Zum Burschentag: Tagung „Rechte Burschen“ von Regierungsbehörde am 12. Juni

plakat-eisenach-aktuell-demokratie-ohne-schriftErstmals wird der Burschentag der Deutschen Burschenschaft in Eisenach von einer wissenschaftlichen Tagung als einer Art inoffiziellen Gegenveranstaltung begleitet. Die Tagung „Rechte Burschen“ unter Leitung der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen als  Regierungsbehörde informiert über Relevanz von deutschen Burschenschaften auch im Hinblick auf das Thema Rechtsextremismus.

Bei der Veranstaltung referieren bekannte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die über Burschenschaften forschen und veröffentlichen, am 12. Juni in der Wartburgstadt. Unter ihnen sind u.a. Dr. Bernhard Weidinger von der Uni Wien und Dr. Alexandra Kurth von der Uni Gießen. Themen wie „Die Deutsche Burschenschaft im Kontext des deutschen und österreichischen Rechtsextremismus nach 1945″ stehen auf dem Programm der sechs Vorträge von 9.30 bis 17.30 Uhr in der Volkshochschule Eisenach (Flyer zur Tagung). Die Landeszentrale schreibt im Flyer, dass die Geschichte der Deutschen Burschenschaft eng mit der Eisenachs verknüpft sei, in der heutigen Zeit aber die „Verbindungen der Deutschen Burschenschaften zum rechtsextremen Spektrum in Deutschland und Österreich“ diskutiert werden.

 

Eine weitere Veranstaltung stellt sich dem Burschentag entgegen. Wie in den letzten Jahren organisiert das Bündnis gegen Burschentage wieder eine Gegendemonstration gegen den Burschentag – am 14. Juni. Das Bündnis veröffentlicht auch eine 20-seitige Zeitung, in der es seine Kritik am Burschentag darlegt.

Der Burschentag der Deutschen Burschenschaft findet erneut in Eisenach vom 12. bis 15. Juni statt. Drei DB-Bünde werden mittlerweile vom Verfassungsschutz beobachtet, vor einem Jahr war es erst ein Bund. 34 DB-Burschenschaften gehören der Burschenschaftlichen Gemeinschaft an. Noch ca. 66 Burschenschaften sind Mitglied der DB (nach einer Zählung des liberalen Verbandes Neue DB), nachdem in den letzten zwei Jahren 41 Burschenschaften den Verband verlassen haben. Der Sprecher der DB, Gordon Engler von der Dresdener Burschenschaft Cheruscia, ist für die AfD in das Dresdner Kommunalparlament eingezogen. Er hat den Verband vor kurzem auf einen prorussischen Kurs eingeschworen. Die Grundlage hat der Putin-Berater Alexander Dugin gelegt, der im letzten Herbst DB-Burschenschaften die Ideen eines Europas unter russischer Führung vorgetragen hat.

Die Bundesregierung hat aktuell eine Kleine Anfrage auf dem Tisch, wie sie Verbindungen der NPD zur DB beurteilt.

Auch der Verfassungsschutz beschäftigt sich mit den Entwicklungen in der Deutschen Burschenschaft. Das Hamburger Amt für Verfassungsschutz schreibt in seinem Verfassungsschutzbericht 2013:  „Ebenso aufmerksam beobachtet das LfV Hamburg rechtsextremistische Tendenzen bei einigen Burschenschaften. Die Entwicklung innerhalb des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB) ist seit mehreren Jahren von einem politischen Richtungskampf zwischen liberal-konservativen und rechtsgerichteten Burschenschaften geprägt. Die in der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (BG) organisierten Bünde vertreten teils nationalistisch-revisionistische Positionen und halten am volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff fest (VSB 2011, S. 181; VSB 2012, S 173f.). Ende 2012 gelang es der DB vorübergehend, die Dachorganisation zu stabilisieren. Dies wurde möglich, da anlässlich eines außerordentlichen Burschentages als Kompromiss anstelle der geforderten Auflösung der BG die „Initiative Burschenschaftliche Zukunft – IBZ“ gegründet wurde. Die IBZ gilt als liberal-konservativer Gegenpol zur BG. Einigen Verbindungen ging dieser Kompromiss jedoch nicht weit genug, da sie den Einfluss des von der BG repräsentierten national-konservativen Flügels innerhalb der DB nicht verringert sahen. In der Folge verließen bis Ende 2013 knapp 40 Burschenschaften den Dachverband.”

 

Während sich die Deutsche Burschenschaft in Eisenach trifft, kommen viele ihrer ehemaligen Mitglieder in Braunschweig zu ihrer dritten Verbandsgründungstagung zusammen. Bei der dreitägigen Veranstaltung halten Prof. Harald Seubert, Präsident des Studienzentrums Weikersheim, sowie Vera Lengsfeld, Publizistin, und Armin-Paul Hampel, Landesvorsitzender AfD-Niedersachsen, Vorträge rund um das Tagungsthema „Freiheit“. 45 dieser Burschaften haben für Herbst 2015 einen neuen Verband angekündigt. Eine offizielle Stellungnahme zur künftigen politischen Ausrichtung des neuen Verbandes fehlt noch. Die politische Verortung der Redner in Braunschweig könnte ein Fingerzeig sein.

 

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