Interview: Dresdner Akademikerball schließt 34 BG-Burschenschaften aus

blitzeüberbraunbuxenkleinZum dritten Mal findet am 25. Oktober in Dresden der Akademikerball statt – mit einer bemerkenswerten Veränderung.
Der Veranstalter verweigert Personen die Teilnahme, die „rechtsextremistischen und/oder verfassungsfeindlichen Organisationen“ angehören oder nahestehen, wie er in seiner Einladung zum Ball schreibt, die unserem Blog vorliegt. Veranstalter ist die Gesellschaft zur Förderung Studentischer Kultur e.V. mit Ralf Prescher als Vorsitzendem. Der Veranstalter präzisiert die Ausschlussklausel im Interview (siehe unten) mit dem Blog BPA: unerwünscht sind „Mitglieder vom Verfassungsschutz beobachteter Bünde“ und „Vertreter von Mitgliedsbünden der BG“ sowie „Angehörige links- und rechtsextremer Vereinigungen und Parteien, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden“.

Demnach dürfen am Dresdner Akademikerball nicht teilnehmen: Mitglieder der vom VS beobachteten Burschenschaften Danubia München, Dresdensia-Rugia Gießen, Germania Hamburg, Chattia Friedberg zu Hamburg, sowie der 34 Burschenschaften der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) in der DB (davon allein etwa 20 Burschenschaften aus Österreich) etc. sowie Burschenschafter, die Mitglied von NPD, einzelnen pro-Parteien, Kameradschaften oder anderer Vereinigungen sind, die vom VS beobachtet werden.

Der Unvereinbarkeits-Beschluss des Dresdner Akademikerballs im Detail (auch online):

„Der Dresdner Akademikerball steht im Zeichen von Weltoffenheit, Toleranz und Demokratie. Personen, die extremistischen und/oder verfassungsfeindlichen Organisationen angehören oder diesen bekanntermaßen nahestehen, sind auf dem Dresdner Akademikerball unerwünscht!
Der Vorstand behält sich vor, Personen, die durch ein entsprechendes Verhalten auffallen, auch noch kurzfristig von der Teilnahme am Ball auszuschließen.“

Die Akademikerbälle in Wien und München (u.a. mit Danubia München) lassen ganz rechte Burschenschafter zu, der Dresdner Ball ist eine Ausnahme und schließt als erster Akademikerball rechte Buxen explizit aus.

 

Wir wollten wissen, wen der Veranstalter vom Dresdner Akademikerball im Detail ausschließt und warum. Und haben daher den Vorsitzenden Ralf Prescher vom veranstaltenden Verein GFSK interviewt. Hier seine Antworten:

Uns interessiert, wen Sie genau mit Ihrer Klausel ausschließen?

Ralf Prescher: „Als Interessengemeinschaft (ehemaliger) Dresdner Studierender und Korporierter sehen wir die Entwicklungen in der Deutschen Burschenschaft seit längerem mit einiger Besorgnis und sind keinesfalls gewillt, den Rechtsruck in selbiger unkommentiert hin zu nehmen oder ihm eine Plattform zu bieten. In diesem Sinne soll unser Ball auch nicht zum Schaulauf ewig gestriger werden. Daher hatten wir uns schon im vergangenen Jahr für besagte Ausschlussklausel entschieden. Ganz klar unerwünscht sind auf unserem Ball in diesem Sinne Mitglieder, vom Verfassungsschutz beobachteter Bünde und auch Vertreter von Mitgliedsbünden der BG wollen wir auf unserem Ball nicht haben. Das gilt im Übrigen genauso für Angehörige links- und rechtsextremer Vereinigungen und Parteien, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden – auch diese sind auf dem Dresdner Akademikerball unerwünscht. Davon abgesehen nehmen wir aber niemanden in Sippenhaft – auch nicht Angehörige anderer DB-Bünde, die etwa nicht der BG angehören.“

Warum genau schließen Sie diese Bünde aus?
Ralf Prescher: „Unser Ball jedenfalls stand, steht und wird auch nachhaltig im Zeichen von Weltoffenheit und Toleranz stehen und da gehören schlicht überlebte nationalistische oder chauvinistische Weltanschauungen, wie sie sich leider wieder in der DB Bahn zu brechen scheinen, genauso wenig hin, wie radikale und/oder extremistische Einstellungen gleich welcher (politischen) Couleur. Intoleranz müssen und werden wir nicht tolerieren und das erwarten wir auch von unseren Ballgästen! Das wollten und wollen wir mit unserer Ausschlussklausel deutlich gemacht haben.“

 

Glückwunsch zur Ausschlussklausel gegen ganz rechte Burschenschafter. Dresden reiht sich in die Phalanx immer weiterer Städte oder politischer Institutionen ein, die eine Mauer gegen rechte Burschenschafter hochziehen, wie Marburg, Jena, Wartburg Eisenach, Wien, Innsbruck, SPD, Bayerns Innenminister etc.

Dresden und Marburg zeigen zusätzlich, dass zunehmend auch der bürgerliche Mittelstand – früher eine sichere Bank für die rechten Verbandsbuxen – nicht nur auf Distanz zum rechten Buxenverband geht, sondern diesen gleich rauswirft.

Die gesellschaftliche Ächtung von rechten Burschenschaftern durch die demokratischen Gesellschaft nimmt immer weiter zu. Ihnen bleibt dann nur noch die rechte Wagenburg, in der sie dann immer weniger Hemmungen haben – wie beispielsweise das Posieren eines Burschenschafters in NRW mit Hitlerporträt zeigt, gegen den der Essener Staatsanwalt ermittelt. Oder wie die Warnung des Hamburger Verfassungsschutzes vor der Burschenschaft Germania zeigt.

Auf diesem Weg werden rechte Burschenschafter und Burschenschaften immer mehr zum Fall für die Behörden. Eine konsequente Entwicklung, die wir seit Gründung der Initiative „Burschenschafter gegen Neonazis“ mit Informationen bloggend begleiten.


 

 

 

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Eine Antwort zu “Interview: Dresdner Akademikerball schließt 34 BG-Burschenschaften aus

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