anderen Mitteln (Clausewitz) und erforderte den wehrhaften jungen Mann.

Auch der Burschentag 1831 in Frankfurt  beschloss hierzu: „Die Allgemeine Deutsche Burschenschaft ist die freie Vereinigung der wissenschaftlich auf der Hochschule sich bildenden deutschen Jugend, die sich zum Zwecke gesetzt hat:
herbeizuführen ein frei und gerecht geordnetes, in Volksfreiheit gesichertes Staatsleben im deutschen Volk und
die sich zur gewissen Erreichung dieses Ziels eines freien, sittlichen und volkstümlichen Lebens auf der Hochschule und einer kräftigen Entwicklung und Übung des Körpers aufs eifrigste bestrebt.“
Glücklicherweise ist heute das Erfordernis der Wehrhaftigkeit, zumal in Europa, an Bedeutung zurückgetreten. Nichtsdestoweniger ist die Forderung nach körperlicher Ertüchtigung, Neudeutsch Fitness, gerade heute, in der Zeit der Büro- und Bildschirmtätigkeit, brandaktuell und aus dem burschenschaftlichen Leben nicht wegzudenken.

Gott, Religiösität
Der Bezug auf Gott und damit eine religiöse, sittliche Komponente als Fundament burschenschaftlichen Denkens, war zu Zeiten der Urburschenschaft, wenn auch nach Universitätsstadt unterschiedlich, ausgeprägt. Er findet sich auch heute noch in den Wahlsprüchen zahlreicher Burschenschaften wieder.
Diese burschenschaftliche Wurzel wird auch im Einladungsschreiben der Jenaischen Burschenschaft zum Wartburgfest 1817 deutlich: Um dort „ein Fest zu begehen in drei schönen Beziehungen: nämlich der Reformation, des Sieges bei Leipzig und der ersten freudigen und freundlichen Zusammenkunft deutscher Burschen von den meisten vaterländischen Hochschulen.“ Hierin kam der Vierklang „Gott, Vaterland, Freiheit und Einigkeit“ zum Ausdruck. Das Wartburgfest, das eben auch als 300-Jahrfeier der Reformation gedacht war, stellt damit den Bezug zu Martin Luther und seinen Verdiensten um die gemeinsame deutsche Sprache her.

Im Gegensatz zu damals, als der Festgottesdienst ein fester Bestandteil großer burschenschaftlicher Zusammenkünfte war, tritt Bedeutung von Religion und Gottbezug für Burschenschaft in unserer von Individualisierung geprägten Gegenwart zurück.

Wissenschaftlichkeit, Bildung
Auch das Interesse an diesem Themenbereich ist selbstverständlich eine burschenschaftliche Konstante und begründet nicht nur Studienfleiß und Engagement im Fach der Wahl und darüber hinaus, sondern auch burschenschaftliches Engagement für akademische Freiheit, in der Organisation des Hochschulwesens und in der Bildungspolitik. Einen Besorgnis erregenden Trend für die Hochschulpolitik beobachtet W. Kemp zum Beispiel im amerikanischen System der Elite-Universitäten („Akademischer Kapitalismus“). Besorgnis erregend insbesondere, da der Trend zur Kommerzialisierung ausgehend von den USA auch in Europa mit gewissem Zeitverzug mehr oder wenig ungefilterten Eingang in viele Bereiche des Alltags findet.
Unter den ersten Burschenschaftern hatte Studienfleiß und Studienernst nicht nur zum eigenen, sondern ganz besonders zum Wohl des Vaterlandes gar wegen der zahlreichen studentischen Heimkehrer aus den Freiheitskriegen eine ganz besondere Bedeutung.
Das gilt in Deutschland und Österreich, Ländern deren wichtigster Rohstoff die Bildung ist, heute nicht minder!

An dieser Stelle sei ein kleiner Rückgriff auf Wilhelm von Humboldt erlaubt. Bei seiner vom Geist der Aufklärung geleiteten Reformarbeit im Preußen nach der Niederlage gegen Napoleon griff er auf seine Idee der Bildung zurück, in deren Mittelpunkt nicht staatliche Interessen oder berufliche Nützlichkeiten stehen, sondern „der Mensch selbst“, mit seinen körperlichen, intellektuellen und moralischen Kräften. Nichts auf Erden sei so wichtig „als die höchste Kraft und die vielseitigste Bildung der Individuen“.

Das  Gedankengut der Aufklärung, aus dem zahlreiche Forderungen der Urburschenschaft hervorgingen, hat heute nichts an seiner Aktualität verloren. Ganz im Gegenteil erfordert die immer stärker verschulte,  spezialisierte und an einer Nützlichkeit orientierte Form der Wissensvermittlung an den Hochschulen besondere Anstrengungen, die jungen Studenten in der Bedienung des eigenen Verstandes zu schulen und weiterzuentwickeln. Das Leben in der Burschenschaft sollte einen Beitrag zu dieser  „Erziehung zur Mündigkeit“ (W.v.Humboldt) des jungen Burschenschafters leisten. Der gestandene Burschenschafter sollte Selbstdenker ganz im Sinne von Locke oder Kant sein. Dieser Fähigkeit kommt gerade heutzutage wieder besondere Bedeutung zu: Wird doch von vielen Seiten, von Islamisten wie Evangelikalen, Rechts- wie Linksextremisten, von der Werbe- wie auch der Internetindustrie usw. ein einfaches Lösungsangebot für alle Probleme dieser Welt offeriert, die wirklichen Herausforderungen verschleiert und erfolgversprechende Maßnahmen suggeriert, wenn man sich nur in ihre Fänge begibt. In diesem Umfeld kritisch denkfähig zu bleiben ist eine große Herausforderung und sollte auch und gerade heute ganz oben auf der Anforderungsliste für den Burschenschafter stehen.

Auch wenn natürlich das einzelne Mitglied für seinen Studienerfolg allein verantwortlich ist, obliegt es der Burschenschaft, diesen Erfolg zu fördern, zumindest aber, ihm nicht mit übermäßigen Ansprüchen an das einzelne Mitglied im Weg zu stehen.
So ist es zumindest erwägenswert, Fortschritte im Studiengang bei Burschung bzw. Inaktivierung zur Entscheidung heranzuziehen.
Ohne Zweifel kommt aber dem Thema Bildung aus burschenschaftlicher Sicht auch und gerade heute herausragende Bedeutung zu! Diese Bedeutung erstreckt sich nicht nur über den Bereich akademischer Bildung sondern über alle Altersstufen und Mitglieder der Gesellschaft!

Betätigung im Gemeinschaftsleben
Schulze-Westen erwähnt 1929 in seinem „Vermächtnis der Urburschenschaft“ auch noch die Betätigung im Gemeinschaftsleben als burschenschaftliches Prinzip überzeitlicher Geltung. Die Frage, wie das geschehen soll, steht dagegen immer wieder zur Debatte: Soll die Mitgliedschaft in der Burschenschaft den Einzelnen darauf vorbereiten, jeweils an der Stelle, die er im nachuniversitären Leben einnimmt, auf Basis burschenschaftlicher Werte zu handeln und zu wirken? Oder soll ein burschenschaftlicher Verband als Ganzes im Gemeinschaftsleben, in der Politik, sozusagen als eigenständiger Spieler, und wenn ja, wie, auftreten?
Angesichts der unlängst veröffentlichten Leitmotive stellt sich die Frage der DB ganz aktuell: In den Leitmotiven setzt sich der Verband nicht mit den auch in diesem Aufsatz diskutierten burschenschaftlichen Werten mit dem Ziele vertieften Verständnisses auseinander. Stattdessen bezieht er konkrete, zum Teil sehr detaillierte politische Positionen in den verschiedensten Politikfeldern, gibt diesen per Burschentagsbeschluss eine gewisse Verbindlichkeit und definiert damit den Verband nicht über Werte, sondern über eine politische Plattform. Auch der mitschwingende Wunsch nach einem schlagkräftigen Verband verstärkt den Eindruck, dass man sich den Dachverband als politischen Akteur wünscht.
Diese Diskussion fand auch schon in der frühburschenschaftlichen Zeit statt, wie folgende Stellen belegen:
Der Odenwälder Burschentag von 1822 sieht die Burschenschaft als Bildungsschule in wissenschaftlicher und sittlicher Beziehung für das Leben im Staate…
… es wurde hervorgehoben, dass die Burschenschaft zu unmittelbarer politischer Tätigkeit nicht berufen sei.

Der Frankfurter Burschentag war dagegen 1831 anderer Meinung: 
Einstimmig sprach man sich für den von Jena aufgestellten Grundsatz der „praktisch-politischen Tendenz“ aus, d.h. des selbsttätigen Eingreifens in die Verhältnisse des Vaterlandes … da die Zeit dringend fordert, dass die Burschenschaften als eine politische Assoziation gegen jedes illiberale Prinzip auftreten.
Der gleiche Frankfurter Burschentag beschließt 1831 aber auch, über welchen Mechanismus die burschenschaftlichen Ziele erreicht werden sollen: Die Burschenschaft sei eine freie Vereinigung an der Universität, „die sich zur gewissen Erreichung dieses Ziels (nämlich: herbeizuführen ein frei und gerecht geordnetes, in Volksfreiheit gesichertes Staatsleben im deutschen Volk) eines freien, sittlichen und volkstümlichen Lebens auf der Hochschule und einer kräftigen Entwicklung und Übung des Körpers aufs eifrigste bestrebt.

Der Stuttgarter Burschentag bestätigt dann Ende 1832, also nach dem Hambacher Fest, „dass die vom Frankfurter BT gegebene Bestimmung einer praktisch politischen Tendenz beibehalten sei, und dass der Weg der Revolution als der einzige für jetzt verfolgt werde“. Er legt die Burschenschaft also auf den Weg der Revolution fest. Damit war der Weg zum Frankfurter Wachensturm vorgezeichnet. Durch das anschließende Wiederaufleben der Karlsbader Beschlüsse standen den Burschenschaften schwere Zeiten ins Haus.

Die Unterschiede zum Umfeld, in dem sich Burschenschafter heute bewegen, liegen auf der Hand: Der Entfaltung des politischen Wollens des Einzelnen standen damals praktisch keine Kanäle zur Verfügung. Heute, gerade in Zeiten des Internets, kann man sich vor Angeboten, politisches Engagement zu zeigen, kaum retten. Nicht nur steht dem Einzelnen das Engagement in Parteien oder Gewerkschaften offen, die sich ja erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu formen begannen, er kann Leserbriefe schreiben, sich ich an Volksabstimmungen, Bürgerinitiativen etc. beteiligen und dort bei entsprechendem Engagement auch führende Rollen einnehmen.
Das heutige Umfeld lässt die Burschenschaft als eigenständigen politischen Akteur deswegen als überflüssig erscheinen. Das wiederum gilt nicht für ihre Rolle als Träger und Verteidiger von Werten, die den Einzelnen zu verantwortungsvollem Handeln befähigen.

Weitere Themen
Neben den bislang diskutierten Themen, die von so großer Bedeutung waren, dass sie Eingang in den einen oder anderen Wahlspruch gefunden haben, gibt es aber noch einige, die aus heutiger Sicht sehr wohl die Betrachtung rechtfertigen.
Burschenschaft als gesellschaftliche Avantgarde
Ohne Zweifel kann man die Urburschenschaft mit ihren Idealen als Avantgarde, als Vorhut, der im Volk damals weit verbreiteten Stimmung auffassen. Sie besaß, auch wenn der Abstand zwischen Akademia und dem Rest des Volkes zum Teil sehr groß war, breiten Zuspruch, da sie Themen aufgriff und sich zu eigen machte, deren Zeit gekommen war. Sie gab dem Zeitgeist eine Stimme.
Diese Rolle hat die Burschenschaft heute weitgehend verloren. Sie wird, wohl nicht ganz zu Unrecht, als primär der Tradition verpflichtet angesehen, nicht offen und aufgeschlossen, sich den Chancen und Herausforderungen der heutigen Zeit auf einer soliden Wertebasis mit guten Ideen und Tatkraft zu stellen.
Hier könnte ein Ansatzpunkt für die Wiederbelebung der Burschenschaft im 21. Jahrhundert liegen.

Burschenschaft und Öffentlichkeit
Die Urburschenschaft wollte nie Geheimbund sein. So trat sie gegen Freimaurerei an und zählte Öffentlichkeit zu ihren Grundsätzen. Dies gilt es, sich in Erinnerung zu rufen, wenn heutzutage zu beobachten ist, das mit großer Mühe versucht wird zu verhindern, dass unter Umständen problematische interne Initiativen oder Kritik das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
Gerade eine Vereinigung wie die unter öffentlicher Beobachtung stehende Deutsche Burschenschaft ist gut beraten, das Gebot zu Offenheit und Transparenz zu beachten und ihre Zeit darauf zu verwenden, intern Kritik aufzunehmen und Missstände zu adressieren, statt zu versuchen, sie durch Behinderung des Informationsflusses abzuschirmen oder unter den Teppich zu kehren.
Sehr eindrucksvoll ist in diesem Zusammenhang ein Passage aus dem Scheidebrief der Jenaer Burschenschaft an ihren Landesherrn zur Auflösung im November 1819: „ …Ein sittliches freies Leben hatte sich gestaltet, zuversichtliche Öffentlichkeit war an die Stelle schleichender Heimlichkeit getreten; wir konnten ohne Scheu und mit gutem Gewissen den Augen der Welt darbieten, was wir aus unserem innerstem Herzen hervorgesucht und in die Wirklichkeit versetzt hatten;…“

Es ist kein gutes Zeichen, dass sich im Internet gar Adressen etablieren können, deren Anspruch es ist, der Öffentlichkeit das „wahre“ Innenleben der Burschenschaft zugänglich zu machen.
Das sollten wir als Burschenschafter mit Aufrichtigkeit, Freude und Offenheit schon selber machen wollen.

Mitgliedschaft von Frauen
Es bedarf keiner großen Phantasie, sich zu vergegenwärtigen, dass die Mitgliedschaft weiblicher Studenten in einer frühen Burschenschaft überhaupt kein Thema war. Weder gab es Studentinnen, noch war es irgendwie denkbar, dass im studentischen Comment Frauen anders auftauchten als als Anlass für einen Ehrenhändel. Zu dieser Zeit gehörten Frauen an den Herd, sie hatten kein Wahlrecht, tauchten im öffentlichen Leben so gut wie gar nicht auf, trugen natürlich nicht den Waffenrock oder gar Waffen, sie feierten keine wissenschaftlichen Errungenschaften, sie sprachen kein Recht und sie kümmerten sich nicht im Talar um die Seelsorge oder als Ärztin um Kranke. Sie dienten natürlich nur dem Mann als Zierde. Was denn sonst?
Wie sich die Zeiten doch geändert haben!

Heute ist es sichere Erkenntnis, dass Frauen, mal abgesehen von rein körperlichen Aspekten, dem Mann durchaus ebenbürtig sind. Ebenso sicher ist man sich, dass männlich/weiblich gemischte Teams bessere Ergebnisse erzielen, als rein männliche. Und es gibt sehr wohl Bereiche, in denen man bei dem einen Geschlecht dem anderen gegenüber Stärken verortet.
Und ob wir es nun gut, empfehlenswert oder ästhetisch finden: Es gibt auch Frauenfußball, Frauenboxen und Frauen stehen sogar im militärischen Kampfeinsatz.
Wenn sich also die Burschenschaft völlig unvoreingenommen vornimmt, ihre Mitglieder auf das Leben „da draußen“ vorzubereiten und zielstrebig die eigenen Anliegen zu verfolgen, dann führt an der Aufnahme von Frauen kein Weg vorbei!

„Da draußen“ nämlich, im Kirchenvorstand, im Management-Team oder auf der Regierungsbank wird es von Tag zu Tag selbstverständlicher, weibliche und männliche Mitglieder gemeinsam an der Erreichung von Zielen arbeiten zu sehen!
Dass der als Männerbastion angesehene Rotary-Club schon seit einiger Zeit per Richterspruch dazu gezwungen wurde, Frauen aufzunehmen, bedarf hier keiner besonderen Erläuterung. Es spricht für sich selbst und hat der Attraktivität und Wirksamkeit des Clubs keinen Abbruch getan.

Unter den Argumenten, die dennoch gegen die Mitgliedschaft von Frauen vorgebracht werden, verbleibt wohl als wesentliches die Tradition: Das war schon immer so!
Wenn wir Burschenschafter also unsere Tradition über das Erreichen unserer Ziele (Vorbereitung auf das Leben, das Beste für Deutschland) stellen wollen, steht es uns in Ermangelung eines Richterspruches noch frei,  Frauen außen vor zu lassen. Aufgrund hehrer burschenschaftlicher Prinzipien lässt es sich nicht begründen. Im zeitlosen Kern der burschenschaftlichen Idee steht nichts von der Nichtaufnahme von Frauen.

Mitgliedschaft von Ausländern
Die Frage der Mitgliedschaft von Ausländern hat gerade im Jahr 2011 unter dem fürchterlichen Stichwort „Arierparagraph“ Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erregt.
Die Tatsache, dass in der vorburschenschaftlichen Zeit diese Thematik unter dem Aspekt der Nichtzugehörigkeit zur eigenen Landsmannschaft  betrachtet wurde, bedarf hier nur der Erwähnung am Rande. Wie schon oben erwähnt berichtet Wentzcke vom Burschentag 1820 in Dresden, dass der schon auf dem Burschentag vom Oktober 1818 entstandene Streit, ob Juden in die Burschenschaft aufgenommen werden könnten, wurde dahin entschieden, dass sie „als solche, die kein Vaterland haben und für unseres kein Interesse haben können, nicht aufnahmefähig seien, außer, wenn erwiesen ist, dass sie sich christlich teutsch für unser Volk ausbilden wollen.  Ähnliches wurde für Ausländer bestimmt, dabei aber das Nähere der Einzelburschenschaft überlassen.“

Das sieht nach einer sehr pragmatischen Position aus, die man sich angesichts der im Abschnitt Vaterland angeführten Argumente nur zurückwünschen kann. Auch die im Abschnitt „Mitgliedschaft von Frauen“ angeführten Argumente haben hier Gültigkeit. Zudem sollte nicht unterschätzt werden, welchen Beitrag persönliches Kennenlernen und persönliche Freundschaften für das partnerschaftliche Zusammenwachsen der europäischen Nationen haben kann.

Zusammenfassung
Während natürlich die Gegenüberstellung all dieser Themen in der Zeit von 1815 und 2015 die Berücksichtigung jeweils sehr spezifischer Gesichtspunkte erforderlich macht, lässt sich hier zusammenfassend festhalten, dass die Antwort auf die Frage, was denn dabei heute burschenschaftlich sei, viel mit der Abwägung zwischen Traditionsbindung einerseits und der Erreichung heute burschenschaftlich  relevanter Ziele andererseits zu tun hat. Verdeutlicht sei diese Feststellung am Vergleich der Diskussion um das Fechten mit der gegenwärtig nicht mal auf dem Radarschirm befindlichen Frage der Aufnahme von Frauen: Bei der Frage des Fechtens wird man ohne Beeinträchtigung burschenschaftlicher Ziele ruhig der Tradition folgen können. Eine der Tradition entsprechende Entscheidung gegen die Aufnahme von Frauen nimmt dagegen in Kauf, dass die Erreichung burschenschaftlicher Ziele, wie nämlich die Vorbereitung auf das Leben und das Beste für Deutschland zu wollen, beeinträchtigt wird.

Es geht also um die Frage, ob Tradition und Geschichte als Vorgabe oder als Orientierung angesehen wird.
Im letzten Kapitel soll nun der Versuch unternommen werden, auf Basis des in diesem Abschnitt erarbeiteten Verständnisses der burschenschaftlichen Ideen und der sich daraus ergebenden Spielräume eine Vorstellung davon zu entwickeln, was Burschenschaft im 21. Jahrhundert sein kann und welche Ziele sie sich setzen kann.

Kapitel 3 Eine Vision von Burschenschaft und ihren Zielen im 21. Jahrhundert

Leider hat ein ernsthafter Diskussionsprozess darüber, was  Burschenschaft im  21. Jahrhundert darstellen sollte, wie sie sich positionieren sollte und welche Ziele sich für sie auf Basis der urburschenschaftlichen Gedanken und Werte ergeben, noch nicht stattgefunden. Deswegen soll in diesem letzten Abschnitt hierfür ein Vorschlag unterbreitet werden, der sein Ziel schon dann erfüllt hätte, wenn sich die deutsche Burschenschaft ernsthaft mit den zugrunde liegenden Überlegungen und dem Entwurf einer neuen Vision auseinandersetzte.
Auf  Basis der in Kapitel 2  unternommenen Projektion burschenschaftlicher Ideen aus den ersten 200 Jahren Burschenschaft in die Bedürfnisse und Lebenswirklichkeit der Studenten von heute wird also eine Vision zur Diskussion vorgelegt, die sich in 2 Teile gliedert.

    Eine Vision für einen burschenschaftlichen Verband, aus der sich interne Handlungsfelder ergeben. Hier geht es primär um die Frage, wie man sich einen relevanten, zukunftsfähigen Verband im 21. Jahrhundert  vorstellen könnte.
    Eine Vision von einem für Burschenschafter erstrebenswerten politischen und gesellschaftlichen Zustand in Deutschland, Österreich und Europa.

Auch wenn sie von großer Bedeutung sind, sind Satzungs- bzw. Verfassungsfragen wie die Rolle des Rechtsausschusses, Organisation des Burschentages, Stimmrechte etc. in dieser Betrachtung  ausgeklammert. Ihre Bearbeitung würde den vorliegenden Rahmen sprengen. Zudem kann sich ergeben, dass die noch zu erarbeitende Vision nicht unwesentliche Auswirkung auf die Frage haben wird, wie eine solche Satzung/Verfassung idealerweise aussehe, bzw. in welchen Punkten eine heutige weiterentwickelt werden müsste.

Ebenso soll in diesem Entwurf eine nachvollziehbar austarierte Balance hergestellt werden zwischen Erhalt von Traditionen, Ausrichtung an Traditionen und Werten sowie an Erfordernissen, die sich aus heutiger Lebenswirklichkeit und Zielen ergeben. Dem Letzteren wird besonderes Gewicht beigemessen.
Natürlich ist der Zweck dieses Entwurfes nicht, ohnehin Existierendes zu wiederholen, sondern wenn irgend möglich ohne Tabuisierung einzelner Fragen eine in sich schlüssige Alternative zur Diskussion zu stellen, die sich vom heutigen Zustand abhebt. Nur so kann sie die dringend erforderliche Diskussion über eine Weiterentwicklung von Burschenschaft in allen Bereichen inspirieren.
Der Einfachheit halber sei ein Verband, für den diese Vision Gültigkeit haben könnte,  Allgemeine Deutsche Burschenschaft in Europa, ADBE, genannt.
Eine Vision für den Verband

Die ADBE umfasst nahezu alle Burschenschaften, die sich als Erbe der Urburschenschaft sehen. Neben der Freude an korporativen Elementen gehört dazu das Bekenntnis zu den burschenschaftlichen Werten in ihrer im 21. Jahrhundert  wirksamen Ausprägung (siehe Kapitel 2).
Die ADBE versteht sich als Akademikerverband, in dessen Mitte die studentischen Mitglieder stehen und die Richtung bestimmen. Die nicht mehr studierenden Mitglieder tragen in ihrem nachuniversitären Leben durch Einbringung ihrer Erfahrung zu einer gedeihlichen Entwicklung des Verbandes bei.
Die ADBE sieht sich nicht als politischer Akteur, sondern als studentischer Entwickler von Ideen und Persönlichkeiten, die in ihrem nachuniversitären Leben diesen Ideen Geltung zu verschaffen in der Lage sind.

Die ADBE versteht sich als Schule fürs Leben seiner Mitglieder und als in der Studentenschaft verankerter „Thinktank“, als Denkfabrik zu Fragen der Bildung, Europas und des Wohls der Menschen in Deutschland.
Um diesem Ziel zu dienen, organisiert bzw. fördert die ADBE die geistige und körperliche Entwicklung ihrer studentischen Mitglieder sowie deren Kenntnis und Verständnis deutscher und europäischer Geistesgeschichte, Kultur und  Geschichte.
Die ADBE pflegt lebhaften und fruchtbaren Austausch mit Studenten- und Akademiker-Verbänden anderer Staaten.

Die ADBE stellt sich den Herausforderungen der heutigen Zeit und sucht optimistisch nach Möglichkeiten, die sich auftuenden Chancen aufzugreifen.
Die ADBE pflegt einen unverkrampften und transparenten Umgang mit Öffentlichkeit und Medien.

Die Universitäten erkennen die ADBE und ihre Mitglieder als wertgeschätzten Teil des universitären Lebens an. Das Tragen von Farben wird, auch und gerade an den Universitäten, als Bekenntnis zu den vom Verband getragenen  Werten anerkannt und geachtet.
Die ADBE bekennt sich zu den Höhen und Tiefen der deutschen und österreichischen Geschichte. Insbesondere hat die ADBE von einer Historikerkommission die Verstrickungen der deutschen Burschenschaft mit dem Nationalsozialismus untersuchen lassen. Sie, wie auch ihre Mitgliedsburschenschaften, haben sich den Ergebnissen gestellt und leiten daraus die persönliche Verpflichtung jedes einzelnen Mitgliedes ab, sich in Wort und Tat gegen Verharmloser, Relativierer und Wiedergänger der dunklen Seite deutscher und österreichischer Geschichte sowie Extremismus jeglicher Art (politisch, religiös) einzusetzen.

Die ADBE genießt in der Öffentlichkeit Ansehen und Respekt wegen der Kompetenz und des Auftretens ihrer Mitglieder sowie deren Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat.
In der ADBE gilt zwischen Verband und Mitgliedsburschenschaft das Subsidiaritätsprinzip.
Der Vorsitz im Verband wird umlaufend von Hochschulstandorten und damit örtlichen Burschenschaften übernommen.
Das höchste und damit letztentscheidende Gremium des Verbandes ist der Burschentag.
Entscheidungen in Verband und Mitgliedsburschenschaft werden nach demokratischen Grundsätzen herbeigeführt und gefällt.

Der ADBE obliegt das Abstecken von Rahmenbedingungen sowie die Pflege und Verteidigung des Ansehens der Marke ADBE und damit die Verbandsgerichtsbarkeit. Die Mitgliedsburschenschaften sind verantwortlich für die Einhaltung des Verbandsrahmens durch ihre Mitglieder. Die Mitgliedsburschenschaften werden erforderlichenfalls vom Verband zur Rechenschaft gezogen.

Beispielhaft seien einige Rahmenbedingungen genannt:
    Mitglieder können eingeschriebene Lernende an Hoch- und Fachhochschulen in Bundesrepublik Deutschland und Republik Österreich werden, die sich nach Urteil der Mitgliedsburschenschaft glaubhaft zu den Prinzipien, Werten und Zielen der ADBE bekennen. In der Regel ist deswegen die Staatsangehörigkeit einer europäischen Nation eine Mitgliedschaftsvoraussetzung. Geschlecht, Religion, Parteizugehörigkeit, Neigung etc. spielen aus Sicht des Verbandes keine Rolle als Mitgliedschaftskriterium.
    Die ADBE erwartet von ihren Mitgliedsbünden, dass sie ihren Mitgliedern die studentische Tradition des Schlägerfechtens vermitteln. Eine Vorgabe zur Pflichtmensur gibt es nicht.

Zur Unterstützung seiner Mitgliedsverbindungen in der Erfüllung ihres Auftrages veranstaltet der Verband (mit Unterstützung von nicht mehr studierenden Mitgliedern, externen Referenten oder auch in Verbindung mit externen Dienstleistern) beispielsweise
    Seminare in deutscher, österreichischer  und europäischer Geschichte und Politik
    Seminare bzw. Erlebnisse in deutscher und europäischer Kultur
    Seminare zur deutschen und europäischen Geistesgeschichte sowie insbesondere zum europäischen Projekt der Aufklärung
    Seminare und Vortragsveranstaltungen zur Bildungspolitik in europäischen Staaten
    Seminare und Arbeitstagungen zur Erfüllung des selbstgestellten Auftrages, eine Denkfabrik für Fragen der Bildung, des Zusammenwachsens Europas und des Wohls der Menschen in Deutschland und Österreich zu sein.
    Kontakttreffen mit Studentenverbindungen an Hochschulen anderer europäischer Länder.
    Jährlich, vielleicht in Zusammenhang mit dem Burschentag, ein Sportfest, während dessen die studentischen Teilnehmer beispielsweise das Sportabzeichen als Voraussetzung für die Burschung, Inaktivierung, Aufnahme in den AHV erwerben können. (Mens sana in corpore sano)
    Studienreisen zu den Orten, an denen in Europa Politik gemacht wird und deren Auswirkung erlebbar ist (Brüssel, Straßburg, Frankfurt, Wien, Berlin, Paris, London, Lampedusa, Essen,  etc.)

Eine Vision für die Ziele des Verbandes
Deutschland und Österreich sind angesehene Nationen in einem vereinten, prosperierenden und friedlichen Europa der Vaterländer.
Im Europa der Vaterländer werden die einzigartigen Kulturen der Völker, Minderheiten und Regionen als wertvolle Elemente des Zusammenlebens in gegenseitiger Achtung aufrechterhalten und gepflegt (nicht anders als in der Bundesrepublik die Kulturen und Eigenheiten der ehemaligen Landsmannschaften, z.B. die der Bayern, der Hanseaten)
Das vereinte Europa hat einen Weg gefunden, das in anderen Weltgegenden zu beobachtende Auseinanderdriften der Gesellschaft mit seinen verheerenden Folgen für Gemeinschaft und Individuum zu vermeiden. Auf diesem Weg ist es auf Basis einer stabilen freiheitlich demokratischen Ordnung gelungen, die bewährten, Effizienz garantierenden Effekte der globalen Marktwirtschaft politisch zu domestizieren und in den Dienst des im Mittelpunkt stehenden Menschen zu stellen.

In Europa gilt das strikte Subsidiaritätsprinzip, nachdem nur Themen, die sich wegen ihres transnationalen Charakters der nationalen Regelungs- und Verfolgungskompetenz  entziehen und die für ein erfolgreiches Auftreten Europas in der Welt erforderlich sind den europäischen Stellen anvertraut werden.
Die Völker Europas stellen sich gemeinsam ihren gemeinsamen Herausforderungen und Chancen. Die in diesem Sinne für Europa handelnden Einrichtungen sind demokratisch Legitimiert und genießen Respekt und Ansehen.
Auf Basis seines politischen Einflusses, seiner Wirtschaftskraft und seiner Wissensgesellschaft hat dieses vereinte Europa Wege gefunden, wie es sich den globalen Herausforderungen wie Terrorismus, Finanzen, Naturverbrauch, Energie, Hunger, Handel, Armutswanderungen etc.  gemeinsam stellen und einen Beitrag zu deren Lösung erbringen kann.

Dieses vereinte Europa genießt weltweiten Respekt für seinen Beitrag zur Lösung der globalen Herausforderungen und profitiert von dieser Anerkennung.
Die Nationalstaaten bleiben erhalten und „bürgen für ein Niveau an Gerechtigkeit und Frieden, das die Bürger zu Recht erhalten sehen wollen.“
Burschenschafter bekommen wegen ihres persönliches Ansehens und ihrer Kompetenz die Chance, burschenschaftlichen Werten in der deutschen, österreichischen und europäischen Gesellschaft Geltung zu verschaffen.

Die Vision der ADBE lautet:
Die Europäische Union, getragen von ihren souveränen Mitgliedsstaaten und ihren Bürgern, hat sich als geachteter und erfolgreicher Teilnehmer in Weltpolitik und Weltwirtschaft etabliert.  Wir sind Bürger unserer Heimatländer und der Europäischen Union. Das gibt uns die Möglichkeit, uns unseren Chancen und Herausforderungen je nach Erfordernis alleine oder gemeinsam mit unseren europäischen Mitbürgern auf Basis demokratischer Prozesse erfolgreich zu stellen. So leisten wir einen Beitrag zum Wohl der Menschen in Europa.

Die Mission der ADBE lautet:
    Prägung unserer Mitglieder gemäß den ins heute übersetzten Idealen der Urburschenschaft.
    Beteiligung an der öffentlichen Diskussion zu den Themen Bildung, Europa und des Wohls der Menschen in Deutschland durch Hervorbringung hervorragender Persönlichkeiten mit Weitblick und  internationaler Erfahrung.

Der Wahlspruch der ADBE lautet:
– Integrität – Freiheit – Bildung –
Mit der Wahl dieses neuen Wahlspruches stellt die ADBE einen Wertesatz in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit, der fest in urburschenschaftlichem Denken verankert ist und gleichzeitig im Europa des 21. Jahrhunderts höchste Relevanz für den Erfolg von Gemeinwesen und Individuum hat. Um die Kontinuität burschenschaftlichen Strebens zu unterstreichen, behält die ADBE den alten burschenschaftlichen Wahlspruch als historischen Wahlspruch bei.
Der historische Wahlspruch der ADBE lautet:
–    Ehre – Freiheit – Vaterland –

Ausblick
Mit diesem Artikel ist kein Weg gegangen. Er beinhaltet lediglich Ideen und den Anstoß zum ersten Schritt, zur Diskussion. Er soll einen Ausweg aus den selbst auferlegten Denkbeschränkungen aufzeigen, die das Ankommen der burschenschaftlichen Werte im 21. Jahrhundert bislang verhindert haben.
Für diesen Vorgang, der landläufig als das Überbordwerfen von Ballast bezeichnet wird und nicht mit der Aufgabe von Prinzipien verwechselt werden darf, gibt es exzellente historische Beispiele:
So hat sich die katholische Kirche mit dem 2. Vatikanischen Konzil in den Jahren 1962 bis 1965 den Weg ins 20. Jahrhundert eröffnet:
Der Papst wies in der lateinischen Eröffnungsansprache Gaudet Mater Ecclesia („Es freut sich die Mutter Kirche“) ausdrücklich darauf hin, dass eine gewisse Aktualisierung dogmatischer Sätze im Sinne ihrer Orientierung auf das Verständnis des gegenwärtigen Zeitalters möglich und notwendig sei. Denn das eine sei das ewige Dogma, die bleibende Wahrheit, ein anderes die Ausdrucksweise der jeweiligen Zeit.

Einen gleichen Schritt tat die SPD mit dem Godesberger Programm, mit dem ihr der Schritt von der sozialistischen Arbeiterpartei zur breit aufgestellten Volkspartei gelang. Zentrale Elemente dieses Programms waren das Bekenntnis zur Marktwirtschaft, zur Landesverteidigung und der Anspruch, Volkspartei zu sein, also mehr als Partikulär-Interessen zu vertreten.

In den vergangenen 50 Jahren hat sich der wesentliche Verband der deutschen Burschenschaften, die Deutsche Burschenschaft, eher in die entgegengesetzte Richtung entwickelt: Während zum in Berlin gefeierten 150. Jubiläum der Gründung der ersten Burschenschaft noch der Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, Erich Mende, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, der Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz, der  Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien und der Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Studentenschaften, der letzte übrigens ein Burschenschafter, ans Rednerpult traten, wird man sich zum 200. Jubiläum schwer tun, Redner von vergleichbarem Gewicht aus der Mitte der Gesellschaft zu finden.
Ein Wort noch an diejenigen, die die Suche nach gesellschaftlichem Respekt für die Burschenschaft ohnehin angesichts angeblich herrschenden Zeitgeistes und linksdominierter Medien nicht nur für vergeblich halten, sondern damit auch die Aufgabe burschenschaftlichen Gedankengutes gleichsetzen.
Ihr irrt!

Wir leben nun mal im 21. Jahrhundert, mit ernsthaften wie auch tendenziösen, kritischen wie auch hofberichterstattenden Medien, einer Vielfalt von Meinungen und Überzeugungen und einer nicht dagewesenen Anzahl  an Kräften, die auf die öffentliche Meinung einwirken. Jede Idee, die auf diesem Markt bestehen und sich durchsetzen möchte, muss der schonungslosen Kritik der Öffentlichkeit standhalten können. Die burschenschaftliche Idee hat das Zeug dazu, wenn wir sie nicht im Käfig vergangener Verhältnisse gefangen halten, sondern sie dabei unterstützen, sich auf die Herausforderungen der heutigen Zeit einzustellen.
Dazu soll dieses Plädoyer einen Beitrag leisten!

Begriffliche Klärung:
    Der Begriff „Deutsche Burschenschaft“ wird nur für den burschenschaftlichen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ verwendet
    Die Begriffe „die deutschen Burschenschaften“, „die Burschenschaft“ oder „die deutsche Burschenschaft“ werden synonym verwendet und bezeichnen die Summe der sich auf die Urburschenschaft berufenden Burschenschaften in Deutschland und Österreich ohne Rücksicht auf ihre Verbandszugehörigkeit.
    Der Begriff „die Burschenschaft“ wird auch für die Einzelburschenschaft verwendet.

Literaturverzeichnis (LV):
1.    Bechstein, Ludwig, Berthold der Student. (1850) Halle, Pfeffer
2.    Brunck, Helma, (1996) Die Entwicklung der Deutschen Burschenschaft in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus – Eine Analyse –. Darmstadt, Inaugural  Dissertation
3.    Buse, Uwe, Der Tag an dem ich schwul wurde, Der Spiegel, Nr. 42, 14.10.13, S.56
4.    Deutsche Burschenschaft, Homepage, http://www.burschenschaft.de
5.    Deutsche Burschenschaft, Leitmotive, Sommer 2013, Emmerich, TMS
6.    Eggers, Dave (2013), The Circle, San Francisco, Alfred A. Knopf and McSweeney Books
7.    Geier, Manfred (2012) Aufklärung – Das europäische Projekt, Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag
8.    Habermas, Jürgen (2011) Zur Verfassung Europas, Berlin, Suhrkamp
9.    Heer, Georg (1927) Geschichte der Deutschen Burschenschaft. – 2. Die Demagogenzeit, Heidelberg, Winter
10.    Heer, Georg (1929) Geschichte der Deutschen Burschenschaft. – 3. Die Zeit des Progresses,  Heidelberg, Winter
11.    Heer, Georg  (1939) Geschichte der Deutschen Burschenschaft. – 4. Die Burschenschaft in der Zeit der Vorbereitung des Zweiten Reiches, im Zweiten Reich und im Weltkrieg , Heidelberg, Winter
12.    Kemp, Wolfgang, Akademischer Kapitalismus, Süddeutsche Zeitung,  4.1.2014
13.    Letta, Enrico, Süddeutsche Zeitung, 20.11.2013. Mittwochsportrait
14.    Schulze-Westen, Karl (1929,1939,1952) Das Vermächtnis der Urburschenschaft. Bochum-Langendreer, Deutschland: Verlag und Druck Heinrich Pöppinghaus oHG
15.    Ströbele, Hans-Christian, Süddeutsche Zeitung, 21.11.2013
16.    Wentzcke, Paul  (1919) Geschichte der Deutschen Burschenschaft. – 1. Vor- und Frühzeit, Heidelberg Carl Winters Universitätsbuchhandlung
17.    Wikipedia, „Ehre“
18.    Wikipedia, „Godesberger Programm“
19.    Wikipedia, „2. Vatikanisches Konzil“

An dieser Stelle sei auf 2 weitere Beiträge des Autors zum Thema „Zukunftsfähigkeit der Burschenschaft“ verwiesen:
    „Nach der deutschen die europäische Einigung – eine neue, alte Vision für die Deutsche Burschenschaft“, in Burschenschaftliche Blätter 1/2012
    „Ein Beitrag zur Strategiediskussion in der Deutschen Burschenschaft“, gegenüber der Originalversion leicht gekürzt in Burschenschaftliche Blätter 2/2013

Nachtrag: In 2015 ist der Autor aus der Münchener Burschenschaft Stauffia  ausgeschieden

——————————————————————————-

Advertisements

12 Antworten zu “Das Reformkonzept für Burschenschaften/von Klaus Feldmann

  1. Leider gilt hier: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ Mit solchen Maximalforderungen verprellt die Reformwilligen in der Burschenschaft.
    Und in Zeiten, in denen die Gendertheorie immer wichtiger wird braucht es auch Institutionen, in denen Männer (und auch Frauen) unter sich sind. Manche Emotionen möchte man oder frau doch nur dem eigenen Geschlechtsgenossen mitteilen.

    Gefällt mir

    • @Monokel – abgesehen vom Frauen-Thema, wie finden Sie sonst die Ideen von Klaus Feldmann? Ihre Einschätzung interessiert uns sehr, da wir Sie als konservativen Buxen mit klarer Abgrenzung nach rechts einschätzen.

      Gefällt mir

      • @BPA-Buxen
        ich will meine Sicht auf Herrn Feldmanns Thesen (leider ist er ja ausgetreten) in Thesen zusammenfassen:
        1. Ich habe inhaltlich eher wenig Einwände gegen seinen Text, wohl aber gegen seine Präsentation
        a) Er ist zu lang, das liest kein Mensch.
        b). Die Begründungszusammenhänge, die Axiomatik, die er zu Grunde legt, ist zu wenig durchgearbeitet. Damit werden seine Argumente unverständlich bis falsch.
        2. Ich bin mit dem Autor durchaus einer Meinung, dass die burschenschaftlichen Werte modern interpretiert werden müssen.
        a) eine europäische Burschenschaft finde ich eine gute Idee. Leider wird dieser Gedanke eher gerade von ganz rechts vorangetrieben.
        b) in der Frage der Nationalstaaten bin ich bereit weiter zu gehen als Feldmann: Sie sollten als Bundessstaaten in ein föderales System eingebunden sein.
        c) Frei- und Querdenker müssen in der Burschenschaft gefördert werden. Die Burschenschaften sind eine der wenigen Plattformen an den Hochschulen, in denen fächerübergreifendes Denken eingeübt werden kann. Hier ist eine Plattform, auf der sich Theologen und Agrarwissenschaftler im und nach dem Studium austauschen und voneinander lernen können.
        3. Über Feldmann hinaus meine ich, die burschenschaftliche Bewegung muss sich im Klaren sein, dass sie ein Produkt der Romantik ist. Daraus resultiert ein gewisser Hang zur Melodramatik, der die Burschenschaften anfällig für Rattenfänger macht. Hier kann (und muss) eine Lösung gefunden werden.

        Gefällt mir

  2. Meines Erachtens handelt es sich bei den Gedanken von Herrn Feldmann keinesfalls um Maximalforderungen. Angesichts der Herausforderungen vor denen Burschenschaften stehen, darf es keine Denkverbote geben. Die von Herrn Feldmann genannten Punkte zeigen mögliche Auswege aus der Traditionsverkrustung der Burschenschaften. Bedauerlicherweise wird dies von der weit überwiegenden Mehrheit der Betroffenen nicht verstanden und damit von vornherein abgelehnt. Sie sind weder reformwillig noch -fähig.
    Mal böse gefragt: Spiegelt sich hier eine überwunden geglaubte Todessehnsucht wider? Will man wirklich lieber untergehen, als gestaltend tätig zu werden? Wo sind nur die Freigeister und Freidenker geblieben? Ausgetreten, wie Herr Feldmann? Sind Verbindungen heute nur noch ein Sammelbecken feierfreudiger strammer Trinker oder politisch extremer Wirrköpfe?

    Gefällt mir

  3. Ich gebe dem Benutzer Monokel recht. Herr Feldmann meint es sicherlich gut, schießt aber über das Ziel hinaus. Die Burschenschaft als Gemischtbund von Frauen und Männern kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. Die Argumentation über die Aufgabe des Fechtens stammt 1:1 aus der Mottenkiste der damaligen 68er Argumentation auf den Burschentagen. Unabhängig von den politischen Wirrköpfen, die der Deutschen Burschenschaft in den letzten Jahren Schaden angerichtet haben, hat die zu beobachtende Renaissance des Fechtens zu einem verbesserten internen Zusammenhalt geführt. Das konnten mir zahlreiche Burschenschafter bestätigen (wie zB Krusenrotter, Saxosilesen u.a.), denen die Wiedereinführung der Pflichtmensur wieder viel an innerer Festigkeit zurückgegeben hat.

    Gefällt mir

  4. Die Frage ist ja wirklich ob das nicht verlorene Liebesmühe ist. Jeder Verein hat irgendeinen Zweck. Ob das der Trachtenverein, der Fußballverein oder eine Burschenschaft ist.

    Eine Studentenverbindung muss den Mehrwert für die Interessenten herausstellen. Das war nach deren Darstellung immer der große gesellschaftliche Einfluss, das Karrierenetzwerk usw. Nichts davon kann eine Studentenverbindung heute noch ernsthaft nachweisen. Netzwerk läuft heute viel zielgerichteter über Praktika, Social Media und Events. Vom gesellschaftlichen Einfluss müssen wir glaube ich nicht sprechen. Hinzukommt dass die Verschulung des Studiums den Leistungsdruck erhöht. Wenig Zeit für solche Aktivitäten bleiben.

    Somit wird die Zielgruppe auch deutlich verkleinert. Es werden vor allem Wirrköpfe und akademisch schwache Persönlichkeiten angezogen. Beste Grundlagen für die Herausbildung von sektenartigen Strukturen die sich selbst zur Elite erklären.

    „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, niemand wird heute wohl noch Rassismus für eine zukunftsträchtige Sache halten. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Rassisten gibt. Das ist der Bodensatz der Gesellschaft. Warum sollte Burschenschaft nicht genau das umfassen. Kann Burschenschaft überhaupt modern sein. Welche Bedeutung, welchen Lerneffekt soll denn bitte choreographiertes Fechten, das Singen von Studentenliedern, das Kleiden in bunten „Uniformen“ und das Saufen von mehreren Litern Bier bringen.

    Den Beitragsschreiber in allen Ehren, aber er ist selbst ausgetreten. Die Leute die modern/progressiv sind, sind nicht mehr dabei. Burschenschaft bedeutet rückwärtsgewandter Historienverein. Irgendwann wird die letzte Burschenschaft ihre Tore zusperren, wer braucht sie denn auch in einer globalen Welt?

    Danke an den Blogbetreiber für seinen unermütlichen Einsatz gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Er hat damit mehr gesellschaftlichen Einsatz gezeigt und eine größere Bedeutung für den Fortschritt als irgendeine Burschenschaft in den letzten 100 Jahren. Weiter so.

    Gefällt mir

  5. Lieber Nutzer Anonym. Als Gegner des Korporationswesens bringen Sie den gleichen Unsinn hervor, wie die ganzen linken Journalisten, die ebenfalls keine Ahnung haben. „Somit wird die Zielgruppe auch deutlich verkleinert. Es werden vor allem Wirrköpfe und akademisch schwache Persönlichkeiten angezogen. Beste Grundlagen für die Herausbildung von sektenartigen Strukturen die sich selbst zur Elite erklären. “ Diese Beobachtung kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt sicherlich vereinzelt schwache Gestalten, aber die gibt es überall auch. Ich kenne mich in der Szene schon seit über 20 Jahren aus. Die Aktiven meiner beiden Corps sind ganz normale Jungs, die Spaß haben, normalen Hobbys nachgehen, sich dabei gut anziehen und benehmen können; zudem haben sie Erfolg bei den Frauen; sie kommen mir normaler vor als irgendwelche verquarzten Öko- Hipster an der Uni. 😉 Trotzdem stehen sie hinter den Traditionen, fechten gerne, trinken auch gerne mal einen über den Durst und organisieren anspruchsvolle Veranstaltungen. Der Austausch mit den Alten Herren ist ausgezeichnet und von gegenseitigem Respekt geprägt. ich kenne keine Vereinigung in Deutschland, wo das Miteinander der Generationen mehr gelebt wird wie hier. Ich bin selber Corpsstudent, spreche aber für die meisten Studentenverbindungen. Ich bin selber ein Gegner von Rassismus und rechtsradikaler Unterwanderung; diese Phänomene gilt es auch zu bekämpfen, keine Frage. Wir sprechen aber immer nur von Einzelfällen im deutschen Verbindungswesen.
    Ihre Analyse in Ehren, aber fragen Sie bitte nicht immer nach dem Sinn von Farbentragen, Fechten und Biertrinken. Ich frage ja auch nicht nach dem Sinn von freimaurerischen Ritualen, den Traditionen der Pfadfinder oder jedes anderen Vereins in Deutschland. Wenn es den Leuten Spaß macht, dann sollen sie doch bitte das alles machen dürfen. Wir leben in einer freien Gesellschaft und wem es nicht passt, der macht was anderes; so einfach ist das.
    Das Leben an einer Universität ist bunt und die Studentenverbindungen in Deutschland sind ein Teil davon. Sie sind nicht mehr wie im 19. Jahrhundert dominant, sondern eher eine Randerscheinung, aber das waren wir schon seit den sechziger Jahren; da hat man uns bereits totgesagt, komischerweise haben wir überlebt. Das große Massensterben blieb aus und zur Zeit ist eher eine Konsolidierung zu beobachten. Es finden sich genug junge Leute für diese Ideale, trotz Verschulung des Studiums nach der unseligen Bologna Reform; es konnte eher noch ein Anstieg der Aktivenzahlen beobachtet werden.
    Wenn Studentenverbindungen an ihren Traditionen festgehalten haben, haben sie sich als überlebensfähiger erweisen, als solche, die alles über Bord geworfen haben.
    Außerdem halte ich die Frage nach beruflicher Netzwerktauglichkeit auch für überzogen. Die privaten Netzwerke, die Verbindungstudenten in ihrer Aktivität auch bundesweit bis nach Österreich und die Schweiz knüpfen können, sind unbezahlbar. Das lässt sich immer auch beruflich nutzen. Es ist jeder frei darin, wie er das für sich nutzt. Seilschaften in dem Sinn gibt es nicht mehr.
    „Historienvereine“, wie sie es nennen, mögen in ihren Augen überflüssig sein; ich bin da gänzlich anderer Meinung

    Gefällt mir

  6. @ Heidelbert: All das ist ein alter Hut, schon seit Jahrzehnten mehr oder weniger öffentlich diskutiert. Fast alle „traditionellen“ Vereine, gleich ob Schützen-, Gesangs-, etc-, und somit auch Studentenverbindungen leiden unter Nachwuchssorgen (ich lebe in einem kleinen Heidjer Dörpe und kann das gut mit den Schützen, Männergesangs, Kirchenchor-Vereinen verfolgen), weil diese nicht mehr dem Lebensgefühl der jüngeren Generationen entsprechen.
    Das gilt auch insbesonders für Studentenverbindungen. Sie haben als Kösener den Vorteil, den völlig verquasten „Vaterlandsbegriff“ (nach allen Seiten auslegbar) nicht in Ihrem Wahlspruch zu führen. Trotzdem gibt es Kösener Corps mit Nachwuchssorgen (ich bin der „Renommierbuxe“ in einer sonst völlig „verkösenter“ Familie).
    Der Vaterlandsbegriff, verbunden mit dem sog. politischen Auftrag sind die Hauptprobleme der Burschenschaften. Da nach allen Seiten auslegbar, verführen sie sehr schnell zu einengenden, abgrenzenden Definitionen und öffnen somit das Tor zu sektiererhaften Verhalten, verbunden im dem dann folgenden entsprechendem Nachwuchs (eine renommierte niedersächsische B! hat deswegen vor kurzem ihre „Activitas“ an die Luft setzen müssen). „Freigeister“ sind in solchen „Vereinen“ unerwünscht, gleich wie „nichtdeutsche“ Bundesbrüder.
    In gut funktionierenden Verbindungen bietet das Pflichtschlagen kein Hinderungsgrund zum Activwerden, so unsere Erfahrungen.

    Gefällt mir

  7. Thema Pflichtschlagen: ich denke, es hat (vielleicht vor allem an „klassischen“ Hochschulstandorten mit vielen Geisteswissenschaften) den Reiz des Verbotenen. Als solches ist es durchaus ein Argument beim Keilen, nach dem Motto : „Ätsch, wir tuen etwas, was die anderen nicht dürfen.“ (So erklärte es mir jedenfalls einmal ein deutsch-türkischer Corpsier)
    Im Übrigen stimme ich Otto Framm nahezu völlig zu, nur in einem Punkt nicht ganz: das nationalchauvinistische Element kann man sich auch über Bundesbrüder hereinholen, die „nur“ einen deutschen Pass, aber nicht zu hundert Prozent deutsches Blut haben.
    Mindestens eine Marburger und eine Freiburger Burschenschaft (beide übrigens in der DB) führen das gerade vor.

    Gefällt mir

  8. @ Monokel, selbst die beste, effektivste Keilarbeit wird nicht verhindern können, dass Verbindungen, gleich ob Buxen, Curries, Kathos, ab und an Nieten aktiv machen, was sich leider meist erst später herausstellt. Dann zählt das Lebensbundprinzip und die meisten verbleiben, Hauptsache sie zahlen. Das dürfte die Realität sein.
    Wir machen seit über 20 Jahren auch „Nichtdeutsche“ aktiv und haben damit nur gute Erfahrungen gesammelt.
    Der nach allen Seiten auslegbare teutsche Vaterlandsbegriff bietet leider einen gehörigen Anlass, dass Teutonenspinner schon vorab diese Verbindung (hier Activitas) als Sprungbrett für ihre politischen Ziele verfolgen, so tun als ob sie „gute“ Bundesbrüder wären, und damit dem Gesamtbund unendlichen Schaden zufügen. Genau das war gerade in Göttingen zu „bewundern“, wo eine AH-schaft den Notanker werfen musste…….raus mit dem Pack!

    Gefällt mir

  9. @ Monokel, das Pflichtschlagen hat auch an den technischen Hochschulen seinen Reiz, denn gerade den Weinheimer Corps in Aachen und Clausthal geht es in den letzten Jahren im Schnitt besser als z.B. manchen Kösener Corps in Göttingen oder Freiburg (wobei die noch besser dastehen als vereinzelte Bünde in weniger klassischen Hochschulstädten). Ich weiß nicht, wie es bei den Burschenschaften (auch außerhalb der DB) aussieht; ich kann mir aber vorstellen, dass es bei solchen Verbindungen, die sich in Bezug auf die Herkunft geöffnet haben und trotzdem korporationsstudentisch konservativ blieben, schon besser aussieht, als bei solchen „Wehrsportgruppen“ wie den Raczeks, die nur noch komische Leute anziehen.
    @ Otto Framm, mich würde mal interessieren, bei welcher Burschenschaft in Göttingen das reinigende Gewitter stattgefunden hat. Holzminda oder (grüne) Hannovera?
    Bei der Personalauswahl zählt halt immer die Qualität, schrottige Aktive ziehen halt entsprechendes Publikum nach.

    Gefällt mir

  10. @Heidelbert,
    es sind die „Grünen“.
    Mein Bund ist vor 20 Jahren aus jener ominösen DB ausgetreten, pflichtschlagend u.a. eifrig mit den Weinheimern, ist korporationsstudentisch konservativ/liberal geblieben, die Herkunft der Mitglieder spielt keine Rolle mehr.

    Gefällt mir

Gerne können Sie sich mit einem Kommentar in die Diskussion einbringen. Motto: Farbe tragen heißt Farbe bekennen, heißt Namen nennen. So wie wir. Sonst no comment. Und aus gegebenem Anlass: Bitte bleiben Sie sachlich beim Kommentieren. Für den Inhalt der Kommentare sind die Kommentarschreiber verantwortlich. Und geben Sie sich einen eindeutigen Nickname, denn lauter "Anonyms" können nicht besonders gut miteinander diskutieren. Danke für Ihren Beitrag.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s