Zweiter Burschenschafter soll an NSU-Fluchtvorbereitung beteiligt gewesen sein

kitchenImmer mehr mögliche Verstrickungen von rechten Burschenschaftern und NSU kommen ans Tageslicht. Nicht nur ein, sondern mittlerweile schon zwei Burschenschafter sollen an der Fluchtplanung der NSU-Terroristen nach Südafrika beteiligt gewesen sein.

Die FAZ schreibt, dass auch Thorsten Heise nach Aussage eines Verfassungsschützers bei den Fluchtvorbereitungen der NSU-Terroristen nach Südafrika involviert gewesen sein könnte. Heise wurde vom Fachportal Publikative als Mitglied der Burschenschafft Chattia Friedberg zu Hamburg (Mitglied im Verband Allgemeiner Pennäler Ring, APR) enttarnt. Der Verfassungsschützer beruft sich auf die Aussage von Tino Brandt (die dieser selbst im NSU-Prozess als Zeuge wiederholt hat, wie NSU watch beschreibt). Dieser habe Kontakt zu Heise aufgenommen. „Brandt habe Heise gefragt, ob der seine Kontakte nutzen könne, um das Trio in Südafrika zu verstecken. Der habe das auch grundsätzlich zugesagt. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa sagte er, Brandt habe ihn damals „nur allgemein“ befragt und nicht mitgeteilt, dass es um „drei Terroristen“ gegangen sei, „die mal untertauchen müssen“, so die FAZ. Aus der Flucht Ende der 90er Jahre sei nichts geworden, weil Beate Zschäpe nicht mit nach Südafrika habe mitgehen wollen. Heise ist Mitglied im Bundesvorstand der NPD.

Heise ist damit der zweite Burschenschafter rund um das Thema Flucht des NSU. Der Nordbayr. Kurier (18.10.) schrieb , dass Mario B. 1998 zusammen mit Andre K. die Flucht des NSU-Trios nach Südafrika geplant habe und dafür mit K. beispielsweise nach Südafrika geflogen war und sich dort ab 8. August 1998 vier Wochen aufgehalten habe. Laut Geheimdienst soll er dort mitgeholfen haben, “ein Schulungszentrum aufzubauen, das auch für militärische Schulungen genutzt werden soll.” (Kurier 18.10.)

Die Burschenschaft Thessalia Prag zu Bayreuth hat nach der Veröffentlichung in einer öffentlichen Stellungnahme eingestanden, dass Mario B. auch Mitglied ihrer Burschenschaft gewesen sei.

Reaktionen:

Reflexartig antworten manche Buxen (hier im Blog BPA) auf die Meldung des zweiten Buxen in NSU-Nähe, dass die pennale B! Chattia mit „akademischen“ DB-Burschenschaften nichts zu tun habe. Sogar der Verfassungsschutz widerlegt diesen Buxen-Reflex. In Hamburg bestätigt er in einem Sonderbericht im Mai 2014, dass die DB-Burschenschaft Germania Hamburg „enge Kontakte zur rechtsextremen PB Chattia“ unterhalte. Der VS konkretisiert dies sogar: „Einzelne Germanen sind oder waren gleichzeitig Mitglied der PB! Chattia“, schreibt er im Bericht.

 

Advertisements

12 Antworten zu “Zweiter Burschenschafter soll an NSU-Fluchtvorbereitung beteiligt gewesen sein

  1. Chattia Friedberg hat mit den Burschenschaften an Universitäten nichts zu tun (bis auf die bedauerliche Tatsache, dass einige mit denen offiziellen Umgang pflegen).

    Das sollten Sie deutlich machen. Dieser Blogbeitrag erweckt den Eindruck, als wenn beide Terrorbeteiligte der Deutschen Burschenschaft zuzuordnen wären. Das sind sie nicht.

    Gefällt mir

    • @Kritischer Buxe, Danke für die Anregung. Wir haben ergänzt, dass Chattia im APR ist.

      Sollen wir noch ergänzen, dass Verbandsburschenschaften Chattia die Tür für Veranstaltungen öffnen oder Chattia als Kinderstube einer Hamburger B! gilt? Sie haben aber Recht, das wäre ein anderes Thema 😉

      Verstehen wir Sie richtig: ein NSU-Unterstützer im Verband ist irgendwie hinzunehmen, zwei dagegen schlimm? Vermutlich haben Sie sich dabei nicht so ganz genau ausgedrückt.

      Ähnliche Denkweise scheint auch im Verband zu herrschen: wo gibt es ein Aufschrei der konservativen Bünde, die eine Untersuchung gegen die Bayreuter fordern? Wenn sie es nicht tun, werden alle 60 Verbandburschenschaften in die Pflicht genommen.

      Gefällt mir

      • Ihre Frage:

        Verstehen wir Sie richtig: ein NSU-Unterstützer im Verband ist irgendwie hinzunehmen, zwei dagegen schlimm?

        Meine Antwort:

        klares Nein.

        Gefällt mir

    • @Kritischer Buxe, kurze Nachfrage: wenn Chattia mit den Burschaften an Universitäten nichts zu tun hat, wie Sie behaupten, warum titelt der Hamburger Verfassungsschutz dann zur DB-Burschenschaft Germania Hamburg „Enge Kontakte zur rechtsextremen Chattia“ in seinem Verfassungsschutzbericht zu Germania im Mai 2014? (Link zum Bericht)
      Es ist also ein gewisser Widerspruch zwischen Ihrer Aussage und der Einschätzung des Verfassungsschutzes festzustellen. Wie schätzen Sie diesen Widerspruch ein?

      Gefällt mir

      • Germania Hamburg hat meines Wissens mit der NSU-Angelegenheit nichts zu tun. Man kann natürlich Schlüsse daraus ziehen, wenn die offene Kontakte mit NSU-Unterstützern pflegen. Mehr aber nicht.

        Gefällt mir

    • @turnerschafter, wo sehen Sie denn den Unterschied zwischen „Schüler-Burschenschafter“ Heise und „akademischen“ Burschenschafter Mario B., beide als NSU-Unterstützer im parlamentarischen Bericht Thüringens genannt?

      Gefällt mir

      • Der eine ist heute noch Mitglied seiner Schüler-„Verbindung“, der andere wurde vor langer Zeit rausgeschmissen. Mit rausgeschmissenen (Ex-) Korporierten beschäftige ich mich nicht, die gehören halt nicht zu uns, Schüler-„Verbindungen“ sind nicht annähernd mit akademischen Verbindungen vergleichbar.

        Gefällt mir

        • @turnerschafter und @BPA-Buxen:
          Ich denke man sollte dieses etwas differenzierter betrachten, man kann einerseits nicht sagen der war mal ein Buxe und insoweit ist sein Verhalten auf alle Ewigkeit der B! zuzurechnen und andererseits kann man auch nicht einfach sagen der ist ein Ex-Buxe also interessiert es mich nicht mehr.
          Mario B. war ein Buxe in Bayreuth. Insoweit wirft dieses ein entsprechend schlechtes Licht auf die betreffende Bayreuther B!. Aber, wenn man dieses so klar bejahen kann, muss man im Umkehrschluss auch folgende These zulassen: Sie Herr B. (BPA) sind auch ein ex-Buxe bei einer bekanntermaßen rechten B!. Insoweit wirft diese Mitgliedschaft auch auf Sie ein entsprechendes Bild.
          Soweit diese provokante These, die zeigt, dass sowohl das eine, als auch das andere nicht richtig ist und sich insoweit keine wenn – dann Logik ableiten lässt.
          Es muss also etwas geben, was eine Differenzierung erlaubt: Dieses Differenzierungsmerkmal ist meines Erachtens die „Distanzierung“. Soll heißen: wenn sich eine B! von Füxen oder Aktiven trennt, die am rechten Rand segeln, kann dass, wenn sich diese B! einen Fehler eingesteht und sich von diesen ex-Mitgliedern distanziert für diese B! sprechen, die schließlich damit klar Position bezieht.
          So ist es auch bei Ihnen, Herr B. (BPA), Sie haben sich klar von Ihrer ex-B! distanziert, was damit auch klar für Sie spricht.
          Wichtig ist damit nicht der Fakt, dass jemand irgendwo Mitglied war, sondern ob und wie sich distanziert wird.
          Eine solche Distanzierung vermisse ich von der Bayreuther B! und auch von der BG und DB, was letztlich den Schluss zulässt, dass die genannten das Verhalten von Mario B. gutheißen. Dieses macht es für mich so unfassbar….

          Nur noch kurz zu den Schülerbuxen: Hier stimme ich „turnerschafter“ zu, diese sind keine richtigen Buxen. Oft aber der Kindergarten insbesondere der rechten akademischen B!B!, aber im Prinzip noch nicht ernst zu nehmen.

          Gefällt mir

          • @turnerschafter und @branco:

            – Mario B. war von 1997 bis 2009 bei der Thessalia (mit Unterbrechungen) gemeldet, hatte der Nordbay. Kurier
            berichtet. Sieht das nach einer Distanzierung aus? Einen NSU-Unterstützer zehn Jahre zu beherbergen? Und Thessalia hat sich noch nicht geäußert, von wann bis wann Mario B. Mitglied gewesen ist.

            – Thorsten Heise als einer der führenden Köpfe der rechten Szene wiederlegt Ihre beiden Relativierungen von pennalen Buxen. Heise zeigt, dass pennale Bünde eine wichtige Form sind, um ganz Rechte ohne Studium oder Rausgeworfene bei akadem. B! in
            die Buxenszene einzubinden. Das sieht auch der Hamburger Verfassungsschutz so.

            Pennale B! haben demnach zwei Funktionen: Keilstationen für braune Bünde und Auffangstation für nichtstudierte ganz Rechte.

            – wenn DB und BG öffentlich keine klare Distanzierung zum Fall Mario B. vornehmen, wird der Fall vermutlich das Ende der beiden
            Organisationen beschleunigen, da Behörden plötzlich sehr wachsam werden können, wenn Burschenschaften über die Stränge schlagen (Germania HH ist ein gutes Beispiel dafür).

            Gefällt mir

            • Die Meldung auf dem Haus ist kein Indiz für irgendwas. Ein Vermieter erhält von der Meldebehörde schon aus Gründen des Datenschutzes keine Auskunft, wer alles unter der Adresse gemeldet ist.

              Mir ist aus der Stellungnahme der Thessalia nicht ganz klar geworden, ob Mario B. dort Mitglied WAR oder es noch IST. Dann fehlt noch eine Stellungnahme, wie eine Burschenschaft es mit den Grundwerten der Ehre und der Freiheit hält, wenn man solche Personen als Mitglied duldet. Manchmal wünscht man sich die Zeiten der Selbstausschlüsse zurück.

              Gefällt mir

          • Das Problem des Herrn (Red. Hinweis: versuchen auch Sie, sachlich zu bleiben. Wenn Sie Rachegelüste ausleben möchten, tun Sie das einfach mit Klarnamen auf Ihrem Haus oder anderswo und nicht feige versteckt hinter einem Nick.

            Gefällt mir

Gerne können Sie sich mit einem Kommentar in die Diskussion einbringen. Motto: Farbe tragen heißt Farbe bekennen, heißt Namen nennen. So wie wir. Sonst no comment. Und aus gegebenem Anlass: Bitte bleiben Sie sachlich beim Kommentieren. Für den Inhalt der Kommentare sind die Kommentarschreiber verantwortlich. Und geben Sie sich einen eindeutigen Nickname, denn lauter "Anonyms" können nicht besonders gut miteinander diskutieren. Danke für Ihren Beitrag.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s