Rückblick 20 Jahre DB: Von Kohls Mitte zu AfD-Englers rechter Minderheit

logo-debeadeWelchen Weg die Deutsche Burschenschaft in den letzten fast 20 Jahren gegangen ist und wo sie heute in der Demokratie positioniert ist, zeigen zwei Aussagen von Politikern im Vergleich. Und zwar vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl in 1995 und vom AfD-Politiker sowie jetzigen DB-Sprecher Gordon Engler in 2014. Die beiden Statements und weitere Sätze symbolisieren den Weg von der bürgerlichen Mitte an den Rand als rechte Minderheit. Kohl sah die DB in der Mitte, Engler bestätigt die Attraktivität von Burschenschaften für „junge Menschen“, die „ein bißchen sehr rechts in ihren Ansichten sind“ – man wolle diese „nicht ausgrenzen“.

1995 attestierten Helmut Kohl und die Bundesregierung der Deutschen Burschenschaft: „Auf die Einladung der Deutschen Burschenschaft an Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hin hat das Bundeskanzleramt den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Bernd Neumann, gebeten, den Termin für die Bundesregierung zu übernehmen. Die Bundesregierung hält die Deutsche Burschenschaft für eine wichtige gesellschaftliche Gruppe.“

2014 antwortete Gordon Engler, Burschenschaft Cheruscia Dresden, Sprecher der DB und AfD-Stadtrat im Interview mit dem Deutschlandfunk auf die Reporterfrage, „warum Burschenschaften Rechtsextreme anziehen“: „Sie müssen auch bedenken, dass viele junge Menschen, die auch gerade über die Berichterstattung, die durch die Medien vonstatten geht, der Meinung sind, eine Burschenschaft ist genau das, wo wir hinwollen. Also angenommen, das sind irgendwelche jüngeren Menschen, die halt ein bißchen sehr rechts in ihren Ansichten sind, man kann sie nicht ausgrenzen, nur weil sie eine Meinung haben, die vielleicht von der großen Mehrheit der Gesellschaft problematisch gesehen wird. Wenn wir sie ausgrenzen würden, würden wir im schlimmsten Fall halt diese Neigungen zementieren.“ (Zitate, soweit verständlich).

Auf die Entwicklung in der DB reagierten Bund und das CDU-geführte Land Thüringen. Als Mitglieder des Wartburg-Stiftungsrates deklassierten sie die Deutsche Burschenschaft mit den Attributen „nicht mehr akzeptabel“ und „nicht mehr repräsentativ“ und verboten ihr das Weltkulturerbe für einen Festakt.
Auch Medien von links bis rechts haben eine ähnliche Meinung. Die taz stuft die DB als „extrem rechts“ ein. Die FAZ als bürgerlich-konservatives Medium, empfahl den Austritt aus dem Verband. Selbst die rechte Zeitung Junge Freiheit sieht die DB in der „rechts-reaktionären Ecke“.

In nur zwanzig Jahren hat die DB den Weg von Kohls bürgerlicher Mitte zu Englers rechter Minderheit genommen. Der Weg war mit dem Masterplan des NPD-Chefideologen Jürgen Schwab von 1996 vorgezeichnet. 2014 ist der Weg vollzogen, was dazu führt, dass drei Burschenschaften vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

 

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