Nachwuchsprobleme: DB mit weiteren VIER vertagten Burschenschaften

logo-debeadeDas Dahinsiechen eines Verbandes kann man bei der Deutschen Burschenschaft und seinen Mitgliedern live sehen: bei der 200-Jahr-Feier der Urburschenschaften in Jena 2015 darf die DB wegen des Rechtsrucks nicht dabei sein, massenhaft Bünde traten aus, aus Bünden fliehen langjährige Mitglieder, Bünde müssen sich mit Doppelbändern stützen, Burschenschaften müssen aus Budgetgründen fusionieren, immer mehr öffentliche Räume werden DB entzogen, selbst extrem rechte Exzesse wie NSU-Unterstützer in Verbandsburschenschaften werden widerspruchslos von den noch ca. 60 Bünden aufgenommen – etc.
Aber auch immer mehr Mitgliedsburschenschaften sind kaum besser dran als der Verband. Der Anfang vom erwartbaren Ende dieser Entwicklung zunächst auf Bundebene ist die Vertagung einer Burschenschaft – wenn nicht mehr genug aktiver Nachwuchs gewonnen werden kann.

Aktuell hat die Deutsche Burschenschaft weitere VIER Mitglieds-Burschenschaften als vertagt gemeldet, berichtet ein  Wikipedia-Autor mit einem DB-Nachrichtenblatt als Quelle. Eine langfristige Vertagung kann vor allem bei Bünden mit auch wenigen Alten Herren zum gravierenden Problem werden. Der nächste Schritt nach einer langen Vertagung kann der Hausverkauf sein. Und irgendwann ist von der rechten Burschenschaften nur noch eine Fahne übrig, die auf dem Flohmarkt keiner mehr kaufen will.

Zu den vier als vertagt gemeldeten DB-Burschenschaften gehören ausgerechnet einige erst in den letzten Jahren in den Verband aufgenommen Bünde – darunter sind zwei Bünde der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG).

Zu den vier Vertagten mit zu wenig Nachwuchs gehöre laut Wikipedia/DB-Nachrichtenblatt der BG-Bund Nibelungia Wien. Er ist erst 2012 der DB beigetreten. Offenbar hat der DB-Beitritt geradewegs in die Vertagung geführt. Nibelunge ist der österreichische FPÖ-Parlamentarier Christian Hafenecker.

Auch Gothia Salzburg melde die DB als vertagt, dabei hat die DB Gothia gerade erst 2013 wieder in den Verband aufgenommen. Auch hier scheint der Verbandsbeitritt die Nachwuchsarbeit nicht zu fördern.
Auch BG-Bund Teutonia Prag zu Regensburg melde die DB als vertagt – ebenso wie
die erst 2014 aufgenommene Salamandria Dresden. Ein ZEIT.DE-Journalist nannte sie einen „kleinen Dresdner Trink-Verein„. Ein Ösi-DB-Buxe erkannte in Salamandria die „Anziehungskraft“ der DB – der Ausdruck war wohl ungewollter rechter Zynismus über die eigenen Verbandsbrüder.

Andererseits scheint der Verbandsaustritt aus der Dt. Burschenschaft bei vertagten Burschenschaften die Nachwuchsfrage positiv zu beeinflussen. Die Anfang 2014 aus der DB ausgretetene Konstanzer Burschenschaft Rheno-Alemannia bejubelt schon im Herbst 2014 einen großen Fuxenstall , der sei groß wie seit Anfang der 2000er nicht mehr.

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10 Antworten zu “Nachwuchsprobleme: DB mit weiteren VIER vertagten Burschenschaften

  1. Diese Entwicklung ist doch schon auch hier oft beschrieben und vorausgesagt worden (wozu nicht viel gehört): Nachwuchsmangel, Flucht in die Radikalisierung, Finanzierungsprobleme, Pleite, Bude dicht machen („Vertagen“ ist dafür ein Euphemismus). Das gilt für Einzelbünde (wenn es einige Ösibuxenvereine und deren teutsche Freunde nicht mehr gibt) und jenen ominösen DB-Dachverband, wen interessiert das noch, wer ist denn davon betroffen? Doch höchstens die entsprechenden Sicherheitsorgane!
    Wesentlich wichtiger und zukunftsweisender ist doch die Beschäftigung mit der Frage: welche Gründe führen zu jener möglichen Radikalisierung von Buxenbünden, zu Affinität mit rechtsradikaler Ideologie? Die bisherigen Antworten darauf sind nicht mehr als laue Lüftchen, vermutlich weil es ans „Eingemachte“ geht.

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    • @Otto Framm, gerne können Sie hier Ihre Sichtweise darlegen, warum es eine Radikalisierung bei Buxenbünden gibt. Nicht fordern, sondern die Antwort selbst geben, Herr Framm 😉 Erzählen Sie vom Eingemachten!

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      • Das würde ich schon unternehmen, aber nicht unter den hier herrschenden Vorstellungen. Von den schreibenden TN haben hier sage und schreibe 2 (in Buchstaben: zwei!) ihren Bund angegeben: Sie, als ehemaliger Raczek und ich als AH der Clausthaler B! Schlägel und Eisen. Was soll man mit einem „Turnerschafter“, „Kritischer Buxe“, „Gelbbuxe“ etcpp anfangen, was haben die zu verbergen? Ihren Bund? Bei allem Verständnis für das Vermeiden von Realnamen (wg. möglicher Schrottmails) sollte die entsprechende Bundeszugehörigkeit angegeben werden. Oder geht das schon in das „Eingemachte“?
        Farben tragen heisst Farbe bekennen, so habe ich das nicht nur bei uns im Bund gelernt. Wer befürchtet hier eigentlich was?

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        • @Otto Framm, grundsätzlich hat doch eine Diskussion über Ursachen den Rechtsrucks nichts mit Personennamen oder Verbindungsnamen zu tun. Denn beim Rechtsruck geht es doch um Strukturen und Mechanismen, denen viele Personen und Verbindungen ausgeliefert oder verfallen sind. Also ist für diese Diskussion eine Anonymität hinter einem Nick vielleicht sogar förderlich, weil man dann freier schreiben kann?

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        • Es gibt zwei Gründe, dass ich hier weder meinen Bund noch meinen Klarnamen nenne:
          – ich fände es lästig, von rechten Buxen angeramscht zu werden oder dass mein Bund mit meiner – zugegeben sehr speziellen – Privatmeinung identifiziert wird.
          – ich habe keine Lust, dass das internetaffine Gemüse, das ich nun einmal zu bändigen habe, mich auf meine ehrenamtliche Tätigkeit als Kommentator hier anspricht. (Achtung letzteres enthält viel Ironie)

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          • Ihre Beweggründe in allen Ehren, nur meiner Realität entsprechen diese nicht.
            – Weder mein Bund, noch meine Person sind jemals wg. meiner hier geäusserten Ansichten von „Rechtsbuxen“ angemacht worden.
            – Sollte dieser Fall eintreten bin ich mir sicher, dass mein Bund (und ich) entsprechend reagieren werden.
            – Die von mir hier geäusserten Ansichten zum Thema „Burschenschaften“ sind zwar private, werden jedoch grosso modo von der überwiegenden Mehrheit meines Bundes geteilt.
            – Könnte es sein, dass Ihre „zugegeben sehr spezielle Privatmeinung“ in Ihrem Bund auf größeren Widerstand stösst, womit wir wieder beim „Eingemachten“ gelandet wären? (Achtung, letzteres enthält viel Ironie)

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            • @Otto Framm
              Auf Bubenetz bin ich von gewissen Herrschaften angeramscht worden. Mein Bund hat mich darauf gebeten, mich zurückzuhalten: es sei Zeitverschwendung für ihn und mich. Daran halte ich mich. Ich habe schon öfter – unabhängig von Burschenschaft – die Erfahrung gemacht, dass im Internet, verzeihung Weltnetz, die Bereitschaft verbal auszuteilen, viel ausgeprägter ist, als wenn man sich von Person zu Person gegenüberstünde. Das liegt am Medium.

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              • @ Monokel,
                Ironie on!
                Auf welchen Seiten treiben Sie sich herum? Ich kannte die bis dato überhaupt nicht. Und: da kommt doch ein normal-sterblicher Buxe garnicht rein, „forbidden“ für die in der neuen deutschen Reichssprache. Also eine jener typischen DB-Veranstaltungen.
                Ironie off!
                Meine Empfehlung: man lasse die Finger von der DB, ihren Bünden, ihren Mitgliedern (ausgenommen: Privatkontakte). Sollen die doch sehen, wie sie aus ihrer S…..auce rauskommen oder nicht, es ist so bedeutend wie der berühmte Reissack der in China umkippt. Zusätzlich: der eigene Bund, selbst das eigene Privatleben funktioniert wesentlich besser und einfacher ohne diesen DB-Quatsch.

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                • Vor dem Austritt meines Bundes aus der DB hatte ich die Befürchtung, dass meine privaten Kontakte (die nun einmal stark buxig mit vielen BG-Buxen sind) könnten darunter leiden. Das hat sich nicht bestätigt. Wie alle meine Bundesbrüder habe ich wenig Angst vor Kontakten in irgendein Lager: wir reden, mit wem wir wollen (auch Autonome kamen bei uns- ganz friedlich! – zu meiner Zeit vorbei, nachdem geklärt war, warum der Eine diese und der Andere jene Position hatte, leider tempi passati) und lassen uns dort nicht hineinreden. Die Grenze bilden die Verfassung und das Strafrecht. Dass es gelegentlich in dieser Hinsicht, was die Diskussionen -und nur diese! -angeht, an den Rand der Verfassung geht, finde ich hinnehmbar, weil es der gedanklichen Klärung und der Ausbildung bewusster Akademiker dient.
                  Als allerdings die gnostischen Kräfte aus der BG überhandnahmen mit einer quasireligiösen Verehrung des Volkes, des Vaterlandes und eines ungeklärten Ehrenbegriffs – eine Entwicklung die sicher für Aussenstehende absehbar war, aber nicht für mich, weil weite Teile meines burschenschaftlichen Umfeldes ausserhalb meines Bundes sie vertraten – traten wir, das ist allerdings meine Lesart, aus der DB aus.

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                  • Möglicherweise werden die Unterschiede bei der Wahl der privaten Kontakte teilweise durch die Unis, hier Geistesewissenschaftler (Pauker, Amtsgerichtsrat in Kuhkackerode, Achtung Spott), dort Techniker erklärbarer. Bei Letzteren spielen die „Montanisten“ dann noch eine Sonderrolle, da sie schon zu Studienzeiten auf das Ausland verwiesen werden. Ich habe 1962 mein Erzbergbaupraktikum in Finnland, meine geowissenschaftliche Meldearbeit in Spanien getätigt und war damit kein Ausnahmefall.
                    Damit relativieren sich wie von selbst die „gnostischen Kräfte“ der quasi-göttlichen Volks/Vaterlandsverehrung, bei uns lächelnd als „typisches (Uni)Buxengequake“ bezeichnet. Das wurde nicht ernst genommen, bis mein Bund aus sehr viel handfesteren Gründen Verantwortung in der DB übernahm und danach austrat. Dann war aber auch endgültig Schluss damit. Wir alle haben keinen „missionarischen“ Trieb mehr in diese Richtung. Die können jetzt machen was sie wollen, uns berührt und betrifft das nicht mehr.
                    Das vielleicht zum besseren Verständnis der unterschiedlichen Ausgangslagen….auch bei Buxen.

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