Replik auf: Rechte Burschenschafter fühlen sich vom Störungsmelder diffamiert

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Unser Artikel „Gefährliche Netzwerke – Neonazis in Burschenschaften“ für die Themenseite Störungsmelder von ZEIT ONLINE über die ganz Rechten in Burschenschaften stößt naheliegendeweise nicht auf Gegenliebe von rechten Buxen. Sie sehen sich „diffamiert“. Wir haben ihnen auf der Störungsmelder-Seite geantwortet:

„Als Autor des Artikels „Gefährliche Netzwerke – Neonazis in Burschenschaften“ möchte ich auf einige Kommentare zum Artikel eingehen, die typische Argumentationsmuster von rechten Burschenschafter zeigen. Erschüttert bin ich als ex-Burschenschafter, dass hier die selbsternannte rechte Elite unter den Buxen ganz heldenhaft anonym kommentiert. Auf dem Mensurboden würde das als Mucken gelten und mit Abfuhr enden, im normalen Leben gilt das als Feigheit. Erschüttert bin ich vom niedrigen Argumentationsniveau der rechten Buxen, die hier kommentieren. Kaum Einer widerlegt einen Satz des Artikels oder gar Argumentationslinien. Fast alle geben einfach eine Bewertung ab („diffamierend“), allerdings ohne diese Bewertung zu begründen. Was allerdings „diffamierend“ sein soll, wenn ich T. Heise und N. Weidner und Andere als extreme Rechte und als Burschenschafter porträtiere, ist mir schleierhaft. Beide wurden schon vom Verfassungsschutz porträtiert. Das der Verfassungsschutz nun Rechte diffamiert, wäre mir neu.

Indem die rechten Buxen die Fakten des Artikels nicht widerlegen, liefern sie eine Bestätigung des Inhaltes. Danke für die Bestätigung des Artikels – auch der Gefahr.

Die Gefahr durch extrem Rechte in Burschenschaften ist eine schleichende Gefahr, die nicht sofort erkennbar ist. Immer mehr rechte Burschenschafter unterrichten als Lehrer, sitzen in Parlamenten, schreiben als Journalisten, verwalten in Behörden, helfen Nazis als Anwälte.

Seit 2011 begegnet mir das Argument, als ex-Burschenschafter würde ich einen Rachefeldzug durchziehen. Ich war von 1988 bis 2012 Mitglied einer ehemals liberalen Burschenschaft, die seit 1999 in wenigen Jahren auf extrem Rechts gedreht wurde. Ich ahnte vieles und wusste manches, was sich in den Kellern abspielte. Doch als Korporierter war ich zu Beißhemmungen gegen andere Verbindungsstudenten erzogen. Das soll keine Entschuldigung für mein langjähriges Schweigen sein, aber eine Erklärung. Diese Beißhemmungen legte ich erst ab, als ich durch journalistische Recherchen erkannte, dass extrem rechte Burschenschafter nur extreme Rechte mit bunten Bändern sind und sich manchmal von Stiefelnazis nur durch den Anzug unterscheiden. Ich gründete eine Initiative und einen Blog, mit dem ich und Andere über extrem rechte Burschenschafter aufklären. Mit unseren Zielen sind wir von Anfang an offen umgegangen und haben sie auch öffentlich gemacht: wir wollen extrem Rechten in Burschenschaften die Handlungsfähigkeit nehmen, wir wollen die Plattformen von extrem Rechten in Burschenschaften publizistisch und politisch angreifen und zum Einstürzen bringen und wir wollen eine öffentliche Diskussion über Gefahren durch extrem Rechte in Burschenschaften anstossen und begleiten. Dies tun wir seit 2011.

Blog und Initiative erfreuen rechte Akademiker nicht. Die Burschenschaft schloss mich aus, andere forderten mich zum Selbstmord auf und wollten den Strick liefern. Norbert Weidner als mein ehemaliger Bundesbruder und das typische Symbol eines extrem Rechten in einer Burschenschaft tappte in eine juristische Falle von mir und zog mich vor Gericht, weil ich ihn einen extrem Rechten nannte. Das Gericht gab mir im Sinne der Meinungsfreiheit auf Basis des Grundgesetzes Recht. Gleichzeitig führte Weidner mit einer burschenschaftlichen Schutztruppe hinter Sonnenbrillen den vielen Journalisten beim Prozess und Burschenschaftern vor, dass rechte Buxen vielleicht doch nicht nur eine Art patriotischer Schützenverein in Anzügen sind, sondern mehr dahinter steckt. U.a. der Prozess beendete die Karriere Weidners im Verband, weil er damit und mit dem Prozess wegen Verunglimpfung des NS-Widerstandskämpfers Bonhoeffer unfreiwillig zeigte, wer er und weitere extrem rechte Burschenschafter wirklich ist und sind.

Seitdem es unsere Initiative gibt, hat sich der Dachverband als Plattform halbiert, drei Burschenschaften werden vom Verfassungsschutz beobachtet, in vielen Städten in Österreich und Deutschland baut sich eine Mauer von Lokalpolitik und Zivilgesellschaft gegen rechte Burschenschaften auf. Diese Entwicklung zeigt, dass die Öffentlichkeit zu begreifen beginnt, dass extrem Rechten in Burschenschaften ein Riegel vorgeschoben werden muss. Auf diesem Weg gehen wir weiter voran und freuen uns, dass sich auch der Störungsmelder von ZEIT ONLINE des Themas angenommen hat.

Christian J. Becker
(Leiter Initiative „Burschenschafter gegen Neonazis“ und Blogger des WatchBlogs über extrem Rechte in Burschenschaften „BurschenschafterPacktAus“)“

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