Normannia Jena vs. Hilaritas: wie extrem rechte Burschenschaften Mensuren strategisch einsetzen

blitzeüberbraunbuxenkleinHier im Blog BPA diskutieren Burschenschafter und andere Korporierte auch das Thema Mensur. Um die Diskussion anzureichern und für eine weitere Sensibilität gegenüber Strategien von extrem rechten Burschenschaften zu werben, möchten wir auf Beispiele hinweisen, wie ganz rechte Burschenschaften Mensuren instrumentalisieren und sie politisch einsetzen.

Hier zwei Beispiele aus älterer Zeit und aus neuerer Zeit:

2004 focht ein Vertreter der Stuttgarter Burschenschaft Hilaritas eine Partie auf Glocke gegen einen Vertreter der Burschenschaft Normannia Jena, wie uns der Stuttgarter Bund bestätigte. Ein Kommentator im Blog BPA wies auf ein Foto aus dem Mensurbuch hin. Normannia Jena wird vom Verfassungsschutz beobachtet und ist in Thüringens NSU-Bericht vom Juli 2014 mehrfach erwähnt. 2004 stellte Normannia den Aufnahmeantrag in die Deutsche Burschenschaft – erfolglos.

Uns interessierte, wie die Burschenschaft Hilaritas die Mensur von damals bewertet. Michael Schmidt beantwortete als Repräsentant unsere Fragen mit der folgenden Stellungnahme:

„Die Partie, auf die das Foto anspielt, fand wie im Mensurbuch festgehalten statt. Unsere Haltung zu rechtsextremen Positionen in der burschenschaftlichen Verbandslandschaft ist allgemein bekannt und durch viele Anträge, interne Verbandsarbeit und letztlich unseren Austritt aus der DB hinreichend klar gestellt und dokumentiert. Die gezielte Veröffentlichung dieses Fotos im Zusammenhang mit dem Thema des Blogeintrags soll erkennbar dem Versuch dienen, unseren Bund in eine Ecke zu rücken, in die wir nachweislich nicht gehören und von der wir uns immer entschieden distanziert haben bzw. uns zu diskreditieren.
Wie Ihnen als ehemaligem Waffenstudenten bekannt ist, hat der Hintergrund der Mensur nichts mit politischen Themen zu tun, das Zustandekommen von Mensuren im Rahmen von PC oder PP erst recht nicht.
In stärker sensibilisierten Zeiten würde man im Zweifel genauer darauf achten, mit wem man ein Paukverhältnis pflegt, wobei davon ja ohnehin nur in einem Waffenring oder bei regelmäßigen Mensurvereinbarungen  gesprochen werden kann.“

2014 beteiligte sich die Hamburger Burschenschaft Germania Königsberg an einem Mensurtag auf Glocke (wir berichteten) mit den Bünden Germania Hamburg (BG, vom Verfassungsschutz beobachtet), Raczeks Bonn (BG, ODK) und Germania Marburg (DB-Vorsitzende 2015) teil. Einer der Mitglieder von Germania Könisberg kommentierte die Teilnahme mit: „;)“ Der Bund ist jüngst aus der DB ausgetreten.

 

Extrem rechte Burschenschaften wie Normannia, Germania HH, Raczeks, Germania MR fechten nicht einfach so. Sie setzen Mensuren als strategisches und politisches Instrument ein, um ihre Rolle innerhalb der Burschenschafterszene zu behaupten und Ausgetretene noch an ihre Organisationen zu binden. Und sie benutzen Mensuren, um mit anderen Bünden ausserhalb ihrer rechten Szene Kontakte zu halten. Gerne verweisen dann alle beteiligten Burschenschaften darauf, dass das Thema Mensur unpolitisch sei.

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20 Antworten zu “Normannia Jena vs. Hilaritas: wie extrem rechte Burschenschaften Mensuren strategisch einsetzen

  1. @ BPA.
    Ihr Argument:
    „Extrem rechte Burschenschaften wie Normannia, Germania HH, Raczeks, Germania MR fechten nicht einfach so. Sie setzen Mensuren als strategisches und politisches Instrument ein, um ihre Rolle innerhalb der Burschenschafterszene zu behaupten und Ausgetretene noch an ihre Organisationen zu binden.“
    ist recht zweischneidig. Selbiges könnte man genauso gut Hilaritas Stuttgart, einer der Hauptmatadoren der neuen Buxenverbandsgründung unterstellen: sie setzt Mensuren als strategisches und politisches Instrument ein, um ihre Rolle innerhalb der neu zu gründenden Buxenverbands zu unterstreichen, konservativere Buxenbünde in diesen Verband zu bringen, unter dem Motto: seht doch, auch wir halten die Traditionen der Burschenschaft wacker aufrecht.
    Mit Verlaub: Körnchenpicken im Hühnerstall!

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      • Sie bezieht sich primär auf die Mensur(en) 2004. Über aktuelle Partien der Hilaritas vermag ich nichts auszusagen. Es interessiert mich auch nicht.
        Natürlich könnte man jetzt gegen mein Posting einwenden, dass diese PP-Veranstaltung im Jahre des Heils 2004 stattfand, als Hilaritas noch „staatstragendes“ Mitglied der DB war. Diese tapfere und ach so kritisch eingestellte Burschenschaft ist ja immerhin schon 2012 aus der DB
        ausgetreten.
        Wie schon vordem geschrieben: BSE kennt seine Pappenheimer zur Genüge.

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  2. Die Antwort von Hilaritas sagt doch schon alles: Man sieht sich mal wieder in der Opferrolle. Man sieht sich nicht in der rechten Ecke. Und waffenstudentische Kontakte mit Rechtsextremen sind nach Meinung der fröhlichen Herren völlig unpolitisch. Die „Abkühlphase“ seit dem 2012er Austritt aus der DB war offensichtlich noch nicht ausreichend, um eine klare Sicht auf die Wahrnehmung der Nicht-Korporierten ohne „buxig“ national-konservative Prägung zu gewinnen. Wahrscheinlich spielt die Mehrheitsgesellschaft im offensichtlich beschränkten Hilaren-Kosmos aber ohnehin nur eine unbedeutende Nebenrolle. Man ist vielleicht etwas weniger rechts als die alte DB. Aber weiterhin genauso weltfremd. Das zeigt nicht zuletzt die noch immer völlig DB-konforme Argumentationslinie.

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    • @ Erwin Alemin,
      jaja, die Hilaren, die und DB-abgekühlt?
      Immerhin ist ein Hilare jetzt Vorsitzender des „Freundeskreises der DB“. Diesem Buxen, original beheimatet in einer Burschenschaft einer Nachbaruni, wurde, als sein Erstbund 2011 aus der DB austrat, das Hilarenband umgeworfen, damit er weiterhin Mitglied des RA der DB bleiben konnte. War wohl nur von begrenzter Dauer. Jetzt nimmt dieser als Vorsitzender jenes „Freundeskreises“ am BT teil.
      Das Ganze ist doch reif für das Kabarett.

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    • Ob ich jetzt mit Mitgliedsbündern ein Bier trinke oder eine mensur fechte ist völlig unerheblich. Beides verdeutlicht, dann auch in der Öffentlichkeit, dass ich weiterhin den Kontakt mit der DB halte und auch suche. Denn in beiden Fällen habe ich die Entscheidungsgewalt auf meiner Seite. Wenn ein Bund nicht den Schnitt mit der DB konsequent durchführt wird diese auf Dauer unglaubwürdig.
      Und dem Wbr Schmidt sollte es doch klar sein, dass für viele Bünder in der Reste-DB die Mensur ein Ausdruck einer bestimmten politischen Gesinnung ist. Stelle ich eine Mensur mit diesem Bund unterstreiche ich dies auch.

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      • „… die Mensur ein Ausdruck einer bestimmten politischen Gesinnung ist.“
        Das ist und bleibt Unsinn! Wer so etwas schreibt, hat doch von der Sache einfach keine Ahnung!

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  3. Jetzt kommen wir genau in das wachsweiche, wogende Wassersüppchen der Uni-Buxen. „Es könnte Bedeutung haben, man darf vermuten…“
    Mir gefällt die Haltung eines Waffenbruders,ein orthodoxer Jude, viel besser. Sinngemäß, weil lange her: „Warum soll ich mich um die politische Gesinnung meines Kontras kümmern. Wenn ich mit ihm fechte, zeige ich doch, dass die Waidhofener Beschlüsse nichts taugen und ich mich nicht vor ihm fürchte.“
    Da wird eine 10 (zehn!) Jahre alte Partie hochgekocht. Wenn ein Mitglied der B! Hilaritas eine Glockenpartie fechten will, ist das in Ordnung. Dafür einen Gegenpaukanten zu finden, ist aufgrund der Distanz nicht so einfach.

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    • @Monokel, wenn Thorsten Heise oder Tino Brandt oder Mario Brehme Sie morgen auf Glocke fordert? Was würden Sie tun, wenn Sie vor Ihren Bundesbrüdern nicht das Gesicht verlieren wollen und vielleicht immer schon mal auf Glocke fechten wollten?

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      • Warum soll man nicht mit den genannten Personen fechten? Für eine Partie benötigt man einen Gegenpaukanten. Der Ablauf ist durch den jeweiligen Comment geregelt. Inwiefern soll sich die vermeintliche oder tatsächliche politische Haltung eines Beteiligten für die Austragung der Partie von Relevanz sein? Ich bitte um Ihre konkreten Argumente. Bitte keine Verweise auf irgendwelche Drittseiten mit dem Bemerken, XY stufe Z als „was-auch-immer“ ein.

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    • @ Monokel,
      naja, wenn jemand dringend auf Glocke fechten will, fährt er in eine Unistadt mit Glockenkomment, also z.B. Leipzig, Dresden, Rostock? Greifswald? (fechten die auf Glocke?), erkundige sich vorher nach Adressen „schwarzer“ Kösener, besuche tagsüber die Sehenswürdigkeiten der Stadt und spaziere gen Abend um die schwarzen Corpshäuser rum (Thuringia/Leipzig, „Puffpreußen“/Greifswald). Kommt einer aus diesen Häusern heraus, dann laut und deutlich „ach, schon wieder so ein schwarzer dumme Junge“. Klappt immer. Ein Bbr. hat das sehr erfolgreich praktiziert, der wollte auch unbedingt einmal auf Glocke fechten.

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      • @ Otto Framm Die Puffpreussen in HGW sind schwarz? Das überrascht mich nun wirklich. Aber HGW ist wirklich sehr weit weg von Stuttgart und für einen Hilaren unerreichbar(der Spätzlegraben ist übrigens sehr tief).
        in HGW hätte man den jüdischen Corpiers (vom damals einzig ernstzunehmenden Corps) ansprechen können.
        @ BPA : ja, ich hatte mir das schon überlegt. Mein Konvent würde es mir aber nicht genehmigen. Es gibt durchaus einen Stuttgarter Korporierten, auf die ich auch auf Säbel oder Pistole herausgehen würde, wäre er nicht unzurechnungsfähig.

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      • @ Monokel,
        lt. Angaben eines schwarzen Curries in meiner Familie: ja.
        Stimmt, der „Spätzlegraben“ dürfte sehr tief sein. Der nieder-, oberdeutsche Sprachgraben ist es aber auch, siehe Harz – Hilaritas.
        Nur 1 Korporierter? Da haben Sie aber Glück. Ich kenne da mehrere. Leider, leider, leider sind das alles nur Wunschträume, die erst nach dem 10 Bier zur vollen Entfaltung gelangen. 😉
        Ansonsten muss ich @Bonner Buxe Recht geben. Aus Gründen der Glaubwürdigkeit des eigenen Bundes sind die Kontakte und somit auch PP´s zu solch eindeutig seltsamen Buxenbünden completto-tutto abzubrechen.

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  4. Nur zum Hinweis: grundsätzlich alles was östlich der Elbe liegt, ficht Glocke (also auch Greifwald). Ausnahme Rostock. Dort wird auf Korb gefochten. Komment ähnlich dem Hamburger.

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    • @anonym: Dumm nur, das Leipzig und Halle westlich der Elbe liegen. An „alten“ Universitätsstädten betrifft diese Regel heute also nur noch Berlin und Gryps. Zudem focht man ehedem zwar in Königsberg und Breslau ebenso auf Glockenschläger – in Danzig jedoch nicht….

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  5. Das ist ja mal der ziemlich einfältigste Blödsinn, den ich seit langem gelesen habe. Bei einer Mensur ist mir der politische, religiöse oder sonstige Hintergrund gelinde gesagt scheißegal. Ob man jetzt gegen einen Nazi, einen Linksextremen oder einen alkoholkranken Curry ficht, interessiert nicht die Bohne. Der durch und durch liberalen B! Hilaritas daraus einen Vorwurf zu machen, ist schlichtweg grotesk, zumal besagtes Ereignis 10 (!) Jahre her ist.

    Ich würde eher an der Person zweifeln, die mir einen Vorwurf daraus konstruieren würde, dass ich mit einen Jenenser Normannen, einen Raczek oder einen Hamburger Germanen gefochten habe, als mich auf Biegen und Brechen von irgendwelchen Bünden zu distanzieren, indem ich ihnen die Mensur aus weltanschaulichen Gründen verweigere.

    BPA leidet scheinbar nach seinen Erfahrungen mit seinen Exbund an einer Überkompensation, die er jetzt mit dumpf-antifaschistischen Unfug wie selbigen zu verbreiten getrachtet. Ich hab hier neben einigen gehaltvollen Beiträgen auch oftmals viel Blödsinn gelesen, der die klare Distanzierung von rechts mit einer unreflektierten Öffnung nach linksaußen überwindet. Auch das hat irgendwann noch wenig mit der FDGO zu tun, mein Lieber.

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