Massive Zweifel an Antisemitismus-„Erklärung“ von FPÖ-Burschenschafter

buschenschafter packt ausEin halbes Jahr vor der Wahl ums Rathaus in Wien wollen sich die FPÖ und ihre Burschenschafter endlich einen positiven Anstrich geben und sich als Anti-Antisemiten präsentieren. Doch das Burschenschafter-Weißwaschprogramm wird von Experten und Politikern angezweifelt.

FPÖ-Burschenschafter Udo Guggenbichler (Mitglied der DB-Burschenschaft Albia Wien) verkündet die Unterzeichnung einer Erklärung, in der „der Antisemitismus von Korporationen verurteilt werde„, woran jedoch sofort Politiker und Experten massiv zweifeln und eher in die Rubrik „Kreide fressen“ einsortieren. Neben Guggenbichler steht auffälligerweise kein weiterer Burschenschafter bzw. eine Burschenschaft oder Dachverband mit Namen für die angebliche Verurteilung von Antisemitismus in der verbreiteten Erklärung. Auf Facebook-Seiten der österreichischen DB-Burschenschaften sind die Meldungen „Udo wir sind dabei beim Anti-Antisemitismus“ bislang sehr zurückhaltend. Selbst auf der FB-Seite von Guggenbichlers Albia findet man bislang keinen Hinweis, dass auch seine Burschenschaft die Erklärung unterzeichnet habe. Guggenbichler habe „gemeinsam mit anderen prominenten Vertretern von schlagenden Studentenverbindungen“ die Erklärung unterzeichnet, steht in dieser. Ziel ist es offenbar zu erreichen, dass Journalisten glauben, hinter der Erklärung stünden nicht nur einer sondern eine Vielzahl Korporierter. Die Anfrage von Burschenschafts-Forscher Dr. Bernhard Weidinger bei Guggenbichler lässt allerdings Zweifel daran aufkommen, ob es noch Andere neben Guggenbichler gibt:

 

 

Zahlreiche Politiker und Experten entlarven Guggenbichlers Erklärung

Der grüne Nationalratsabgeordnete Harald Walser formuliert: „Die Realität ist eine andere, das wissen Guggenbichler und seine „prominenten“ Mitverfasser (die im Übrigen inkognito geblieben sind). So liest sich die Aussendung wie eine von oben angeordnete Alibidistanzierung, wie wir sie schon unzählige Male vernommen haben. Substantiell wird sich weder etwas an der grundständig antisemitischen Gesinnung vieler Burschenschaften noch an jener von diversen FPÖ-Funktionären ändern.“
Sein Parteikollege Karl Öllinger zweifelt die Glaubwürdigkeit der Erklärung an: „Schön wär’s! Nur:außer dem Guggenbichler steht sonst kein Name unter der Erklärung und für eine glaubhafte Distanzierung von der rabiat antisemitischen Vergangenheit braucht’s wohl mehr als ein paar dürre Zeilen!“
Auch die Israelitische Kultusgemeinde (in Guggenbichlers Erklärung direkt angesprochen) zeigt sich zurückhaltend: „Die jetzige Distanzierung kann sich nur dann in der Praxis bewähren, wenn sie von allen Burschenschaften und Verbänden mitgetragen wird. Weiters wird das Verhalten bei Verstößen gegen den Inhalt der Erklärung zu beurteilen sein.“
Das Portal Stopptdierechten stuft die Erklärung ein als „holprigen Versuch eines FPÖ-Mandatars, hier Bewegung bei den Burschenschaften vorzutäuschen.“
Das Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes DÖW schreibt: „Daneben erschöpft(e) sich der Antisemitismus im völkisch-korporierten Milieu nicht in einzelnen „Bekundungen“, vielmehr ist er strukturell verankert – als die „negative Seite“ der (deutschen) Volksgemeinschaftsideologie, wie dies die Deutschnationale Volkspartei 1920 betonte. Ein tatsächlicher Bruch mit dem Antisemitismus wäre demnach nicht zu haben ohne Bruch mit dieser Ideologie.“
Und der Rechtsextremismus- und Burschenschafts-Forscher Dr. Bernhard Weidinger zeigt auf, welche Glaubwürdigkeit Guggenbichlers Erklärung hat, indem er ihr aktuelle Auswüchse der Burschenschafts-nahen Zeitschrift AULA (geführt von Burschenschafter und Chefredakteur Martin Pfeiffer) gegenüberstellt:

 

 

 

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