Vor Burschentag: „Eisenach ist Symbol des Scheiterns der Politik gegen rechte Burschenschafter“

logo-burschenschafter-gegen-neonazisÜber das Vorgehen von Lokalpolitikern gegen rechte Burschenschafter veröffentlicht die Tageszeitung Freies Wort mit Blick auf den Burschentag ein Interview mit unserer Initiative. Wir verglichen dabei die Aktivitäten von Innsbruck und Eisenach.

Ein Auszug daraus: „Es passiert in Eisenach zu wenig im Vergleich zu anderen Städten, wie etwa Innsbruck. Tatsächlich ist Eisenach inzwischen zum Symbol des Scheiterns von Politik im Kampf gegen rechte Burschenschafter geworden. Zwar ist der zivilgesellschaftliche Widerstand gegen den Burschentag gewachsen. Aber politisch ist nichts passiert. … Aber in anderen Städten – zuletzt im November 2013 in Innsbruck – ist es staatlichen Stellen auch gelungen, rechte Burschen trotz bestehender Verträge vor die Tür von öffentlichen Gebäuden zu setzen.“ (Freies Wort, print)

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Hintergründe zu Burschentag und Deutscher Burschenschaft

Der Burschentag der Deutschen Burschenschaft findet erneut in Eisenach vom 12. bis 15. Juni statt. Drei DB-Bünde werden mittlerweile vom Verfassungsschutz beobachtet, vor einem Jahr war es erst ein Bund. 34 DB-Burschenschaften gehören der Burschenschaftlichen Gemeinschaft an. Nach dem Austritt der Hamburger Burschenschaft Germania Königsberg als 41. Burschenschaft seit Mitte 2012 verbleiben immer weniger Burschenschaften in der DB. Der liberale Dachverband Neue DB rechnete Mitte März mit noch 66 Burschenschaften im rechten Dachverband DB. Von diesen 66 DB-Bünden gehören 34 der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) an. 2008 hatte der Verband DB noch 123 Mitglieder (Wikipedia über DB). Die Reduzierung von 123 auf ca. 66 entspricht einem Minus von über 40 Prozent der Mitgliedsburschenschaften.

In einer ersten Austrittswelle ab Mitte 2012 hatten zunächst vor allem liberal-konservative Burschenschaften die DB verlassen. 45 ausgetretene plus freie Burschenschaften haben die Gründung eines neuen Dachverbandes für Herbst 2015 angekündigt. In einer zweiten Austrittswelle seit Mitte 2013 verlassen nun auch wertkonservative und pflichtschlagende Bünde wie die Königsberger Germanen oder Frankonia Bonn die DB. Zurück wird offensichtlich eine DB aus BG-Bünden, Ostdeutschem Kartell plus Freunden bleiben. “Kleiner und rechter” nannte die FAZ diese Entwicklung.

Der Sprecher der DB, Gordon Engler von der Dresdener Burschenschaft Cheruscia, ist für die AfD in das Dresdner Kommunalparlament eingezogen. Er hat den Verband vor kurzem auf einen prorussischen Kurs eingeschworen. Die Grundlage hat der Putin-Berater Alexander Dugin gelegt, der im letzten Herbst DB-Burschenschaften die Ideen eines Europas unter russischer Führung vorgetragen hat.

Die Bundesregierung hat aktuell eine Kleine Anfrage auf dem Tisch, wie sie Verbindungen der NPD zur DB beurteilt.

Auch der Verfassungsschutz beschäftigt sich mit den Entwicklungen in der Deutschen Burschenschaft. Das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz schreibt in seinem Verfassungsschutzbericht 2013: „Ebenso aufmerksam beobachtet das LfV Hamburg rechtsextremistische Tendenzen bei einigen Burschenschaften. Die Entwicklung innerhalb des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB) ist seit mehreren Jahren von einem politischen Richtungskampf zwischen liberal-konservativen und rechtsgerichteten Burschenschaften geprägt. Die in der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (BG) organisierten Bünde vertreten teils nationalistisch-revisionistische Positionen und halten am volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff fest (VSB 2011, S. 181; VSB 2012, S 173f.). Ende 2012 gelang es der DB vorübergehend, die Dachorganisation zu stabilisieren. Dies wurde möglich, da anlässlich eines außerordentlichen Burschentages als Kompromiss anstelle der geforderten Auflösung der BG die „Initiative Burschenschaftliche Zukunft – IBZ“ gegründet wurde. Die IBZ gilt als liberal-konservativer Gegenpol zur BG. Einigen Verbindungen ging dieser Kompromiss jedoch nicht weit genug, da sie den Einfluss des von der BG repräsentierten national-konservativen Flügels innerhalb der DB nicht verringert sahen. In der Folge verließen bis Ende 2013 knapp 40 Burschenschaften den Dachverband.”

Zwei Gegenveranstaltungen finden zum Burschentag statt: die wissenschaftliche Tagung „Rechte Burschen“ der Landeszentrale für politische Bildung am 12. Juni in Eisenach sowie die Gegendemonstration des Bündnisses gegen Burschentage am 14. Juni, ebenfalls in Eisenach.

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10 Antworten zu “Vor Burschentag: „Eisenach ist Symbol des Scheiterns der Politik gegen rechte Burschenschafter“

  1. Tja- das ist eben der Unterschied zwischen dem Rechtsstaat Deutschland und der Schlamperei Östereichs: in D gilt: pacta sunt servanda. Auf dem Boden der österreichischen Schlamperei wachsen solche Sumpfblüten wie die DBÖ.
    Es ist in keiner Weise wünschenswert, solche Sumpfblüten in D zu züchten, indem man solche Machenschaften wie in Insbruck fährt.
    (Die politisch-argumentative Auseinandersetzung steht auf einem anderen Blatt)

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    • Die DBÖ ist doch schon längst tot, und zwar so richtig. Wie kommen Sie denn auf die?

      In Eisenach laufen Verträge zur Überlassung der Werner-Assmann-Halle. Die können nicht ohne weiteres aufgekündigt werden, schon gar nicht weil ein Teil der sich dort versammelnden Burschen irgendwie „rechts“ sind (ohne gleich Neonazis im strafrechtlich relevanten Bereich zu sein). Ob die Verträge wie in der Vergangenheit verlängert werden, steht auf einem anderen Blatt Papier. Bis dahin ist die DB aber auch klein genug, um den Burschentag in ihrem Hotel abhalten zu können.

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  2. Wenn ich mich nicht verzählt habe sind 31 IBZ Bünde inzwischen verbandsfrei und lediglich noch vier im Restdachverband. s.a.:

    http://burschenschaftliche-zukunft.de/?page_id=104

    Das sind mehr als lediglich „einige Bünde“. Ausserdem ging die Austrittswelle auch schon deutlich vor dem ausserordentlichen Burschentag im Dezember 2012 los. Das kann man hier wunderbar nachvollziehen:

    http://burschenschaft.jimdo.com/austritte/

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    • Wer die von Ihnen geposteten Links aufmerksam liest macht die (wenig) erstaunliche Feststellung, dass in jener „IBZ“ sich keine Burschenschaft befindet, die vor 2010 aus der DB ausgetreten ist. Die sind entweder im SK, der NDB oder schön verbandsfrei (eine ist sogar ein WSC-Corps geworden). Da kommt schon mal der Verdacht auf, dass jene „IBZ“ ein ähnlicher „Schnellschuss“ wie die NDB sein wird….“der DB werden wir es zeigen“, oder „raus aus die Kartoffels und gleich wieder rein“.
      Die Zeit heilt viele „Wunden“, auch den Verlust der DB-Mitgliedschaft. Deswegen muss das Rad nicht neu erfunden werden.

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  3. „Wer die von Ihnen geposteten Links aufmerksam liest macht die (wenig) erstaunliche Feststellung, dass in jener “IBZ” sich keine Burschenschaft befindet, die vor 2010 aus der DB ausgetreten ist.“
    – Arminia Karlsruhe: 1997
    – Teutonia Karlsruhe: 1997
    – Germania Saarbrücken: 2002
    – Alte Burschenschaft der Prager Teutoen zu Nürnberg: Abspaltung von Teutonia Prag jetzt zu Würzburg um 2000 (laut wikipedia), seitdem verbandsfrei.
    Austrittsjahr laut http://burschenschaft.jimdo.com/austritte/

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    • @ Roger, danke für die Korrektur.
      Zu Teutonia Karlsruhe: bis vor ca 2 Jahren in der NDB, jetzt noch im „HC“, der „IBZ“, dem „Viererbund“. Keine Feier ohne…..
      zu Alte Burschenschaft der Prager Teutoen zu Nürnberg: Abspaltung von Teutonia Prag jetzt zu Würzburg um 2000, das klingt wie „Leobener Burschenschaft Germania zu München, dann zu Clausthal, mittlerweile zu Halle. Wer soll das noch ernst nehmen?

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      • HC, da sitzen sie doch direkt an der Quelle.
        Folgt der Rest des HC in die IBZ? 🙂

        Die Prager Wanderteuten sind ein klassisch wandernder BG-Bund. So wie Germania Leoben, Markomannia Wien usw. Dresdensia Rugia hatte vor kurzem auch eine „Außenstelle“ in Hannover, Ex-Ghibellinen.
        Die Nürnberger dürften wiederum die Abspaltung moderaterer Leute aus Nürnberger Zeiten sein, vergleichbar mit der Clausthaler Abspaltung der Leobener Germanen beim Umzug nach Halle. Nur dass sie sich direkt als (AH-)Buxerei konstituierten. Wie ernst man sie nehmen soll? Werden schon nicht ewig viele sein.

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      • HC: Prognosen sind besonders schwierig wenn sie in die Zukunft gehen. Die Darmstädter sind in der NDB, die Stuttgarter dort ausgetreten, jedoch nicht in der „IBZ“, BSE lässt die Finger von all diesen Spielereien. Meine Einschätzung: Teutonen gründen den IBZ-Verband mit, Darmstadt verlässt die NDB, und der HC wird nur mehr aus 3 Bünden bestehen.
        Zu den Wanderbuxen: kein Kommentar, wie schon anderweitig geschrieben „nicht mal mit der Feuerzange….“
        Abgesehen davon dürfte die Zukunft dieser Vereine sehr überschaubar sein.

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    • Laut Mitgliederliste der NDB sind die noch drin. Dass die dort austreten war uns klar. Vielleicht hatten die gerade auf dem Stiftefest BuC, und sind seit 3 Tagen draußen.
      Meine „Prognose“ dürfte ziemlich realitätsnah sein.

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