Burschenschafterverband in Gründung hört auf „rechtskonservativen Think Tank“-Redner

plakat-eisenach-aktuell-demokratie-ohne-schriftMitte Juni trafen sich Burschenschafter – viele davon ehemals in der DB – zur 3. Tagung, um die Gründung eines neuen Verbandes vorzubereiten. Manche  Gründer scheinen sich politisch und gedanklich noch im Fahrwasser des alten Verbandes zu bewegen, wie die Verantwortlichen für die Rednereinladungen zeigen. Im Rahmenprogramm der Tagung präsentierte die Veranstaltung auf dem Haus einer Braunschweiger Burschenschaft gleich vier Redner auf DB-Niveau (die auf der Seite Wir-sind-burschenschaft.de aufgeführt sind):

Prof. Harald Seubert, Präsident des Studienzentrums Weikersheim: Weikersheim gilt als „unionsnah“ und als „rechtskonservativer Think Tank“. 2010 war es Thema im Bundestag wegen eines Redners, den der Verfassungsschutz als „internationale Größe des Rechtsextremismus“ einstufte. Seubert suchte laut Medien 2012 nach neuen Mitgliedern, um dem „gemeinsamen Anliegen neuen Esprit zu geben“. Ein Programm mit einer Definition des „modernen Konservatismus“ solle „Fundament und Richtschnur unserer weiteren Arbeit bilden“. Unter „modernem Konservatismus“ versteht das „Studienzentrum“ in den mittlerweile veröffentlichten 10 Weikersheimer Thesen u.a. Positionen wie Stärkung der „Mutterschaft“; „christliches Fundament“; gegen Abtreibung; „Gesellschaft ist auf dem Weg zu einer Multiminoritätenstruktur, in der das zum Überleben notwendige kulturelle Zentrum zu verschwinden droht“; die Politik sei nicht ermächtigt, „das deutsche Volk gegen eine beliebig andere, neue Bevölkerung auszutauschen“; „Gedanke der Nation wieder in den Mittelpunkt einer breiteren und historisch tieferen intellektuellen Reflexion zu rücken“.

Carlos A. Gebauer, Autor für „eigentümlich frei“: Netz gegen Nazis charakterisiert EF mit den Worten: „Demokratischen Anschein erwecken, aber darunter Rechtsaußen-Positionen verbreiten – eine klassische Querfront-Strategie.“ Gebauer schreibt für EF beispielsweise über „Schwulenquoten“ als „Heterosexulalitätsbegrenzungsgesetze“.

Vera Lengsfeld, ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete: Lengsfeld ist Autorin für „eigentümlich frei“ und „Preußische Allgemeine Zeitung“. 2004 hielt sie einen Vortrag bei der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks. Vor einem Jahr fiel sie als CDU-Mitglied auf, weil sie die AfD unterstützte.

Armin Paul Hampel, Vorsitzender AfD Landesverband Niedersachsen: vom ehemaligen ARD-Korrespondenten sind Sätze durch einen Zeitungsbericht kolportiert wie: „Zuwanderung hört auf, wenn die Identität einer Nation bedroht ist“; Russlands Präsident Wladimir Putin sei im Gegensatz zu „den anderen, die sonst so in dem Land herumlaufen, harmlos“; Hampel äußerte seine Bewunderung für den Volksentscheid der Schweizer, die kürzlich für eine Begrenzung der Zuwanderung gestimmt hatten. „Wo ist in Deutschland die Grenze?“, fragte Hampel, „dieses Thema ist in den Herzen der Menschen, doch wenn man darüber spricht, wird man gleich in die rechte Ecke gestellt.“

 

Bisher hat sich der Verband vor der Gründung mit politischen Statements zurückgehalten. Die Redner der Braunschweiger Veranstaltung sind ein deutliches Statement, wohin die Reise gehen könnte. Vielleicht ist Braunschweig aber auch nur ein einmaliger Versuch. Nimmt der neue Verband jedoch die Braunschweiger Richtung, wird er vermutlich ein ähnliches Schicksal wie der alte Verband vor sich sehen können. Auch medial.

„DB-light-Praline mit weißem Schoko-Überzug zur Tarnung“ könnte eine problematische Strategie werden.

 

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