Nur noch 5000 Mitglieder in Deutscher Burschenschaft

logo-debeadeDie Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht, dass die Deutsche Burschenschaft nur noch etwa 5.000 Mitglieder habe. Vor etwa dreißig Jahren seien es noch 25.000 Mitglieder gewesen. In wenigen Jahrzehnten hätte die DB somit 80 Prozent ihrer Mitglieder verloren.

Die Schrumpfung zeigt sich auch bei den Burschenschaften: Die BpB-Autorin Alexandra Kurth zählte 2014 noch 67 Burschenschaften in der DB, davon 44 in Deutschland und 23 in Österreich. Zum Vergleich einige Zahlen aus anderen Quellen: 2012 vor Beginn der verstärkten Austrittswelle zählt der Verband noch etwa 110 Bünde (über 40 seitdem ausgetreten), 2008 waren es noch etwas über 120 Burschenschaften lt. Wikipedia.

Der Verband zeige – mit den Worten der BpB-Autorin – in den letzten Jahren, „dass die ideologische und personelle Verankerung der extremen Rechten in der DB deutlich fortgeschrittener ist, als bislang angenommen worden war. Eine Folge der ausführlichen Berichterstattung und des damit verbundenen medialen Drucks war die rasante Beschleunigung eines schon Jahrzehnte zuvor begonnenen Erosionsprozesses“ – der oben beschriebenen verstärkten Austrittswelle seit 2012.

Die Konzentration des Verbandes auf den rechten Kern nutzt dieser für das ungehemmtere Ausleben der Ideologie. Ein aktuelles Beispiel ist die Verbandszeitschrift mit einem Casa Pound-Interview – einer italienischen rechten Organisation, die sogar der dt. Verfassungsschutz als „neofaschistisch“ einstuft.

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11 Antworten zu “Nur noch 5000 Mitglieder in Deutscher Burschenschaft

  1. Wen wunderts? Grundschulrechnen.
    Hinzu kommt noch die Biologie: der Beginn des Ablebens der starken Jahrgänge in den 50ern, 60ern. Ein weiterer Minusfaktor ist das Ausbleiben des Nachwuchses. Das “ biologische“ (aber auch finanzielle) Ende der DB ist folglich absehbar. Mein Mitleid hält sich sehr stark in Grenzen.
    Übrigens war die Austrittswelle aus der DB schon vor dem Jahre 2000 recht beachtlich: immerhin 34 Burschenschaften ab 1988, darunter personell sehr starke Bünde. Das wird gerne heute von den „Spätgefallenen“ übersehen.
    Dass der verbleibende, kümmerliche Rest sich nunmehr ungehemmt seinen politisch-ideologischen Vorstellungen hingibt, darf doch auch niemand mehr wundern. Gibt es noch Buxenträumer, die etwas anderes erwarten?
    Fazit: „Ironie on“: BPA betreibt hier beginnende Leichenschändung.
    Vielleicht sollte man sich hier anderen, zukunftsweisenden Problemen widmen.

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  2. Vielleicht hat die Zeit der Dachverbände, sofern diese sich an Inhalten und nicht nur an korporativen Formalia wie Farbe tragen und Fechten / Nichtfechten definieren, ihr Ende gefunden. Die Burschenschaften sind die ersten, die es spüren.

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    • Es gibt wohl keinen studentischen Verband, der sich nicht über „Inhalte“ definiert, gleich ob Corps, CCer, Kathos, uswusf., wie ernst die auch immer genommen werden. Die Burschenschaft hat das Pech 1815 gegründet worden zu sein, also in einer Zeit großer politischer Umbrüche, Forderungen. Ehre, Freiheit, Vaterland waren damals berechtigte politische Forderungen und somit berechtigte Inhalte.
      Nur, im Gegensatz zu den Inhalten anderer Korporationsverbände, ist die Übertragung dieser burschenschaftlichen Inhalte in die heutige Zeit äusserst problematisch da in alle Richtungen auslegbar. Unsere Freiheit ist durch das GG gewährleistet, welches ggfls verbessert werden kann und mit Sicherheit verteidigt werden muss. Unser Vaterland ist die Bundesrepublik Deutschland, Punkt. Ende der Durchsage.
      Leider ist der Inhaltsbegriff „Vaterland“ in alle Richtungen auslegbar: was ist „Deutschland“? In welchen Grenzen? Wer ist Deutscher, womit wir Tür und Tor allen rassistischen Auslegungen öffnen. Der deutsche Bürger „Ali Öztürk“ oder chinesischer Abstammung ist schwupps! ex definitione kein Deutscher, während die kuk-Abkömmlinge Vutracek, Lipitzky schwupps! zu Deutschen mutieren.
      Derartige Auslegungen sind nicht zu verhindern, Idioten, Radikalinskis gibt es überall und zu jeder Zeit.
      Andere Korporationsverbände mögen sich über „Fechten oder nicht“, „können wir auch Protestanten aufnehmen oder nicht“ in die Wolle kriegen, es sind Randerscheinungen. Der Verband DB hat sich durch die kommentarlose und damit in jede Richtung auslegbare Übernahme ihrer Gründungsinhalte sein eigenes Grab geschaufelt.
      Realitätsnäher ist mit Sicherheit jedoch die Frage „wozu dient eigentliche ein Verband, was muss er für die Mitglieder leisten?“ Darauf gibt es schon seit Jahrzehnten keine brauchbare Antwort. Vor dieser Frage stehen auch andere Korporationverbände.

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      • „Der Verband DB hat sich durch die kommentarlose und damit in jede Richtung auslegbare Übernahme ihrer Gründungsinhalte sein eigenes Grab geschaufelt.“ – äh, nein. Es war eher eine sehr einseitige Auslegung, die die Schrumpfung eingeleitet.

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        • Tja, diese „sehr einseitige Auslegung“ war jedoch mehrheitsfähig, und das des Öfteren. Damit ist diese Auslegung Norm geworden.

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  3. Die Diskussion über Zweck und Auftrag eines Dachverbandes wird hier häufig diskutiert. Daraus ist wahrlich zu schließen, dass viele sich mit diesem Thema beschäftigen. Mir ist aufgefallen, dass vor allem Vertreter der Überzeugung, dass ein Dachverband überflüssig ist, sich hier äußern.

    P.S. Wir haben noch keine Nachricht aus Clauthal.
    😉

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    • @Bonner Buxe, dass sich hier im Blog BPA wenige Befürworter des neues Verbandes zu Wort melden, kann verschiedene
      Gründe haben:

      – Befürworter halten die Verbandssache eher für eine interne Angelegenheit, die eher hinter verschlossenen Türen diskutiert
      werden soll – Transparenz ausserhalb der eigenen Kreise ist eher unerwünscht
      – in der Vergangenheit haben Befürworter des Verbandes – wie Michael Schmidt in den Medien – den Blog BPA als „reißerisch“ eingestuft. Vielleicht möchten Befürworter
      des Verbandes die Medien und Foren und Kommentatoren, die über den neuen Verband berichten und diskutieren und ihn kommentieren, möglichst weit kontrollieren, was im Blog BPA
      natürlich etwas schwierig ist.
      – vielleicht haben Befürworter Sorge, dass sie mit Pro-Argumenten mögliche Konventsgeheimnisse ausplaudern
      – oder Befürworter glauben, dass der neue Verband ein Selbstläufer ist, der öffentlich keine argumentative Unterstützung braucht

      Was denken Sie, warum sich so wenige Befürworter zu Wort melden? Wie sollte der neue Verband Ihrer Ansicht nach kommunizieren und diskutieren – öffentlich oder im kleinen Kreis?

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    • Es gibt klare Argumente pro Verband
      – Netzwerk, das bei Studienortwechseln hilft
      – Unterstützung durch vom Verband organisierte überfachliche Bildungsveranstaltungen wie Rhetorikseminare oder Organisation der politischen Bildung
      – wenn der Burschentag es möchte: politische Statements
      – da die Marke Burschenschaft durch eine Bonner Burschenschaft und friends ziemlich verbrannt wurde: positive Öffentlichkeitsarbeit
      – Schiedsgerichte zur Streitschlichtung zwischen Einzelpersonen oder Mitgliedsverbindungen

      Insofern sehe ich schon einen möglichen Nutzen, der über „wir treffen uns einmal im Jahr auf ein Bier“ hinausgeht. Das bitte ich bei kritischen Einwänden meinerseits doch nicht zu übersehen.

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      • „…da die Marke Burschenschaft durch eine Bonner Burschenschaft und friends ziemlich verbrannt wurde: positive Öffentlichkeitsarbeit“

        Also das große mediale Tennis wurde von einem Burschenschafter aus Stuttgart gespielt, nicht aus Bonn!!!

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      • So richtig klar sind Ihre Argumente nicht:
        – Netzwerk, das bei Studienortwechseln hilft: Netzwerkbildung ist sicherlich ein höchst wichtige Sache, nicht nur bei Studienortwechseln. Ich kenne da Verbände, die das seit Jahrzehnten mit wesentlich größerem Erfolg betreiben als die Burschenschaften. Warum hat das bei denen nie so richtig geklappt?
        – Unterstützung durch vom Verband organisierte überfachliche Bildungsveranstaltungen wie Rhetorikseminare oder Organisation der politischen Bildung: braucht man dazu einen Verband? Da reichen doch Absprachen mit befreundeten Bünden, selbst am gleichen Hochschulort und anderen Verbänden.
        – wenn der Burschentag es möchte: politische Statements: NEIN! Nicht noch einmal.
        – da die Marke Burschenschaft durch eine Bonner Burschenschaft und friends ziemlich verbrannt wurde: positive Öffentlichkeitsarbeit: braucht man dazu einen Verband?
        – Schiedsgerichte zur Streitschlichtung zwischen Einzelpersonen oder Mitgliedsverbindungen: die Activitates lösen diese Probleme irgendwie anders, für die „alten Säcke“ ist das überflüssig wie Bauchschmerzen.
        Und dafür Zeit und Geld ausgeben?

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      • „Netzwerk, das bei Studienortwechseln hilft …“
        Welche Hilfe? Wenn ich den Studienort wechsele weis ich schon bei wem ich frage und bei wem besser nicht? Dafür ist kein Verband notwendig.

        „… Unterstützung durch vom Verband organisierte überfachliche Bildungsveranstaltungen wie Rhetorikseminare oder Organisation der politischen Bildung …“
        Schon früher gab es keine Bereitschaft, ein Wochenende während der Vorlesungszeit zu opfern. Und die politische Bildung organisieren wir uns schon lieber selber.

        „… wenn der Burschentag es möchte: politische Statements …“
        Bitte nicht. Die interessiert niemanden. Ablage P!

        „… da die Marke Burschenschaft durch eine Bonner Burschenschaft und friends ziemlich verbrannt wurde: positive Öffentlichkeitsarbeit …“
        Verbrannt wurde die nicht. Die Medien wissen schon zu unterscheiden. Aber welche Presse- oder Öffentlichkeitsarbeit wurden denn seit den Bonner Märzgesprächen betrieben? Null! Und das in dem Jubiläumsjahr 2015 nichts passiert sagt alles. Danke.

        „… Schiedsgerichte zur Streitschlichtung zwischen Einzelpersonen oder Mitgliedsverbindungen …“
        Hausverbote oder ein paar sofort auf die Fr…. helfen manchmal auch sofort. Mal ganz ehrlich. Das ist kein Grund für einen Dachverband.

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