Augenzeuge: Bomben-Gesänge im Brunnenkeller bei Burschentag

logo-debeadeDer Politologe Dr. Bernhard Weidinger von der Uni Wien, Spezialist für rechte Burschenschaften, hielt auf der Eisenacher Tagung der Landeszentrale für politische Bildung einen Vortrag über Rechtsextremismus und Dt. Burschenschaft.

Über seinen Eisenach-Besuch veröffentlicht er einen Erlebnisbericht. Er schreibt über rechte Gesänge am 12.6. im Brunnenkeller. Burschenschafter hätten das Wehrmachts-Lied „Bomben auf Engeland“ angestimmt. Auch das Verherrlichungs-Lied über Kriegsverbrechen „Auf Kreta“ habe er gehört.

Weidinger wird auch unfreiwillig Zeuge von Gesprächen von DB-Burschenschaftern mit einem Verbandsfunktionär. Er hört und beschreibt: „klamme Finanzen und kein überzeugender Plan, wie dem beizukommen sei; die Volkstumsarbeit engagiert, aber ineffektiv; der Wiener Funktionär xy: ein Wichtigtuer; die Hochschulen an Fühlung mit “ihren” Burschenschaften denkbar uninteressiert und die Studenten in Zeiten Bolognas zu pragmatisch; der ständige Gegenwind durch Antifa und Medien zehrt an den Nerven, und auch der Massenexodus der letzten Jahre hat, trotz aller hoffnungsfrohen Parolen nach außen, die Moral vieler Verbandsbrüder schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Verein der Freunde der DB, der einzelne Burschenschafter in ausgetretenen Bünden an den Verband binden soll, kommt nicht recht in die Gänge.“

Weidingers Fazit zum Brunnenkeller und Burschentag: „In vergangenen Jahren sorgten Vorfälle wie diese immer wieder für Streit an und zwischen Burschentagen. Ob in der weitgehend auf ihren völkisch-fundamentalistischen Kern eingedampften DB hinreichend Kräfte verblieben sind, die an solchem Verhalten und der dahinterstehenden Geisteshaltung Anstoß nehmen, wird sich weisen. Thüringen wird jedenfalls bis auf weiteres ein heißer Boden für Debatten um die Burschenschaften bleiben – schon allein aufgrund der anstehenden Jubiläen 2015 (200 Jahre Jenaer Urburschenschaft) und 2017 (200 Jahre Erstes Wartburgfest). Es hat nicht den Anschein, als würde die Bespielung dieser physischen und symbolischen Erinnerungsorte den Burschenschaftern allein überlassen bleiben.“

Link zum Bericht von Dr. Bernhard Weidinger, Universität Wien, auf dem Blog der Wissenschaftlergruppe FIPU. Er twittert auch über Burschentag etc. unter @bweidin.

Seine 600-seitige Studie und Promotionsarbeit über Burschenschaften in Österreich erscheint in den nächsten Monaten – Titel „Ideologie und politische Praxis akademischer Burschenschaften in Österreich nach 1945.“ Vom Bundespräsidenten hat er dafür eine hohe Auszeichnung  erhalten.

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8 Antworten zu “Augenzeuge: Bomben-Gesänge im Brunnenkeller bei Burschentag

  1. Äusserst beruhigend, dass dem Ösi-Politologen Weidinger diese Erkenntnisse schon im Jahre des Heils 2014 zufallen, obwohl die seit Jahrzehnten an der „Quelle des Übels“ sitzen. Andere, auch Buxen, meist ohne ösi/bayrischen Akzent und überwiegend keine Politologen, wussten das schon wesentlich früher.
    Anstatt hier Abgesänge oder eine vorgezogene Leichenschau zu starten, sollte er sinnvollerweise analysieren, warum überwiegend jene mit ostmärkischem Akzent sprechenden Menschen, meist rk-Konfession, so anfällig für derartigen ideologischen Schrott sind.

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      • @ BPA-Buxen, das Interwiew habe ich gelesen, es bezieht sich fast ausschließlich auf österreichische Verhältnisse. Buxenrechtsruck, seit wann? 200X? Oder vielleicht schon 50 Jahre früher? Könnten es auch 100 Jahre sein? Ich befürchte nämlich, dass dies der Fall ist, ohne Politologe zu sein. Ich bin seit über 50 Jahren Buxe und hatte das unendliche „Vergnügen“ die Burgers und Konsorten persönlich zu erleben. Vielen Buxen, so auch mir, ist doch schon damals die Spucke beim Anhören dieses verquasten, kriminellen Geschwätzes weggeblieben. Wie schon geschrieben: „nicht mal mit der Feuerzange….“
        Auf eine einleuchtende Erklärung eines „warum“ warte ich bis heute. Weidinger liefert sie nicht.

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  2. Das haben wir dort früher auch gesungen. Als Buxe im Brunnenkeller macht das doch Spaß. Das sollte man nicht immer so ernst nehmen. Man ist doch nicht gleich Nazi, wenn man unter sich im passenden Gewölbe die Lieder der Großväter singt ….
    Schäbig wirds erst bei Bomben auf Israel….

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    • @hwo Vielen Dank, dass Sie die Vorurteile gegen Burschenschaften aus erster Hand bestätigen! War ja nicht alles schlecht, damals, gell?

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    • @hwo Folgte denn aufs Kreta-Lied noch das Panzergrenadierlied und Hinter den Bergen als Höhepunkt des bluttriefenden Vergangenheitsrausches?

      Aber wie passt denn diese Fokussierung aufs Thema Stolz mit der Aufnahme der 8-Mann-Erinnerungshumpen-Truppe zusammen? Klaffen historischer Wunsch und heutige Wirklichkeit nicht etwas auseinander?

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    • Es sind das nicht die Lieder der Großväter. Leider war ich auch einmal Zeuge eines derartig dummen Verhaltens der Buxen in ESA. Dieses hat mit den Traditionen und dem Erbe der Burschenschaft nicht das geringste zu tun. Im Gegenteil es werden Lieder aus einer Zeit gesungen, in der die Einzelburschenschaften und insbesondere diejenigen, die auf ihre Autonomie wert gelegt haben verboten und mussten sich letztlich auflösen. Was soll also an dieser Zeit aus burschenschaftlicher Sicht toll gewesen sein. Und was daran Spaß machen soll, kann ich weder nachvollziehen noch verstehen. Außer, dass man sich gegenseitig ja so toll findet, ist doch genauso minderbemittelt, wie der vorsätzliche Gesetzesverstoß (z.B. Ladendiebstahl) bei weniger gebildeten Jugendlichen. Auch dieses geschieht oftmals nur, um sich vor und mit den anderen in der Gruppe „ach so toll“ zu finden. Leider ist weder ein Ladendiebstahl noch das Absingen der genannten Lieder oder auch das zeigen des Grußes ein dummer Jugenstreich.

      Ich bin zwar ein Buxe, aber ich habe mich schon zu meiner Aktivenzeit immer gefragt woher die Rechtsbuxen diese dummen Lieder überhaupt kennen – muss also doch mehr dahinter stecken, da man sich ja offensichtlich mit diesen Texten/Liedern auch befasst haben muss.
      Insgesamt: gruselig und abstoßend. Gott sei dank muss ich nicht mehr nach ESA.

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  3. @Anonym „Ich bin zwar ein Buxe, aber ich habe mich schon zu meiner Aktivenzeit immer gefragt woher die Rechtsbuxen diese dummen Lieder überhaupt kennen“ So weit mir bekannt, wurden diese Lieder noch sehr lange in der Bundeswehr weitergegeben (offiziell) und (inoffiziell) in der NVA. Eines kommt hinzu: diese Melodien sind musikalisch eingäng, um sie, aber nicht um die Texte (!) , wäre es schade. Luther hat dieses Problem einmal mit den Worten gelöst: „Der Teufel soll nicht alle schönen Melodien für sich haben“ und neue Texte auf die alten Melodien geschrieben. Also wo sind die Dichter für neue Texte?

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