NSU-Bericht entlarvt mehrere Burschenschafter als NSU-Unterstützer

kitchenWas manche Experten und Burschenschafter geahnt haben, ist nun eingetreten: rechte Burschenschafter wurden als NSU-Unterstützer entlarvt.

Der Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses (Rubrik Sondervotum) des Thüringer Parlaments entlarvt unter den beschriebenen zehn als NSU-Unterstützer eingestuften Personen mehrere als rechte Burschenschafter. Zwei als Unterstützer Genannte – u.a. Thorsten Heise – waren schon durch andere Quellen als Mitglied bzw. ex-Mitglied einer pennalen Burschenschaft sowie Verbands-freien Burschenschaft bekannt. Der Dritte ist erstmals in Rahmen eines parlamentarischen NSU-Untersuchungs-Bericht mit vollem Personennamen sowie Namen einer Burschenschaft porträtiert.

 

Ein Burschenschafter schreibt uns dazu: „Das verschlägt einem ja die Sprache. Ich hatte so etwas immer befürchtet. Nun ist es eingetreten. Es darf nicht übersehen werden, daß durch derartige Vorgänge „die Burschenschaft“ in einen Generalverdacht hineingerät.“

Der NSU-Abschlussbericht ist öffentlich auf den Seiten den Thüringischen Parlamentes einsehbar, sodass jeder Interessierte die Details nachlesen kann: Link zum Bericht auf Web-Seiten des Thüringer Landtages.
 
Wir zitieren aus dem Kapitel „Unterstützer“ ab Seite 1808 im NSU-Abschlussbericht (Sondervotum). Die Stellen mit Burschenschafts-Zusammenhang sind fett gekennzeichnet:

„aa. Mario Brehme
 
Die „Anti-Antifa-Ostthüringen“ bzw. der „Thüringer Heimatschutz“ wurde durch Tino Brandt maßgeblich geleitet, sein Stellvertreter war Mario (Ralf) Brehme aus Rudolstadt. Zu diesem Eindruck kamen Ermittler bereits im November 1995. Zur gleichen Zeit gehörte Brehme zum engen Kameradenkreis um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt, Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben und beteiligte sich vielfach an gemeinsamen Aktionen beispielsweise Plakatierungen, Demonstrationsbesuchen und an diversen Anti-Antifa-Ostthüringen-Treffen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Zusammen mit u.a. Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe soll er am 10.09.1995 das Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Rudolstadt attackiert haben. Für den THS übernahm er verschiedene organisatorische Aufgaben, wie beispielsweise Materialbestellungen oder den Betrieb eines Postfaches. Brehme war jedoch bereits in den 90er Jahren auch in Bayern aktiv, am 29. Februar 1996 bspw. kontrollierten Polizeibeamt_innen mehrere Autos auf dem Weg zum neonazistischen „Hans-Münstermann – Gedenkmarsch“ im unterfränkischen Aschaffenburg. Auf dem Weg zum Gedenkmarsch befand sich neben Ralf Wohlleben, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und André Kapke auch Mario Brehme. Von November 1995 bis 1997 wurde gegen Brehme, Tino Brandt, André Kapke und weitere Personen wegen ihrer Mitgliedschaft in der „Anti-Antifa-Ostthüringen“ bzw. im THS wegen §129 StGB Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt, das Verfahren wurde am 10.11.1997 nach §170 StPO eingestellt. Laut dem Schäferbericht gab ein Zeuge in diesem Verfahren an, dass Brehme zusammen mit Tino Brandt jeden Freitag „Rechtsschulungen“ und „Jungsturmbelehrungen“ für die rechte Szene „in der schönen Aussicht“ in Saalfeld geleitet habe. In einer angefertigten Skizze ordnete er Brehme als Repräsentant für den Bereich Rudolstadt dem THS zu. Brehme war dem harten Kern des THS zuzurechnen.
Am 8. August 1998 reisten André Kapke und Mario Brehme mit „Bulgaria Airlines“ von Frankfurt/Main über Sofia nach Südafrika. Im Vorfeld erhielten die Sicherheitsbehörden davon Kenntnis und es bestand der Verdacht, dass das Trio mit nach Südafrika fliegen würde. André Kapke räumte im „NSU-Prozess“ am Münchener Oberlandesgericht am 21.11.2013 ein, dass er mit Brehme drei Wochen in Südafrika war und dort nach einem Unterschlupf für das flüchtige Trio suchte, u.a. beim extremen Rechten Claus Nordbruch.
Brehme besuchte damals wenige Tage zuvor den rechten Szeneanwalt Thomas Jauch. Bereits im Oktober 1997 war Brehme im Beisein von Andreas Rachhausen (TLfV-Gewährsperson „Alex“) wegen der bevorstehenden Kündigung des THS-Treffpunktes in Heilsberg bei Jauch und sagte damals zu, am 25. Oktober 1997 eine Rechtsschulung für Neonazis dort abzuhalten. Im September 2000 reiste Brehme dann mit André Kapke wegen des drohenden THS -Verbotes zu Jauch.
 
Vor dem Münchener Oberlandesgericht räumte der Rechtsanwalt am 8. Juli 2014 ein, dass Brehme Rechtswissenschaften studierte und bei ihm ein zweiwöchiges Praktikum absolviert habe. Andreas Rachhausen gab wenige Wochen später in München zu Protokoll, dass der zentrale THS-Treffpunkt, eine Gaststätte in Heilsberg als GbR durch die Neonazis Christian Dietzel und Mario Brehme betrieben worden sei. Die Polizei hob dort 1997 das bis dahin größte Waffenlager der rechten Szene aus.
 
Ab Mitte der 90er Jahre war Brehme in Burschenschaften aktiv. In einer Erkenntniszusammenstellung des Thüringer Verfassungsschutzes mit dem Titel „Hinweis vom 06.01.2000“ tauchte außerdem ein Vermerk auf, das Mario Brehme angeblich von „einigen Kameraden“ erfahren habe, dass ein Bereitschaftspolizist diesen erzählt hätte, die ‚drei Flüchtigen aus Jena‘ seien im Sommer 1999 auf Kreta erschossen worden“. Nach einem Vermerk im Schäferbericht wurde Brehme wie folgt beschrieben „überdurchschnittlich intelligent, gerissen und ruhig; er sei kein Gewalttyp, aber radikal in Denken und Agitation“, weiter hieß es „man gehe davon aus, dass Brehme von Personen im Hintergrund unterstützt werde“.
 
Jahre später zog der THS-Führungskader Mario Brehme während seines Jurastudiums bei der völkischen Burschenschaft „Thessalia Prag zu Bayreuth“ ein. …“. Weiterlesen im NSU-Untersuchungsbericht des Thüringer Parlamentes.

 

Weitere Informationen zu den drei Personen mit Burschenschaftsnähe und NSU-Unterstützer-Einstufung liefert das Fachportal ENDSTATION RECHTS.

 

Bereits 2012 wurde das Thüringer Heimatschutz-Personal im öffentlichen Teil des NSU-Untersuchungsausschuss von Zeugen vorgestellt. Wir zitieren außerdem aus einem öffentlich einsehbaren „Bericht aus dem NSU-Untersuchungsausschuss“:

„Bericht aus dem NSU-Untersuchungsausschuss

09.07.2012 Sonstiges

Im öffentlichen Teil der Sitzung am 09.07.2012 wurden die Zeugen

Norbert Wiesner (TLfV)
Karl Friedrich Schrader (TLfV)
Dr. Helmut Roewer (Präsident des TLfV a.D.)

vernommen.
Norbert Wiesner (TLfV)
Herr Wiesner war von 1993 – 1998 im Werbungsreferat der TLfV tätig. Vor 1993 war er im HessLfV ebenfalls im Bereich „Forschung & Werbung“ (F&W) beschäftigt. Nach seinem Weggang vom TLfV wechselte er in das TLKA in den Bereich „Verdeckte Ermittlung“ und dann in den Staatsschutz-Bereich.
Im Zuge seiner Werbungstätigkeit hat er im Jahr 1994 Tino Brandt als V-Mann angeworben. Für Tino Brandt statt Mario Brehme entschied man sich aufgrund dessen Wohnortes in Thüringen. Die Werbung wurde aufgrund der Heß-Aufmärsche und der Anti-Antifa Ostthüringen verstärkt. Als dieser angeworben wurde, war er noch keine Führungsfigur. Nach Angaben von Wiesner war dies Mario Brehme. Zum Zeitpunkt der Anwerbung habe die Anti-Antifa Ostthüringen noch keine klare Struktur gehabt. Jedoch traten Brandt und Brehme für diese nach außen auf. …“

 

Advertisements

Gerne können Sie sich mit einem Kommentar in die Diskussion einbringen. Motto: Farbe tragen heißt Farbe bekennen, heißt Namen nennen. So wie wir. Sonst no comment. Und aus gegebenem Anlass: Bitte bleiben Sie sachlich beim Kommentieren. Für den Inhalt der Kommentare sind die Kommentarschreiber verantwortlich. Und geben Sie sich einen eindeutigen Nickname, denn lauter "Anonyms" können nicht besonders gut miteinander diskutieren. Danke für Ihren Beitrag.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s