Interview: Nicht alle Burschenschafter über einen Kamm scheren

logo-burschenschafter-gegen-neonazisVor dem Burschentag in Eisenach veröffentlicht die Thüringische Landeszeitung ein Interview mit unserer Initiative.

Hier ein Auszug: „Man darf nicht alle Burschenschafter über einen Kamm scheren. Es gibt vermutlich etwa 1.000 ganz rechte Burschenschafter in Deutschland – bei etwa 20.000 Burschenschaftern insgesamt. Die meisten von ihnen pflegen liberale oder konservative Werteinstellungen. Deshalb ist die Burschenszene auch tief gespalten: in einen liberal-konservativen Flügel und einen rechten bis sehr rechten Flügel. Die Burschen, die nach Eisenach kommen, gehören eher zu Letzterem.“ (TLZ, Print)

 

 

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10 Antworten zu “Interview: Nicht alle Burschenschafter über einen Kamm scheren

    • Was sind „ganz rechte“ Burschenschafter. Solche, die echte NPD-Fans sind oder noch rechts davon? Die Hardcore-Nazis sind deutlich weniger. Da kann man vielleicht von 100 ausgehen, der Prozentsatz unter allen Burschenschaftern liegt unter dem Prozentsatz in der allgemeinen Bevölkerung.

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    • Die DB hat bislang noch 40-50 Bünde in Deutschland, die dem Rechtskurs die Treue halten. 20 – 25 Rechte pro Bund als Sperrminorität gegen einen Austritt aus der DB, ist das unrealistisch? Oder ist das nicht eher deutlich zu niedrig gegriffen?

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      • Mit etwas „gemeinen“ Hintergedanken kann man diese Betrachtung noch weiter führen.
        Die meisten jener „IBZ-Burschenschaften“, heldenhaft zwischen 2011 – 2014 aus der DB ausgetreten, haben doch ca 20 Jahre (nach der 1. großen Austrittswelle) das DB-Affentheater brav mitgespielt, schlimmer noch mitfinanziert. Konnten die etwa auch wg. vorhandener Sperrminorität nicht früher austreten? (Ich vermute zwar dass nicht, aber immerhin). Wäre das so gewesen, könnte man gut und gerne noch weitere 1.000 Ultrarechte hinzurechnen. Oder sind die mittkerweile alle sanft im Herrn verschieden?

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      • Ich gestehe, das hat mich auch verblüfft. Aber vielleicht kann der Blogbetreiber dazu berichten, er war ja ungefähr in jenen Jahren aktiv, und damals war sein Bund ja noch nicht auf rechts gewendet. Was sprach in den späten Neunziger Jahren für einen Verbleib in der DB?

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        • @Roger: Schon damals versuchten die Aktiven mehrfach, den Verband zu verlassen, sind aber am Votum der AHs gescheitert. Deren Argument für den Verband: ich treffe meine Kumpels beim VAB-Stammtisch. Wenn wir nicht mehr im Verband sind, dann kann ich nicht mehr zum Stammtisch. Die Austrittsbemühungen wurden von den Aktiven immer nach Burschentagen intensiviert, wenn diese noch vom Aufeinandertreffen einmal pro Jahr mit Ösi-Buxen mit Scheiteln und Schnäuzer und Holocaust-Relativierungen geschockt waren. Aber die AHs mit ihrem Stammtischen waren stärker. Der Verband spielte damals aber auch noch nicht die Rolle wie heute mit seinen heutigen Vorgaben. Man hatte eigentlich nur bei Pflichtveranstaltungen wie z.B. BT oder Rhetorik-Seminaren direkt mit ihm und seinen Strukturen zu tun.
          Aber natürlich haben wir damals auch mit Scheuklappen gelebt, muss man selbstkritisch feststellen. Denn die rechten Strukturen und Kontakte in die anderen rechten Szenen gab es auch damals schon. Nur noch nicht so ausgeprägt. Und das rechte Personal hatte noch nicht wie heute die Strukturen durchdrungen.

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      • @ BPA-Buxen, das Argument VaB-Stammtische galt (gilt) doch für jede Burschenschaft und nicht nur für die Raczeks. Bei BSE fiel dieses Argument auch bei jeder Austrittsdiskussion. Da musste Überzeugungsarbeit geleistet werden, politische wie finanzielle. Abgesehen davon war ziemlich früh klar, dass kein Stammtischgenosse rausfliegt, wenn sein Bund die DB verlässt. Die sind (waren) doch um jeden froh, der da noch mitmacht (und bezahlt).
        Viel interessanter ist doch folgende Frage: wie kam es dazu, dass Ihr ehemaliger Bund noch Ende der 80er aus der DB austreten wollte (zumindest die Activitas), und diese innerhalb kürzester Zeit zu einem Rechtsradikalinskihaufen mutierte?

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        • @Otto Framm: wie bei vielen später rechten Burschenschaften waren viele Faktoren wichtig, um eine Burschenschaft auf ganz rechts zu drehen. Als entscheidenen Faktor haben wir die Duldung des Eindringens und Breitmachens von Rechten durch Liberale analysiert. Eine Burschenschaft, deren liberale Altherrenschaft eine starke Position gegen Rechte hat, ist für den Rechtsruck weniger anfällig. Weitere Faktoren: lange Jahre wenig Nachwuchs, einige ganz rechte Alte Herren der Südtirolfraktion als Schläfer und Keimzelle für neue rechte Aktive, eine heterogene AH-Schaft mit unterschiedlichen Grüppchen und viel Streit, die Mentalität einer Vertriebenen-B! mit relativer Offenheit gegenüber rechten Themen bei vielen AH, eine schwache Aktivitas gegenüber einer bestimmenden konservativen AH-Schaft, liberale AHs und Aktive mit burschenschaftlichen Beißhemmungen gegenüber rechten Bbr. etc. Zwei eigentliche Zündfunken war die Aufnahme eines bekannten Buxen mit rechter Ausbildung bei Wikingjugend, FAP etc. Danach war der Bund in 2 Jahren auf ganz rechts gedreht. Sein Ausschluss scheiterte 2001,weil die ganz rechten Schläfer-AHs sich reaktivieren ließen, darauf traten viele junge liberale AHs aus. Der Rest wie auch wir gingen für Jahre in die innere Emigration. Bis 2011 zum Arierparagraph mit der folgenden Gründung der Initiative. Einen entscheidenenden Faktor beim Rechtsruck hat auch die Universität gespielt. Sie bot einem bekannten Rechtsprofessor eine Spielwiese mit einem Arbeitskreis, in dem der Professor Wikingjugend etc. versammelte. Von dort kamen die rechten Herren dann in Burschenschaften. Der Arbeitskreis war auch einmal Thema im Bundestag wegen seines rechten Personals.

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      • @BPA-Buxen, vielen Dank für die ausführliche Information. Sicherlich eine Scheiss-Situation.
        Neugierige Frage: wie kommt es in einer schlesischen Burschenschaft zu einer „Südtirolfraktion“? kuk-Relikte? Zu viele Kathos? Altnazis gab es vermutlich in jedem Bund (ich schreibe von den 50 – 60er Jahren), aber selbst die haben sich nicht in der Südtirolfrage engagiert. Abgewunken und dem BT dagegenstimmen war eine einhellige Devise.
        Wir hatten ja einen gemeinsamen AH, Dr.Ing. und Hüttendirektor, 1998 gestorben. Der war mit Sicherheit nicht in dieser Fraktion.

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        • @Otto Framm: Gute Frage, aber viele vertriebene Buxen hatten zum Thema Südtirol (so als eine Art Ersatzthema für die verlorene Heimat vielleicht?) ein noch emotionaleres Verhältnis als andere Buxen. Ihre Emotionalität wurde schon damals von Ösi-Buxen der Burger-Fraktion in Richtung Aktionismus gesteuert. Die Folgen sind bekannt, inkl. Verurteilungen. Sie sind heute noch Triebfedern des Rechtsrucks von Buxen, auch in diversen Organisationen.

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