Arminia Marburg stuft neue DB-Vorsitzende Germania als „rechtsradikal“ ein

logo-burschenschafter-gegen-neonazisEinige – wenige – Burschenschaften positionieren sich offen gegen den Rechtsruck in der DB und gehen auch aktiv dagegen vor. Die liberale Burschenschaft Arminia Marburg gehört zu den wenigen aktiven Bünden gegen rechte Buxen. Sie hatte vor einem Jahr mit einem offenen Brief für Aufsehen in der Buxenszene gesorgt – indem sie Bünde zum DB-Austritt aufforderte. Momentan leitet sie als Vorsitzende den liberalen Dachverband Neue DB.

Zahlreiche Burschenschafter von liberal bis ganz rechts bezeichneten Arminia in Foren wegen des Briefs als „Nestbeschmutzer“. Ein Burschenschafter eines aus dem alten Verband ausgetretenen Bundes kommentierte, der Brief sei doch nur an Marburger Linke gerichtet, bei denen man sich einschleimen möchte. Dieser Buxe wollte eine Politikerkarriere starten. Ähnlich sieht den Brief ein weiterer Buxe, ebenfalls von einem ausgetretenen Bund, der von „Peinlichkeit“ spricht und der Arminia vorwirft, sie wolle sich nur auf Kosten Anderer profilieren. Dieser Buxe startete eine Karriere nahe bei Gott. Ein weiterer Burschenschafter bezeichnet Arminia wegen des Briefs als „witzige Kerlchen“. Sein Bund hat Probleme mit dem Verfassungsschutz.

Nun hat die Arminia trotz Widerstand aus Buxenkreisen nachgelegt und in einem TV-Beitrag des Senders RTL die neue DB-Vorsitzende Germania Marburg wegen rechter Tendenzen kritisiert. Der Arminia-Altherrenvorsitzende Ule Franzen bezeichnet Mitglieder der Germania als „deutschnational“ und „rechtsradikal“. Er werfe der Germania vor, dass sie „nur Studenten aufnehme, die deutsch bis ins Mark sind“. Auch für den RTL-Beitrag wird Arminia in der Korporationsszene kritisiert. Man dürfe „eine andere Verbindung im Fernsehen“ nicht „anschwärzen“, „egal aus welchen Gründen“, heißt es in Foren.

Auch Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel sehe die Germania kritisch, berichtet RTL. Er empfinde es als Provokation, dass die Germanen rechtes Gedankengut in die Unistadt bringen. Die Referenten der Germania seien deutlich dem rechten Lager zuzuordnen. Vaupel verdeutlicht: „Wir in Marburg sind nicht stolz auf Burschenschaften, die dem deutschen Burschenschaftstag angehören, so auch die Germania. Aber wir machen durch unsere Politik deutlich, dass sie isoliert sind in Marburg.“ Auch Politikwissenschaftlerinnen wie Dr. Alexandra Kurth sehen es mit Sorge, dass einige Burschenschaften politisch radikaler werden, so der RTL-Bericht. (Link: RTL-Beitrag 13.6.14 „Phänomen Burschenschaft„)

Germania Marburg verweigerte RTL ein Interview zu den Vorwürfen.

 

Advertisements

4 Antworten zu “Arminia Marburg stuft neue DB-Vorsitzende Germania als „rechtsradikal“ ein

  1. Uns erreichte ein kritischer Hinweis eines Burschenschafters zu dem Artikel. Er wirft uns vor, wir würden „jetzt auch liberale Burschenschafter mit Schmutz“ bewerfen. Wir haben im Artikel einige Reaktionen von Burschenschaftern, die sich liberal nennen, auf den offenen Brief von Arminia skizziert. Diese finden es nicht gut, dass Arminia den Rechtsruck der DB offen kritisiert. Wir finden diese Kritik an Arminia typisch für manche Burschenschafter, die sich als liberal bezeichnen. Wenn die mit ihrer Kritik an Arminia Dargestellten dies als „mit Schmutz bewerfen“ sehen wollen, sei ihnen diese Interpretation natürlich freigestellt. Unsere Absicht ist es nicht, liberale oder auch konservative Burschenschafter mit Schmutz zu bewerfen. Wir klären über ganz rechte Buxen auf und zeigen den Umgang von liberalen und konservativen Burschenschaftern mit dem Rechtsruck ihrer Verbands- oder Waffenbrüder auf. Vielleicht hilft einfach mal ein Gespräch zwischen den sich kritisiert fühlenden Buxen und Arminia, die Ersteren ihren Umgang mit dem DB-Rechtsruck erläutern können. Vielleicht kann mancher ex-DBler dabei noch etwas für den neuen Verband lernen.

    Gefällt mir

    • Es würde den Burschenschaftern aus den sich selbst gerne als „liberal“ bezeichnenden DB-Austrittbündern ab 2011 gut zu Gesicht stehen wenn sie
      a) den „Offenen Brief“ der Arminen unvoreingenommen lesen und
      b) nicht länger „Ursache“ und „Wirkung“ in Zusammenhang mit der Germania Marburg verwechseln würden.
      Nicht die Arminen sind zu kritisieren, sondern die seit Jahrzehnten einschlägig bekannten und aktiven Germanen (und in Teilen auch die Marburger Rheinfranken).
      Die selbstgewählte „Opferrolle“ zieht schon lange nicht mehr. Erst recht nicht bei wahrhaft liberalen Burschen. Statt verbaler Prügel haben die Arminen lautstarke Solidarität verdient.
      Die im Offenen Brief genannten Zu- und Umstände treffen leider vollumfänglich zu. Wer darin eine Anbiederung an „die Linken“ sieht, scheint eine Sehschwäche auf dem rechten Auge zu haben. Die Wahl der Burschenschaft Germania Marburg zur neuen Vorsitzenden der DB bestätigt doch nur zu gut die Einschätzung der Marburger Arminen. Müssen die Germanen erst Armbinden tragen? Die in den 30er Jahren so chicen Reiterhosen hatten dort schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begeisterte Neo-Fashionista gefunden. Nur zur Provokation oder als bewusste Attitüde? Dreimal dürfen Sie raten.

      Gefällt mir

  2. Reiterhosen? Nein das waren Knickerbocker. Ja und? iEnde der 80er war ich auch in MR aktiv, und da kamen Leute vom Wandervogel zur Germania. Im Waffenring trugen auch Landser oder Currys gern mal Knickerbocker. Die Germanen hatten 89 übrigens in MR eine Demo für die Wiedervereinigung organisiert. Das war seinerzeit sehr bewegend und führte in der Folge dazu, daß Waffenstudenten mehrerer Bünde sich zur Montagsdemo nach Leipzig aufmachten.

    Gefällt mir

  3. Das Verhältnis zwischen Arminia und Germania in Marburg war schon in den 90er Jahren ziemlich vergiftet. Nach meinem Eindruck war dies weniger auf inhaltliche Themen zurück zu führen, sondern auf persönliche Animositäten. Daran dürfte sich bis heute wenig geändert haben. Vorurteile als bestätigt anzusehen, weil sich Leute nicht mögen und das irgendwie inhaltlich zu begründen versuchen, finde ich weder akademisch noch gut.

    Gefällt mir

Gerne können Sie sich mit einem Kommentar in die Diskussion einbringen. Motto: Farbe tragen heißt Farbe bekennen, heißt Namen nennen. So wie wir. Sonst no comment. Und aus gegebenem Anlass: Bitte bleiben Sie sachlich beim Kommentieren. Für den Inhalt der Kommentare sind die Kommentarschreiber verantwortlich. Und geben Sie sich einen eindeutigen Nickname, denn lauter "Anonyms" können nicht besonders gut miteinander diskutieren. Danke für Ihren Beitrag.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s