Wegen NSU-Unterstützer-Buxe: Marburger Burschenschaft Arminia kritisiert Deutsche Burschenschaft

marke-burschenschaftEinige Daten haben sich Burschenschaftern ins Gedächtnis eingebrannt, da an diesen Tagen Dinge ans Tageslicht kamen, die vorher nur wenige für möglich gehalten haben. Ein solches Datum war der 15. Juni 2011, dem Tag als die in immer mehr Verbands-Burschenschaften um sich greifende Rechtsaußen-Ideologie im „Arier-Nachweis“ (Spiegel online) seinen ersten öffentlichen Gipfel erlebte.

Ein ähnliches Datum wird zwei Jahre später der 16. Juli 2014 sein. Der Tag, an dem öffentlich wurde, dass ein Verbands-Burschenschafter das mörderische NSU-Trio unterstützte, wie durch den NSU-Abschlussbericht des Thüringer Parlaments bekannt wurde.

Bislang halten sich Burschenschaften des Verbandes oder aus ihm ausgetretene Bünde zum Thema mit Kommentaren auf ihren Facebookseiten komplett zurück.

Nur eine Ausnahme gibt es in einem anderen Verband. Nicht mehr schweigen möchte die liberale Marburger Burschenschafte Arminia. Ihr Verband NeueDB hat in diesem Jahr das Motto „Meinung bilden, Meinung haben. Meinung sagen“.

Und so verbreitet die Marburger Burschenschaft Arminia ihr Entsetzen und verstärkt mit ihrer offenen Kritik den Druck auf die Deutsche Burschenschaft.

Hier die ungekürzte Pressemitteilung der Marburger Burschenschaft Arminia, die sie dem Blog BPA zur Verfügung gestellt hat:

 

„Marburger Burschenschaft Arminia entsetzt über Verbindung von Terrororganisation NSU und Burschenschaftern

Marburg 02.09.2014 – Mit Entsetzen und Abscheu hat die Marburger Burschenschaft Arminia zur Kenntnis genommen, dass im Abschlussbericht des thüringischen Parlamentes zur NSU erstmals ein Rechtsextremist, der Burschenschafter und stv. Leiter der Kameradschaft Thüringer Heimatschutz war, als einer von zehn NSU-Unterstützern eingestuft worden ist. Die Marburger Burschenschaft Arminia ist der Überzeugung, dass diese Perversion burschenschaftlicher Ansichten ihren Grund innerhalb des Dachverbands Deutsche Burschenschaft hat. Die frühere Vereinigung fast aller Burschenschaften („Deutsche Burschenschaft, DB“) hat seit mehreren Jahrzehnten konsequent bei Rechtsextremismus weggeschaut, Geschichtsrevisionismus Vorschub geleistet und nicht gehandelt, wo sie hätte handeln müssen.
 
Wir bitten die Öffentlichkeit darum, bei Burschenschaften zu differenzieren. Die Marburger Burschenschaft Arminia und auch andere mitgliederstarke Burschenschaften lehnen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit entschieden ab. Seit über 40 Jahren setzt sich die Marburger Burschenschaft Arminia für einen zeitgemäßen Umgang mit burschenschaftlichen Traditionen ein, was sie durch viele Taten immer wieder unter Beweis gestellt hat. Sie ist deshalb auch seit über 20 Jahren nicht mehr Mitglied der „Deutschen Burschenschaft“.“

 

 

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14 Antworten zu “Wegen NSU-Unterstützer-Buxe: Marburger Burschenschaft Arminia kritisiert Deutsche Burschenschaft

  1. Es gibt viele – recht fragwürdige – Bündnisse und Aktionen gegen „Rechts“ (gemeint immer Rechtsextremismus). Auch scheint in unserem Land Gewalt per se legitimiert zu sein, wenn sie sich vermeintlich gegen „Rechts“ auslebt. Darunter leidet dann die wirkliche Zivilcourage, wenn Burschenschafter sich gegen Rechtsextremismus wehren.
    Die DB war ein konstanter Totengräber der burschenschaftlichen Bewegung. Eigentlich sollten sich Burschenschaften heute mit Demokratieabbau, Freiheitsrechten, Europa, Hochschulpolitik…..beschäftigen und in der Mitte der Gesellschaft stehen. Stattdessen stehen sie im NSU-Bericht. Es ist eine Schande für den modernen burschenschaftlichen Gedanken in einer freien und aufgeklärten Republik.

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  2. Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass sich weitere Nicht-DB-Burschenschaften in ähnlich pointierter Weise zu Wort melden. Wie wäre es, wenn sich die weiteren Nicht-DB-Burschenschaften (speziell in Marburg) den Appell der Arminen zu eigen machen?
    Der von den DB-Mitgliedern seit Jahren latent und offen unterstützte Rechtsextremismus hat wirklich nichts mehr mit den Idealen der burschenschaftlichen Anfangszeit zu tun. Mörder, Hetzer, Lügner, Ideologen und Rassisten haben noch keine Gesellschaft voran gebracht aber schon einige in den Abgrund gezogen. Man sollte meinen, Europa hat genug Lehrgeld bezahlt.

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    • So honorig Ihre Vorstellungen auch sind, sie gehen an der Sache vorbei. Die paar rechtsextremen Buxen-Hampelmänner sind auch nicht andeutungsweise in der Lage, Deutschland oder Europa in den Abgrund zu stürzen, selbst wenn die gesamte „Resterampe DB“ dahinter stünde. Die Zeiten, in denen Korporationen eine Bedeutung, vor allem eine politische hatten, sind wohl endgültig vorüber, vorbei, passe´. Sie werden doch selbst in den Hochschulstädten nicht oder kaum mehr wahrgenommen. Das aufgeblasene Politgegacker einiger Buxen-Hampelmänner wird doch höchstens durch aufgeblasenes Politgegacker der Antifanten erwidert. Die Öffentlichkeit, selbst die universitäre, empfindet das, falls sie es überhaupt wahrnimmt, als Gegacker im Hühnerhof.
      Wir „alten Säcke“ sollten uns kritisch mit den althergebrachten Traditionen auseinandersetzen, Traditionen, die zu unseren Zeiten vielleicht noch eine gewisse Bedeutung hatten, jedoch heute unter völlig anderen Voraussetzungen obsolet geworden sind.
      Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen berichten, dass es einfacher ist, einem Studenten das Schlagen von Pflichtmensuren (incl. aller PP´s) zu erklären, als Sinn und Bedeutung von irgendwelchen Wahlsprüchen, vor allem „Ehre, Freiheit, Vaterland“ und ihren Folgen.
      Wir haben eine schwere Aufgabe vor uns. Entweder meistern wir sie, oder die Korporation geht zu Grunde. Der Letzte macht dann das Licht aus.

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      • „Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen berichten, dass es einfacher ist, einem Studenten das Schlagen von Pflichtmensuren (incl. aller PP´s) zu erklären, als Sinn und Bedeutung von irgendwelchen Wahlsprüchen, vor allem “Ehre, Freiheit, Vaterland” und ihren Folgen.“

        Traurig, aber leider wahr.

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        • @Bonner Buxe und @Otto Framm: mal eine provokante Frage: wenn es heute einfacher ist, einem heutigen Studenten und Buxen die PP als die Inhalte des Wahlspruches nahezubringen – wodurch unterscheiden sich diese PP-Buxen dann noch von Corps?

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      • @ Otto Framm: Ich gebe Ihnen völlig Recht. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man das eine tun und das andere nicht lassen sollte. Wenn aus einzelnen Burschenschaften heraus Terroristen gedeckt werden, dann ist das ein Thema, dem man sich ebenfalls stellen muss. Und zwar deutlich und öffentlich wahrnehmbar.

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      • @ BPA,
        Ihre Frage ist nicht provokant, sondern sehr realistisch. Die Antwort darauf aber auch: in gelebter Praxis unterscheiden sich Curries und Buxen kaum durch Wesentliches, und das seit Jahrzehnten.
        „Nachwuchsbeschaffung“, vulgo Keilarbeit: „wir bieten günstige Zimmer in Uninähe mit allem Pipapo, Mittagessen statt Mensa, Freundschaft, Lebensbund, Hilfen beim Studium und Spaß, uvam“. Themen der Vortragsabende: leicht austauschbar. „Komm zu uns, wir sind eine tolle Gemeinschaft“! tönt es aus allen Werbeauftritten, seien das Broschüren oder Internet, gleich ob Buxen oder Curries.
        Unterschiede? Ja, in Geschichte, gewissen Commentfuzzeleien, in Wahlsprüchen, die auf Prunkwappen die Stirnseite der Kneipe zieren (auch Curries haben solche, meist auf Latein, die kaum noch jemand versteht), Themen der Festrede auf Kommersen (wobei viele auf die Uhr sehen unter dem Motto: wie lange dauerts noch).
        Politisches Engagement als AH? Ich kenne gleich viele Curry- wie Buxen AH, die das unternehmen. Unterschied = Null!
        Das sind meine gelebten Erfahrungen aus über 50 Jahren Mitgliedschaft bei Buxen und Sohn eines Köseners.
        Wir Buxen sollten langsam mal aufhören, uns etwas vorzumachen.

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  3. 1. Handelt es sich bei dieser Burschenschaft um Normannia Jena, die meines Wissens nie in der DB waren!
    2. Ist es schon recht dreist da Bezüge zur DB herzustellen. Denn dann müsste man folgerichtig auch dazu erwähnen, das eben jene Normannen jahrelang immer wieder gern gesehene Hausgäste bei den Urburschenschaften(Arminia/Germania) waren! Die sollen ja nun die guten sein weil nicht DB, wenn ich das richtig verstanden habe.

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    • @Landser aus Jena: Zu Wohlleben finden Sie im Bericht, Seite 1792: „dd. Ralf Wohlleben – aktiver Unterstützer bei der Flucht und in der Illegalität
      Ralf Wohlleben begann seine neonazistischen Aktivitäten Mitte der 1990er Jahre bei der „Anti-Antifa Ostthüringen“ und später dem „Thüringer Heimatschutz“ (THS). In der Sektion Jena des THS gehörte er zur Führungsriege. Wohlleben galt als eine der entscheidenden Vernetzungsfiguren der militanten Neonaziszene zum rechtskonservativen Spektrum. Kontakte zu Burschenschaften, wie bspw. der rechten Burschenschaft „Jenensia“ aus der die spätere neonazistische Burschenschaft „Normannia Jena“ hervorging, pflegte er. …“

      Bei Tino Brandt finden Sie im Bericht nichts zum Thema Burschenschaft, aber um so mehr zu ihm.

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  4. Soweit die Burschenschaft aus Bayreuth erwähnt ist, steht im Bericht nur, dass diese Person bei der gewohnt habe. Nicht, dass er dort Mitglied war oder immer noch ist. Dazu wünsche ich mir doch weitere Informationen, ehe ich mir eine Meinung bilden kann.

    Dass jemand, der meint Burschenschafter zu sein, mit Schwerverbrechern gemeinsame Sache gemacht hat (oder vielleicht noch macht), finde ich alles andere als gut. Dessen Taten seinem Bund zuzurechnen ginge allenfalls, wenn dieser sie offen gut heißt oder zu dem, was in den Medien steht, schweigt. Letzteres ist in Bayreuth der Fall.

    Aber seine Taten Vereinen zuzurechnen, die in der DB sind, nur weil auch die Burschenschaft aus Bayreuth in der DB ist, heißt niemand gut.

    Was die Stellungnahme von Arminia angeht: natürlich ist jeder Burschenschafter – ob in DB, NDB oder verbandsfrei – peinlich berührt wenn man hört, dass jemand der in einer Burschenschaft oder irgendwie in deren Umfeld ist sich an solchen Terrortaten beteiligt hat. Aber gerade zur konkreten Beteiligung an den Straftaten steht im Bericht nichts. Weder im offiziellen Bericht, noch in dem „Minderheitenbericht“, der im Prinzip nichts anderes als eine politische Bewertung des allgemeinen Umfelds in Thüringen ist. Insofern stellt Arminia nach meiner Wahrnehmung durch ihre Erklärung eine Nähe her, die erst das Schaffen öffentlicher Distanz erfordert. Eine solche Nähe zu den Terroristen bestand nie und besteht nicht. Weder bei Arminia noch bei einer anderen Burschenschaft.

    Um es klarzustellen: Normannia Jena mag sich Burschenschaft nennen. Sie ist keine. Verbindungen, die sich auf Kontakte mit dem Verein einlassen, dürfen sich nicht wundern. Das gilt auch für Bayreuth. Deswegen bedarf es von dort einer Klarstellung, oder die in Bayreuth machen sich die politische Bewertung der Linken in ihrem Minderheitenbericht zu eigen. Schweigen geht im modernen Medienzeitalter nicht, zumal ja auch ein konkreter Name genannt wird.

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    • Man muss schon sehr „betriebsblind“ sein, um den Zusammenhang zwischen einzelnen Burschenschaftern, dem Dachverband Deutsche Burschenschaft und dem rechtsextremen Spektrum komplett zu leugnen. In dem Bericht steht, dass Herr Brehme bei der Burschenschaft Thessalia Prag zu Bayreuth wohnte und ganz allg, Aktivist in Burschenschaften war. In dem Abschlussbericht sind Burschenschaften noch an einigen anderen Stellen erwähnt.
      Fazit: Mal wieder Burschenschaften und Rechtsextremismus und wieder Haarspaltereien, wenn es um eine Antwort geht. Sollte man es gar nicht mehr leugnen können, wird man den Liberalismus (Stichwort Meinungsfreiheit) für sich entdecken. NPD-Burschenschafter? Kein Problem Meinungsfreiheit, wenn leugnen nicht geht.

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      • Hallo David,

        das hat mit „betriebsblind“ nichts zu tun, sondern mit dem Wunsch nach Klarheit. Ich will wissen, was Sache ist. Eben wegen Unterwanderungsstategien, wie sie ja von einem Herrn Schwab ausgearbeitet wurden – der in Bayreuth unter anderem wegen so was rausgeflogen ist.

        Bei einer Burschenschaft wohnend bedeutet nicht, dass jemand Mitglied ist. Insofern wäre eine Klarstellung aus Bayreuth notwendig. Welche konkrete Verbindung gibt es? Ich weiß es nicht, möchte es aber wissen.

        In welcher Burschenschaft war er „Aktivist“? Da passt im Bericht vom zeitlichen Zusammenhang her was nicht zusammen.

        Der Bericht – dieser von der LINKEN erstellte Minderheitenbericht – trieft dort, wo er mit Fakten nicht aufwarten kann, von politischer Bewertung. Das entwertet die Fakten, die ich mir präzisiert wünsche. Mehr nicht.

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