Rechte Burschenschaften nehmen Studentenverbindungen in Geiselhaft

marke-burschenschaftDer Fall Thessalia mit NSU-Unterstützer hat wieder einmal ein Thema hochgebracht, dass in der Studentenverbindungsszene hinter verschlossenen Türen, aber selten offen vor der Tür diskutiert wird:

viele Studentenverbindungen leiden unter rechten Burschenschaften,

seien es Corps, Landsmannschaften, Sängerschaften, liberale Burschenschaften, CV, KV etc. Sie leiden unter den rechten Buxen bei den Themen Sippenhaft,  gesellschaftliche Relevanz, beim Keilen, bei Veranstaltungen usw.

Thematisiert hat das der RCDS. Am Beispiel Thessalia formuliert er, das eine solche rechte Burschenschaft „die Arbeit der vielen demokratischen Verbindungen in Verruf“ bringe. Zwar differenziert die Öffentlichkeit in den letzten Jahren verstärkt zwischen rechten Burschenschaften wie den vom Verfassungschutz beobachteten Bünden Danubia München, Germania Hamburg, Dresdensia-Rugia Gießen und anderen nichtrechten Korporationen. Doch rechte Burschenschaften als „Kameradschafter mit Band“ nehmen mit ihren Taten auch andere Studentenverbindungen in Geiselhaft, da sich ihre Taten in der öffentlichen Meinung auf alle Verbindungen übertragen – Band ist Band. Diese bekommen dann die Kritik zu spüren, die sich gegen rechte Buxen richten sollte. Und rechte Buxen freuen sich, weil sie alle Studentenverbindungen wieder in ihre Wagenburg einschließen können.

Doch gegen den Verruf durch Braunbuxen gibt es ein Mittel: demokratische Studentenverbindungen müssen selbst stärker gegen rechte Burschenschaften vorgehen als sie es schon tun und aufklären und sich abgrenzen. Nicht nur durch korporationsszeneinterne Maßnahmen wie Hausverbote, Aufkündigen von Waffenringen und Waffenverhältnissen, Entzug von PP- oder PC-Rechten, Nichtbesuchen von Veranstaltungen, Ausschluss von Veranstaltungen, sondern vor allem öffentlich außerhalb der Szene in der Nichtkorporiertenwelt. So wie es das Corps Symposion tut. So wie es beispielsweise die Burschenschaften Arminia Marburg, Bubenreuther Erlangen und Marchia Bonn öffentlich tun. So wie es die NeueDB tut. Oder auch wie es Veranstaltungen wie der Marburger Frühschoppen mit Ausschluß der DB und der Dresdner Akademikerball mit Rauswurf der BG tun.

Nur wenn demokratische Studentenverbindungen wie Corps, CV, liberale Burschenschaften etc. zu den rechten Burschenschaften öffentlich, kontinuierlich und nachvollziehbar auf Distanz gehen und über Braunbuxen aufklären, haben sie eine Chance, dass rechte Burschenschaften weniger die Arbeit aller Studentenverbindungen in Verruf bringen. Wenn demokratische Studentenverbindungen allerdings zu rechten Burschenschaften schweigen, kann das Schweigen als Zustimmung zu rechten Burschenschaften gewertet werden.

Links online und offline:

RCDS auf Distanz zu DB

Corps Symposion zu deutschnationalen Burschenschaften

NeueDB zu NSU-Burschenschafter

Burschenschaft Arminia Marburg mit offenem Brief gegen DB plus Positionerung zu NSU-Burschenschafter

Burschenschaft Marchia Bonn über Arier-Anträge

Burschenschaft der Bubenreuther Erlangen, ZEIT Campus 16.10.2012, Interview über Umgang mit rechtsextremen Burschenschaftern

Marburger Marktfrühschoppenverein wirft DB raus

Dresdener Akademikerball will keine BG tanzen sehen

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12 Antworten zu “Rechte Burschenschaften nehmen Studentenverbindungen in Geiselhaft

  1. Gut gebrüllt Löwe!
    Befürchtungsweise überschätzen Sie jedoch die Relevanz von Studentenverbindungen bei den direkt/indirekt Betroffenen. Sie liegt nahe der Nulllinie. Dass liberale Studentenverbindungen unter dem Ruf der Braunbuxen „leiden“ ist eine wohlfeile Ausrede, das Verdrängen anderer, bundesinterner Gründe. Studentenverbindungen, gleich welche, entsprechen nun nicht mehr dem Weltbild, Interessen vieler Studenten. Ist die Studentenverbindung gut, hat sie etwas zu bieten, kommt auch der Nachwuchs, gleich ob schlagend, farbentragend oder nicht. So einfach ist das.

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    • Ich gebe Otto Framm hier recht. Die Burschenschaften sind politisch, da gehen in unserer Gesellschaft die Emotionen hoch wenn es „rechts“ wird. Damit endet ihre Bedeutung.

      Die konfessionellen Verbindungen wie CV, KV oder Unitas nehmen nach ihrem Selbstverständnis keine nichtkatholischen Mitglieder auf (die Praxis sieht heute etwas anders aus). Bestimmte Corps, die so genannten „weißen“ und einige andere auch, nehmen nur Mitglieder einer bestimmten sozialen Abkunft auf, nämlich aus dem Adel und zur Not auch aus dem Geldadel. Die meisten Studentenverbindungen nehmen nur Mitglieder eines bestimmten Geschlechts auf. All das kann man gut finden oder auch nicht, kritisch untersucht wird es in unserem Land nicht. Schlicht weil solche Eigenheiten von Kleinvereinen niemanden wirklich interessieren.

      Die Verbindungen sind heute objektiv bedeutungslos. Und durch den Fingerzeig auf andere – egal mit welchem edlen Motiv – werden sie nicht bedeutungsvoller.

      Auch bei den Burschenschaften muss man die Kirche im Dorf lassen. Die Verstrickungen, die aus Bonn oder Bayreuth bekannt wurden, gehen gar nicht. Der schon handlungsunfähige Verband wird da auch nicht viel ausrichten können. Aber man kann nicht alle Burschenschaften in kollektive Verantwortung nehmen für das, was Einzelmitglieder anderer Burschenschaften an Untaten begehen.

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      • @ Kritischer Buxe.. ..Die konfessionellen Verbindungen wie CV, KV oder Unitas nehmen nach ihrem Selbstverständnis keine nichtkatholischen Mitglieder auf (die Praxis sieht heute etwas anders aus)…

        Es hat zwar nichts mit Burschenschaften zu tun aber.

        Beim CV stimme ich Ihnen nicht zu, da ist die Praxis heute immer noch so, jedenfalls bei den CV Bünden die ich kenne. Wenn bei denen ein nicht Katholik aktiv werden möchte, muss er konvertieren. Danach wird er erst Geburscht. Im KV kannte ich 1-2 evangelen und mit dem Unitas-Verband hatte ich nur einmal Kontakt also kann ich dazu nichts sagen.
        Für mich sind Katholische Verbindungen nicht wirklich liberal. Außer Nationalität und Hautfarbe.

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      • „Der schon handlungsunfähige Verband wird da auch nicht viel ausrichten können.“ Wer sagt denn, dass der Verband das so schlimm findet und handeln will?

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        • @Reimung Grimm, richtig, der Verband hat doch schon 2012 beim Sonder-BT bewiesen, dass der das nicht schlimm findet und nicht handeln will. Und das gleich mit zwei Anträgen. Der Antrag auf Ausschluss von B! wie Danubia oder Dresdensia wegen ihrer auch vom VS verbrieften Ausrichtung. Und der Antrag auf Akzeptanz von ganz rechten Parteien. Beide Anträge und ihre Ergebnisse – kein Auschluss und Akzeptanz – wurde von der Mehreit der Bünde getragen bzw. wurde vor der Abstimmung kassiert. Demnach ist die Richtung des Verbandes und aller seiner Mitglieder klar, kein Mitglied kann sich dahinter verstecken, es wüßte von nichts. So machen sich auch die noch verbliebenen konservativen Bünde zu Genossen der ganz Rechten. Mit entsprechenden Folgen für alle, auch für die, die nicht austreten. Das wird insbesondere bitter werden für die restlichen IBZ-Bünde in der DB.

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    • @Otto Framm
      grundsätzlich haben Sie ja recht, aber:
      in „echten“ Hochschulstädten, in denen es Sozialwissenschaftler, Juristen, Mediziner …. gibt, ist die Keilsituation eine andere.
      Dort muss man auch gegen den ASTA kämpfen.
      Übrigens habe ich gehört, in Wien sei die Keilsituation sehr schlecht, weshalb schlagende Bünde (nicht nur DB!) bevorzugt im Hoologanmilieu keilten. Das wird natürlich den Rechtsdrall dort nur verstärken.

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      • @ Monokel,
        die Frage stellt sich nur: warum gibt es an „echten“ Hochschulstädten Verbindungen, welche nicht über Nachwuchsmangel klagen? Die müssen doch auch gegen den Asta kämpfen (für den sich auch kaum ein Student interessiert). Das ist alles nicht sehr überzeugend.
        Abgesehen davon ist das von außen oft so bezeichnete „Keilparadies“ Clausthal auch nicht so ganz ohne. Etliche Verbindungen mussten dichtmachen oder fusionieren…mangels Masse. Die Situation ist nirgendwo für Verbindungen einfach.

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      • Hooliganmilieu?? Wie kommen Sie denn darauf?
        Das ist wohl eher der Tatsache geschuldet, daß es den Spießbürger beim Gedanken daran kalt den Rücken runterläuft! 😀

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        • @lichtgestalt, welchen Vorteil sehen Sie beim Keilen im Hool-Milieu? Engagierte Jungs, die für die nationale Revolution zu vielem bereit sind? Wie machen sich die Hools den beim Fechten? Schildern Sie uns doch aus Ihrer Sicht, wo die Chancen und Risiken dieser Zielgruppe für B! bestehen.

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      • Ich bezweifel sehr stark, daß im“Hool-milieu“ extra gekeilt wird.
        Grundsätzlich keilt wohl jede Verbindung auf der Uni, also im Akademiker-Milieu! Und nicht im Fußballstadion!

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  2. Ich denke grundsätzlich werden in der Öffentlichkeit alle Verbindungen in einen Topf geworfen. Der Unterschied ob Burschenschaft, Corps, Landser etc. wird gar nicht wahrgenommen. Ich wurde nachdem ich erzählte, dass ich in einer Studentenverbindung bin, fast immer nur ungläubig angesehen und gefragt: „Aber doch nicht in einer schlagenden Verbindung, die sind doch alle rechts ?“ Hieran sieht man, dass – soweit man sich nicht in einer reinen Universitätsstadt aufhält – die breite Öffentlichkeit nicht differenziert. Insoweit ist an der „Geiselhaft“ schon etwas dran. Andererseits wird neuerdings auch von eindeutigen Verbindungsgegner – soweit sie sich ein wenig auskennen – doch etwas differenziert (so Alexandra Kurth in einem Interview mit der Berliner Zeitung vom 28.01.2013 – http://www.berliner-zeitung.de/berlin/studentenverbindungen–solidaritaet-mit-rechtsextremen-,10809148,21568836.html).
    Im Ergebnis waren und sind alle Studentenverbindungen in Deutschland schon immer irgendwie kritisch betrachtet worden, auch wenn die gesellschaftliche Bedeutung nahezu „null“ tendiert.

    Dieses belegt auch folgendes Zitat:

    „Kaum eine Spielart der Studentengeschichte wird so leidenschaftlich diskutiert, wie Sinn oder Unsinn der Korporationen an deutschen Hochschulen. Ob Corps, Burschen- oder Landsmannschaft, kein Thema ist so gespickt mit Vorurteilen und geprägt von Schwarz-Weiß-Zeichnungen, wie das deutsche Verbindungsstudententum. Die Allgemeinplätze gleichen der launigen Federzeichnung des Simplicissimus und so spukt seit Jahr und Tag ein Couleur tragender, schmissverzierter Spießbürger schweinsäugig durch das öffentliche Bewusstsein. Sein Name: Diederich Heßling, Neuteutone aus Berlin.“
    -Aus: Sven Waskönig: Der Alltag der Berliner Verbindungsstudenten im Dritten Reich am Beispiel der Kösener Corps an der Friedrich-Wilhelm-Universität. In: Rüdiger vom Bruch, Christoph Jahr, Rebecca Scharschmidt (Hrsg.): Die Berliner Universität in der NS-Zeit. Berlin 2005, ISBN 3-515-08657-9, S. 159-

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