98 Prozent der Burschenschaften schweigen zum Holocaust

blitzeüberbraunbuxenkleinAm 27. Januar haben sich Burschenschaften mit vielen um sich selbst kreisenden Themen beschäftigt, aber mit einem Thema kaum – dem Holocaust. Die Facebookseiten von 160 Burschenschaften beschäftigen sich am 27. Januar, dem Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren, mit Kneipen, Bällen, Veranstaltungshinweisen. Nur drei Burschenschaften finden Worte zum Holocaust: Franco-Bavaria München, Ghibellinia Prag zu Saarbrücken und Germania Saarbrücken schließen sich dem Gedenken an.

157 Burschenschaften schweigen zum Holocaust, das entspricht 98 Prozent. Die österreichischen Bünde darunter schweigen komplett.

Der über Burschenschaften forschende Wissenschaftler Dr. Bernhard Weidinger begründet das Schweigen von (vor allem österreichischen) Burschenschaften zum Holocaust damit, dass sich Burschenschaften mit der Erinnerung an NS-Verbrechen schwertun: einerseits vor dem Hintergrund ihrer langen und bis heute nicht abgeschlossenen Geschichte des Antisemitismus, andererseits vor dem Hintergrund, dass Burschenschafter im Nationalsozialismus in Österreich fast ausschließlich auf Seiten der Täter gestanden hätten (Personen-Beispiele im Blog BPA). Und so zögen es Burschenschaften eher vor, über diese NS-Verbrechen zu schweigen, oder wenn man sie doch erwähne, etwas zu relativieren: zwar sich zu bekennen zur Bedeutung des Erinnerns, aber gleichzeitig die NS-Verbrechen dadurch zu relativieren, dass man ihnen andere vermeintliche oder tatsächliche Verbrechen gegenüberstelle und auf Antisemitismus auch in anderen Lagern hinweise. (via Interview ORF, Wien heute, 27.1., Link)

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6 Antworten zu “98 Prozent der Burschenschaften schweigen zum Holocaust

  1. So ein Unsinn mal wieder. Sie werden auch herausfinden, dass eine ähnlich hohe Prozentzahl an Fußballvereinen, Freiwilligen Feuerwehren und Frisörsalons auf Facebook dazu ebenfalls „geschwiegen“ haben… Wohl auch alles Nazis

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  2. Vergleiche hinken bekanntlich. Diese allgemeine Weisheit scheint noch nicht zu Ihnen durchgedrungen zu sein. Schauen Sie sich einmal die Herren von damals an, die an den Schaltstellen der KZs wirkten, wie Kaltenbrunner und Konsorten. Da war auch ein hoher Anteil von österreichischen Korporierten dabei. Anlaß, in sich zu gehen und darüber kritisch zu reflektieren. Fehlanzeige. Suchen Sie solche „Führungspersonen“ einmal in der freiwilligen Feuerwehr, Fußballvereinen pp., abgesehen davon dass diese Organisationen an der Zahl die der Burschenschaften weitaus übersteigen.

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    • Ein „hoher Anteil“…
      Das ist eine völlig leere Behauptung! Schaltstellen der KZs sind nicht überdurchschnittlich mit Burschenschaftern besetzt gewesen. Woher haben Sie bitte diese Information?

      Außerdem: Warum schließen Sie auf mangelnde Selbstreflexion bzgl. der NS-Verbrechen, nur weil am 27.01. diesen Jahres keine massenhaften Facebook-Kommentare zu diesem Thema seitens der einzelnen Bünde veröffentlicht wurden?

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      • @ulli, wie österreichische Burschenschaften die Verstrickungen von Burschenschaftern in die NS-Zeit „reflektierten“, dazu zwei Beispiele:

        „Das Ausmaß der Verstrickung von Burschenschaftern in die Verbrechen des NS wird nur indirekt in den Chroniken der Burschenschaften bekannt. Bernhard Weidinger zitiert in seiner Studie über die Burschenschaften in Österreich nach 1945 etwa die Chronik der Oberösterreicher Germanen (1967):

        „Zahlreiche ältere Bundesbrüder sind in der Heimat während des Krieges mit maßgebenden und entscheidenden Aufgaben der Kriegs- und Rüstungswirtschaft und der Verwaltung beauftragt worden. Ihr pflichtgetreuer Einsatz für die Kriegsaufgabe und den Staat wurde nun sehr schlecht belohnt(….) Die inzwischen erlassenen NS-Gesetze brachten für die Bundesbrüder zahlreiche Entbehrungen und Opfer“.

        Der Chronist der Olympia, Helge Dvorak, schreibt dazu:

        „Zahlreiche Bundesbrüder mußten sich den sogenannten ‚Entnazifizierungsverfahren‘ unterziehen und manch einer verbrachte eine oft mehrmonatige Haftzeit in den alliierten Anhaltelagern Wolfsberg und Glasenbach sowie in der berühmt-berüchtigten ‚Elisabethpromenade‘ (‚Liesl‘) in Wien“.“

        via Stopptdierechten

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        • Wie immer die Frage nicht beantwortet! Es ging um die Schaltstellen!
          Und so, wie es die Chronisten beschreiben, wird es wohl vielen ergangen sein, auch Feuerwehrleuten. Und natürlich ist das eine subjektive Betrachtung, warum auch nicht!
          Der Krieg war eben total. Hoffen wir, daß wir so was nicht erleben müssen!

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