Anwälte aktiv: Jenaer Urburschenschaft reagiert auf Missbrauch ihrer Fahne durch DB

logo-debeadeSelten wird ein Streit unter den verschiedenen burschenschaftlichen Richtungen wie liberal, konservativ oder extrem rechts offen ausgetragen. Aber zu starken Emotionen bei liberalen und konservativen Burschenschafter kommt es aktuell, weil die Rechtsaußen in der DB mit ca. 15 Bünden beim Pegida-Hass-Marsch als politischer Demonstration in Dresden öffentlich und zahlreich die Fahne der Jenaer Urburschenschaft geschwenkt haben. Die drei Jenaer Bünde sind schon lange nicht mehr DB-Mitglied.

Eine Reaktion der Jenaer Urburschenschaft Arminia auf dem Burgkeller: sie lässt Anwälte das „nicht genehmigte Zeigen der Fahne der Urburschenschaft“ prüfen, wie sie in einer Pressemitteilung erklärt. Sie hat die Fahne bereits 1995 als „Bildmarke“ beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen und schützen lassen (Registernummer 39544270) – 2007 wurde die Schutzdauer der Marke verlängert. Die im Netzwerk Lassalle-Kreis zusammengeschlossenen SPD-Korporierten begrüssen die Stellungnahme von Arminia: „Danke für die Klarstellung. Europa ist auch das Vaterland für Muslime!“

Den Fahneneinsatz sehen burschenschaftliche Kommentatoren in einer hitzigen Diskussion hier im Blog BPA als Missbrauch. Das Schwenken der Fahnen der Urburschenschaft beim Pegida-Marsch könnte in der Öffentlichkeit als Zeichen mißverstanden werden, dass die Jenaer Bünde hinter den Zielen von Pegida stehen.

Die Deutsche Burschenschaft schreibt auf ihrer Webseite, dass zum Führen der Urbschurschenschafterfahne das Einverständnis der Urburschenschaften notwendig ist: „Die Fahne der Urburschenschaft, die heute bei festlichen Anlässen als Bundesfahne der Deutschen Burschenschaft geführt wird, wozu es jeweils eines gleichlautenden Beschlusses der drei Jenaischen Burschenschaften bedarf, ….“ (Rubrik Geschichte der DB). Eigentlich hätten es die DB-Buxen in Dresden also besser wissen müssen.

Bei ARD Panorama ist online ein Burschenschafter im Interview bei Pegiada zu sehen. Er sagt: „Wir berufen uns auf die urburschenschaftlichen Ideale und dafür stehen wir hier mit den Fahnen.“ (Panorama-Beitrag auf Youtube ca. 24.30 min, Fahnen ab 25.50). Der Reporter fragt naheliegenderweise, wie Pegida dazu passt. Antwort: „Wir …äh … Das ist ne sehr schwierige Frage“. Im TV-Beitrag sind einige Personen zu erkennen, die die Anwälte interessieren könnten.

 

 

Allerdings kann man sich auch des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass auf dem Rücken einer Fahne auch ein Stellvertreter-Krieg ausgefochten wird. Nämlich die schon lange schwelende Auseinandersetzung, wer zukünftig die Marke Burschenschaft in der Öffentlichkeit repräsentiert: liberale und konservative Burschenschaften im neuen Verband (und als freie Bünde) oder die rechten und extrem rechten Bünde der Deutschen Burschenschaft?

An Geschwindigkeit wird die Diskussion in Richtung der 200-Jahr Feier der Urburschenschaften 2015 (ohne DB) zunehmen. Was passiert, wenn die DB bei einer Parallelveranstaltung zur Jenaer Hauptveranstaltung ebenfalls die Jenaer Insignien nutzt, so wie es ihre Bünde bei Pegida in Dresden getan haben? Was passiert mit dem neuen Verband in der öffentlichen Wahrnehmung, Glaubwürdigkeit und Abgrenzung zur DB, wenn der alte Verband nicht nur den Markennamen Burschenschaft sondern auch die Insignien „verwendet“ und die Jenaer Bünde dies zulassen?

 

 

Hintergrund

Wem gehört die rot-schwarz-rote Fahne? Die Jenaer Urburschenschaft Arminia auf dem Burgkeller schreibt dazu auf ihrer Webseite:

„Die Insignien der Urburschenschaft

In schwierigen und sich über Jahre hinwegziehenden Verhandlungen gelang es den Verhandlungsführern, Gerichte und Behörden davon zu überzeugen, dass die im Februar 1991 nach Jena zurückgekehrte Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Rechtsnachfolgerin der 1936 zwangsaufgelösten gleichnamigen Burschenschaft ist. Das bedeutet, dass die Burgkeller-Burschenschaft nach wie vor Eigentümerin von wichtigen ur- und frühburschenschaftlichen Insignien und Archivalien ist…“

„Unter den genannten Insignien nimmt die rot-schwarz-rote Wartburgfahne von 1817 eine Sonderstellung ein. … ist die Wartburgfahne seitdem – im Gegensatz zu den o. g. Archivalien und Insignien – gemeinsames Eigentum der drei jenaischen Burschenschaften Arminia, Germania und Teutonia. … Seit jeher im Besitz der Burgkellerburschenschaft befindet sich auch die goldumsäumte rot-schwarze Fahne von 1815/16. Im Jahr 1822 beim Auszug nach Kahla mitgeführt (deshalb auch „Kahlafahne“ genannt), ist diese schmucklose Fahne – belegt durch zeitgenössische kolorierte Stammbuchblätter – höchstwahrscheinlich älter als die berühmte „Wartburgfahne“ von 1816. Sie dürfte die älteste erhaltene Fahne der Burschenschaft und damit auch die älteste erhaltene Fahnen mit den deutschen Nationalfarben sein.“

->Link zum kompletten Text: „Die Insignien der Urburschenschaft“ von Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller

-> Link: Pressemitteilung Arminia auf dem Burgkeller „ Nicht genehmigtes Zeigen der Fahne der Urburschenschaft auf PEGIDA-Demo

-> Link: Eintragung Bildmarke beim DPMA

-> Link: ARD – TV-Beitrag von Panorama über Pegida mit Burschenschafter-„Interview“

 

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Eine Antwort zu “Anwälte aktiv: Jenaer Urburschenschaft reagiert auf Missbrauch ihrer Fahne durch DB

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