„Viele Zimmer sind leer“: WAZ-Porträt der DB-Burschenschaft in Bochum

plakat-eisenach-aktuell-demokratie-ohne-schriftIn Bochum dachte man sich bei der DB-Burschenschaft Arminia offensichtlich, dass man mal ein wenig PR mit einer Homestory versuchen sollte, um die Hütte danach mit Keilgästen aber so richtig voll zu bekommen. Ob sich der Nachwuchs nach dem WAZ-Porträt „Rechte Burschenschaften werben in Bochumg um Nachwuchs“ die Klinke in die Hand gibt? Die Zeitung porträtiert die besuchte Burschenschaft: „Die Villa am Steinring wirkt unauffällig, beinahe unbewohnt. Viele Zimmer sind leer.“ Begründung des Bundes: Renovierung.

Tabu für die WAZ beim Besuch sind auf Arminia-Anweisung die Nachnamen und der Keller (dort befänden sich nur „Privaträume“). Fotos gäbe es nur mit Genehmigung der Burschenschaft. Der Bund sehe sich selbst als „ein bisschen konservativ“. Die WAZ allgemein zum Thema: „Klar ist aber: Rechtsextreme in deutschen Burschenschaften sind keine Seltenheit.“

Nicht fotografieren durfte die WAZ ein Schild „Wehrdienstberatung“ über dem Kneipenraum. Viele Leute würden auf das Schild negativ reagieren, so die Begründung des Bochumer Bundes für das WAZ-Fotoverbot.

 

Echte rechte Keil- und PR-Profis beim DB-Bund 😉

 

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9 Antworten zu “„Viele Zimmer sind leer“: WAZ-Porträt der DB-Burschenschaft in Bochum

  1. ..Portrait einer DB-Burschenschaft, die auch in der IBZ mitmacht. Naja, vielleicht erträumen sich diese Bochumer Buxen, dass sich durch Offenhalten aller (Buxen)Türen der fehlende Nachwuchs durch brustbepanzerte Mehrbänderbrüder kompensieren lässt.
    Spott beiseite, dieser aus meiner Sicht recht oberflächliche, reisserische Presseartikel gibt jedoch das Kernproblem vieler Buxenbünde/Korporationen wieder: der fehlende Nachwuchs. Der pöhse „Otto Framm“ weist seit Beginn seiner „schriftstellerischen Tätigkeit“ bei BPA darauf hin, dass der Nachwuchsmangel mit ein Grund für das Vorhandensein rechtsextremer Exzesse bei etlichen Bünden ist unter der Devise: wir müssen nehmen was wir kriegen.
    Doch in der BPA-Buxenwelt herrscht darüber beredtes Schweigen.
    Das Beruhigende daran ist, dass sich viele der hier angesprochenen Probleme mit der Zeit von selbst regeln werden. Mein Mitleid darüber wird sich stark in Grenzen halten.

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    • @Otto Framm, wie Sie sehen wir den Mitgliedermangel in Burschenschaften als Achillesverse, die das Eindringen von Rechtsextremen erleichtert. Doch ist es der wichtigste Grund? Auch viele andere Korporationen klagen über Schwierigkeiten beim Keilen. Warum haben dann nur Burschenschaften das Problem mit der Aufnahme von Rechtsextremen und Corps, Sängerschafter, Landsmannschafter, CV, KV etc. in Deutschland nicht?

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      • Das ist sein sehr komplexes Thema. Natürlich leiden viele Nichtbuxen-Korporationen unter Nachwuchsmangel. Die Gründe hierfür sind von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Jegliche Verallgemeinerung würde zu Fehlschlüssen führen, vor allem jedoch den Rahmen dieses Blogs sprengen.
        Die besondere Anfälligkeit der Buxenbünde für rechtsextremes Gedankengut liegt einerseits in der Geschichte der Burschenschaften, andererseits an dem Allgemeinwahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“, wobei der Begriff „Vaterland“ nach allen Seiten auslegbar ist, wie die Geschichte der Burschenschaften das deutlich zeigt.
        Diese burschenschaftliche Geschichte ist nun einmal kein „Ruhmesblatt“, wie so gerne buxen-offiziell dargestellt wird, sondern ist sehr facettenreich, wobei die negativen Seiten (von Sand bis hin zu dem Buxenverhalten nach der Reichsgründung 1871 bis zum Ende der Weimarer Republik) gerne beiseite geschoben werden. (Etwaigen Kritikern sei hier gesagt, dass ich der Kürze wegen verallgemeinern muss. Ausnahmen bestätigen bekanntlich jede Regel).
        Diese Geschichte lebt natürlich (unterschiedlich stark) in den einzelnen Bünden. Kommt nun ein Keilgast (wie auch immer) auf ein Buxenhaus, schwärmt dort vom „deutschen Vaterland“ (was wieder hergestellt werden muss), von Ehr/Wehrhaftigkeit, Erhalt des „Deutschtums“ (was auch immer darunter zu verstehen ist), uvam, so liegt er zumindest + – auf einer Traditionslinie der Buxen. Manchem AH kommen nun rührselige Erinnerungen an seine Jugend, „der Mann ist doch recht ordentlich“ und schwupps! wird ihm das Band umgehängt (wir brauchen doch dringend Nachwuchs). Dabei wird jedoch vergessen, dass schwupps! mit dem Bandumhängen das Lebensbundprinzip inkraft tritt, und man diesen Typen ggfls. nur unter größten Schwierigkeiten wieder raus kriegt. Wie all das funktioniert konnte BSE täglich in den 60ern in Clausthal miterleben. Diese Burschenschaft gibt es Gott sei Dank dort nicht mehr. Bei uns läuteten jedoch alle Alarmanlagen, wenn solche Typen unser Haus betraten…..und raus mit denen!

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      • Es gibt auch Verbindungen anderer Verbände, die gravierende Probleme mit der Nachwuchsgewinnung haben. Auf das Beispiel eines Bundes, der aufgegeben und sein Vermögen liquidiert hat, wurde durch BPA hingewiesen.

        Ein Patentrezept für die Zukunftssicherung vermag ich nicht anzugeben. Sich in Politisierung zu flüchten, gar in die Nähe einer konkreten Partei (seien es braune Spinner oder Gruppen aus dem demokratischen Spektrum, es soll ja auch recht JU-lastige Verbindungen geben) bringt nichts. Denn Politisierung lässt der Vielfältigkeit in persönlichen Dingen keinen Raum, die ein Erfolgsfaktor für die Nachwuchsgewinnung ist.

        Die Burschenschaften werden sich fragen müssen, ob sie Verbindungen mit politischer Außenwirkung sein wollen – dann werden sie attraktiv für Spinner sein und im übrigen scheitern. Oder ob sie ihre jungen Mitglieder im burschenschaftlichen Geist erziehen möchten – dann haben sie eine Zukunft.

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  2. @ ungenannt bleibend:
    Was ist die Erziehung im burschenschaftlichen Geist? Das ist doch die berühmte Gretchenfrage. Jede Burschenschaft definiert sie anders. Sie darf auf jeden fall in keine bestimmte politische Richtung bzw. Farbe deuten. Ist die Burschenschaft eine reine Erziehungs- und Wertegemeinschaft? Dann kommen wir direkt zum nächsten Fragenkomplex der Werte. Welche Werte sollen wir nehmen. Reichen die Werte aus, die im Grundgesetz in den ersten 19 Artikeln (Grundrechte) festgeschrieben sind? Das würde jedoch wieder rückschließen, dass vielleicht damit das viel beschworene Vaterland „nur“ die Bundesrepublik Deutschland ist. Ich persönlich sehe das auch so. Aber ich weis, dass in manchen verbandsfreien B!B! einie Ressentiments dagegen vorherrschen. Der eine oder andere kann sich halt nicht von alten Zöpfen trennen.

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    • @Bonner Buxe: ist das nicht gerade die Frage, die der neue Verband beantworten muß? Was ist heute und morgen Burschenschaft jenseits von Politik? Muß der neue Verband nicht auch die Frage beantworten, ob ein Fokussieren auch wieder des neuen Verbandes auf Deutschland vielleicht etwas wenig sein könnte heutzutage und als Nachfolger der DB? Muss der neue Verband nicht europäisch ausgerichtet sein, sozusagen um die burschenschaftliche Idee des 19. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert auf europäischer Ebene weiterzuentwickeln? Einfach nur eine DB light mit D-Fokus ohne BG und mit mehr Service für Mitglieder aber weniger Politik – könnte das nicht etwas kurz gesprungen sein?

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      • @ BPA
        warum sollte nun gerade ein „neuer Verband“ definieren, was unter burschenschaftlichen Werten und Geist zu verstehen sei? Ist das nicht eine der primären Aufgaben jeder Einzelburschenschaft?
        Bestimmt das ein „neuerVerband“ und nimmt das in seine Verfassung auf, kann die Uhr danach gestellt werden, bis die sattsam bekannten Zustände der DB wieder vorkommen: ein RA (oder Ähnliches), der überprüft, ob Burschenschaft XYZ noch verfassungskonform ist, Strafanträge seitens anderer Burschenschaften, bis hin zu den inquisitorischen Fragebögen des Verbands über Themen und Gestaltung der „bA´s“.
        Intelligente Bünde habe diesen Quatsch längst hinter sich gelassen.

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    • Ich meine, dass kein Bund umhinkommt entsprechende Fragen für sich selbst zu klären.

      Die im Grundgesetz verkörperten Werte beruhen ideengeschichtlich auf den Forderungen der Burschenschaft auf dem ersten Wartburgfest. Eine Korporation, die damit Probleme hat, darf sich nicht Burschenschaft nennen.

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      • @ ungenannt bleibend:

        Jetzt lehne ich mich mal aus dem Fenster und behaupte: Das Wartburgfest war in der deutschen Geschichte die erste gesamtdeutsch ausgerichtete politische Veranstaltung, die für die damalige Zeit mit ihrer Forderung nach einem rechtsstaatlichen gesamtdeutschen Staat mit in einer Verfassung garantierten Bürgerrechten weit ihrer Zeit voraus war. Dass ein künftiges Regierungssystem eine parlamentarische konstitutionelle Monarchie sein sollte ist dem damaligen Zeitgeist zuzuordnen. Jedoch war dies mit dem Regierungssystem in Großbritannien damals bereits vergleichbar.
        Aber die erste gesamtdeutsche Forderung nach Rechtsstaatlichkeit, Bürgerrechten und Meinungsfreiheit auf deutschsprachigen Boden haben Burschenschafter geäußert.

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