Im NSU-Prozess spricht Christian K. über Burschenschaften

blitzeüberbraunbuxenkleinIm Münchner NSU-Prozess ist Christian K. als Zeuge geladen worden, berichtet der SWR. Und zum zweiten Mal nach den parlamentarischen Enthüllungen um NSU-Unterstützer und Burschenschafter Mario B. wird das Thema „Burschenschaft/NSU-Umfeld“ aufgeblendet.

Das Besondere am 4. März: erstmals im NSU-Prozess berichtet ein Zeuge zum Thema Burschenschaften und weist auf Verbindungslinien zwischen einer bestimmten Burschenschaft und der Naziszene hin, die für das Verstehen des Netzwerkes der NSU-Terroristen weiter relevant werden könnten.

Die Prozessbeobachter von „@NSUWatch“ twittern aus dem Prozess: „K. sagt, dass er den Kontakt zur Naziszene auch weiter gehalten habe, nachdem er Anschluss an eine #Burschenschaft gefunden hatte. #nsu“.

K. ergänzt laut @NSUWatch: „Und noch ein weiterer Neonazi sei bei der #Burschenschaft Jenensia gewesen, sagt Christian K. vor dem Ende des Verhandlungstags. #nsu“.

2013 war das Thema bereits einmal in der Fachpresse:  Christian K., der jüngere Bruder von André K., habe dem parlamentarischen NSU-Untersuchungsbericht des Landes Thüringen zufolge der Burschenschaft Normannia Jena angehört, hatte das Portal Endstation Rechts geschrieben. Dem habe K. schriftlich gegenüber ER widersprochen, er sei tatsächlich kein Mitglied der Burschenschaft Normannia zu Jena gewesen, habe allerdings den Status eines „farbentragenden Gastes“ gehabt. K., der nach eigenen Angaben Anfang des Jahrtausends aus der Szene ausgestiegen sein will, hatte mit seinem Musikprojekt „Eichenlaub“ 1999 ein Lied veröffentlicht, das sich direkt an die mutmaßlichen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe richtete, so das Portal ER.

Wie eng der Kontakt zwischen der Band und Z., M. und B. war, zeigt ein Interview, das die Liedermacher einer Zeitschrift des Nazi-Musiknetzwerkes „Blood & Honour“ im Jahr 2000 gaben, wie der Störungsmelder schreibt: „Auf die Frage, worum es in dem besagten Lied genau geht, antworten die Musiker: „Trotzdem stehen wir zu dem, was unsere drei Kameraden da getan haben. Wir, die sie wohl am besten kannten, können uns mittlerweile ganz gut vorstellen, warum sie diesen zweifelhaften Weg gegangen sind. Aber wir verurteilen sie deswegen nicht, eben weil wir sie auch irgendwie verstehen können.“

Die Süddeutsche analysiert, dass sich K. von radikalen Gesinnung offenbar längst gelöst habe. Dies betont K. auch in einer Stellungnahme in seinem Blog.

Als die Terrorzelle 2011 aufflog, so der Tagesspiegel, „hatte ich Probleme mit meinem Gewissen“, sagt Christian K., der offenbar längst mit der Szene gebrochen hatte. Er habe sich die Frage gestellt, „ob ich etwas hätte verhindern können, wenn ich der Polizei erzählt hätte, dass die drei in Chemnitz sind“. K. habe 2000 auf einer NPD-Veranstaltung erfahren, wo sich die NSU-Terroristen versteckt hätten.

Ergiebig dürfte eine Untersuchung werden, welche Burschenschaften und Burschenschafter Kontakte mit der von Christian K. genannten Jenensia/spätere Normannia Jena zwischen 1999 und 2007 pflegten. Interessant dürfte eine Untersuchung werden, warum alle NSU-Terroropfer in Hochschulstädten ermordet wurden.

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3 Antworten zu “Im NSU-Prozess spricht Christian K. über Burschenschaften

  1. Christian K.s Loslösung vom Rechtsextremismus kann womöglich nur als ein Lippenbekenntnis gewertet werden. Er ist nach wie vor noch verantwortlich für den Inhalt des Onlinemagazins „Nonpop“, das dem oft als rechtlastig assoziierten Neofolk-Musikgenre nahesteht. Für „Nonpop“ schreibt unter anderem der extrem rechte Autor Martin Lichtmesz (u.a. „Sezession“) unter dem Pseudonym „Martin L.“. Zwischenzeitlich betrieb K. auch das Internetportal „Lichttaufe“ und veranstaltete unter dem Motto „Flammenzauber“ verschiedene Konzerte unter Beteiligung vieler sehr zweifelhafter Bands.

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    • Von besagtem Autor ist auf der Website nichts zu sehen. Offenbar gab es vor Jahren intern eine Auseinandersetzung, in dessen Folge oben genannte Person aus der Redaktion ausgestoßen wurde.
      Das Magazin behandelt offenbar zahlreiche Bands auch aus dem linken Spektrum.

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    • Mal wieder ein Beispiel von Stimmungsmache: die Morde geschahen in Hochschulorten- also wird suggeriert, Burschenschaften hätten etwas damit zu tun.
      In China fällt ein Sack Reis um – in Sylt wird ein chiensischer Koch getötet; da muss doch ein Zusammenhang bestehen. Ironie off.

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