DB-Burschenschafter will Frauen aufnehmen und sieht Mensurfechten kritisch

blitzeüberbraunbuxenkleinKlaus Feldmann von der Münchener Burschenschaft Stauffia (Deutsche Burschenschaft) möchte Themen angehen, die bisher in der Deutschen Burschenschaft nicht auf der Tagesordnung stehen. In einem von seiner Burschenschaft veröffentlichten Konzeptpapier mit dem Titel „Burschenschaft im 21. Jahrhundert“ fordert er die Aufnahme von Frauen in Burschenschaften und stellt das Mensurfechten zur Diskussion. Mit dem Papier erhöht er den Veränderungsdruck im Verband Deutsche Burschenschaft.

Feldmann befürwortet in seinem Papier die Aufnahme von Frauen in Burschenschaften. Er argumentiert: wenn Burschenschaften ihre Mitglieder auf das Leben „da draußen“ vorbereiten wollen, dann führe an der Aufnahme von Frauen kein Weg vorbei. Gemischte Teams von Frauen und Männern würden bessere Ergebnisse erzielen, als rein männliche. Ihre Zusammenarbeit sei heute selbstverständlich. Feldmann nennt Kirchenvorstand, Management-Team oder Regierungsbank. Selbst die Männerbastion Rotary-Club nehme Frauen auf. Und Felmann schreibt, dass im „zeitlosen Kern der burschenschaftlichen Idee“ nichts von der Nichtaufnahme von Frauen stehe.

Feldmann sieht das Mensurfechten kritisch. Es stimme ihn nachdenklich, wenn dem Fechten ein burschenschaftlich identitätsstiftender Charakter nachgesagt werde. Diese Rolle habe es weder in den burschenschaftlichen Gründungsjahren gehabt, noch passe es ins 21. Jahrhundert. Er schlägt vor, für Burschenschafter geeignetere Gemeinschaftserlebnisse als das Fechten zu finden. Er sehe in der Bestimmungsmensur als „Aufnahmehürde“ auch keinen Nachweis besonderer Eignung für den zukünftigen Burschenschafter, sie sei kein Nachweis besonderer Integrität. Die Verbindung von Fechten und Burschenschaft habe schon in der Frühzeit viel mit Tradition, nichts aber mit burschenschaftlichen Inhalten oder Zielen zu tun. Eine Pflichtmensur lasse sich jedenfalls nicht aus der Geschichte der Urburschenschaft ableiten.

Im gleichen Papier forderte Feldmann, eine Kommission einzusetzen, die die Verstrickungen von Burschenschaften in den Nationalsozialismus untersucht (wir berichteten im Blog BPA bereits darüber).

Link: Klaus Feldmann „Burschenschaft im 21. Jahrhundert“, veröffenlicht von seiner Burschenschaft Stauffia

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13 Antworten zu “DB-Burschenschafter will Frauen aufnehmen und sieht Mensurfechten kritisch

  1. Wohl hört man die Worte. Da fragt man sich nur was der gute Mann bei den Münchener Stauffen will, deren Führung sich ja zur Amtsübernahme als Vorsitz der Resterampe eines rechtsradikalen, antisemitischen Wiener Bundes vor allem im Applausklatschen übte.
    Vielleicht bekommt auch Herr Feldmann bei der aula und freiheitlich.me jetzt die allseits bekannte Sonderbehandlung mit Hetz-Lügenelaboraten. Sudel-Fred und Elite-Kevin spitzen bestimmt schon die Federn…

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    • @Man w/o Shadow Vielleicht will der Autor dieser für Verbandsverhältnisse erstaunlich reformerisch klingenden Papiere mit seiner Initiative die restlichen wenigen liberal-konservativen Altherrenschaften im Verband um sich scharen und zum Widerstand gegen die vielen ganz rechten Aktivitates und Bünde ermuntern?

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      • @BPA-Buxen

        Sicherlich ist das möglich aber es wäre bei den Mehrheitsverhältnissen in der Resterampe eine vollkommen sinnlose Aktion.
        Dieses Handeln hört sich eher danach an, als ob einige Stauffen den Abgang ihres Bundes aus der Resterampe vorbereiten und einen Entschuldigungsgrund, weshalb sie das nicht früher schon geschafft haben, vorbeugend gleich mitliefern wollen.

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  2. Mit dem Beitrag wird kein Veränderungsdruck in der Deutschen Burschenschaft/BurschisResterampe erzeugt. Eher wird jetzt wahrscheinlich ein Verfahren gegen die Stauffia eröffnet aufgrund der Aufgabe der burschenschaftlichen Prinzipien, wie sie auch immer jetzt noch in der DB ausgelegt werden.
    In der Tat kann ich dem Waffenbruder e.v. B! Stauffia hinsichtlich der Mensur Recht geben. Die Mensur war nie ein Ausdruck eines burschenschaftlichen Grundprinzips. In einem neuen burschenschaftlichen Dachverband sollte es generell den Burschenschaft frei gestellt sein wie sie mit der Mensurfrage umgehen. Selbst die generelle Abschaffung des fakultativen Prinzips darf kein Hindernis für eine Aufnahme oder ein Kriterium für den Ausschluss sein.
    Bei seiner Empfehlung, dass auch Frauen in Burschenschaften aufzunehmen sind, werde ich aber nicht folgen.

    P.S. Bei seinem Titel „Burschenschaft im 21. Jahrhundert“ hat er aber bei der Burschenschaft Marchia Bonn wohl abgeschaut. Deren Positionspapier mit dem Titel „Burschenschaften im 21. Jahrhundert“ kenne ich schon seit dem Frühjahr 2012 bereits.

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    • @Bonner Buxe: Wir sind erstaunt über Ihre Und Klaus Feldmanns progressive Haltung zum Fechten. Dabei geht der Trend doch seit Jahren eher in die andere Richtung, weg vom fakultativen, hin zum Pflichtschlagen. Bei vielen rechten Burschenschaften hat man auch den Eindruck, dass sie sich vor allem übers Pflichtschlagen als einigendes Element definieren wollen. Gerne in Verbindung mit einer „strammen“ politischen Ausrichtung. Warum wird denn auf einmal das Fechten so in Frage gestellt?

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      • @BPA-Buxen:
        Ich stelle die Mensur generell nicht in Frage. Ich stelle es aber wie oben aufgeführt in Frage, dass die Mensur ein Ausdruck burschenschaftlichen Handelns o.ä. sein soll.

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  3. Herr Feldmann liefert eine fundierte – und wie ich finde – zutreffende Analyse der Ist-Situation. Darüber hinaus zeigt er zielführende Lösungsmöglichkeiten auf. All dies in erfreulich unaufgeregter Form und entsprechender Argumentationstiefe.
    Allerdings dürfte es sich um eine absolute Mindermeinung handeln, die es noch nicht einmal in den Status einer DB-internen Diskussion schaffen wird. Ehrlich gesagt überrascht mich schon die oben verlinkte Veröffentlichung auf der Webpräsenz der B! Stauffia.
    Die aufgezeigten Lösungswege dürften selbst für die Mehrheit der freien und NDB-Burschenschaften zu radikal sein. Spätestens beim Thema Frauen im Bund, sind die allermeisten geistig überfordert.
    Ich persönlich halte jeden der Vorschläge für zeitgemäß und richtig.
    Glückwunsch an den freigeistigen Herrn Feldmann und viel Erfolg auf dem steinigen Weg zur „Erneuerung des burschenschaftlichen Geistes“. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht.
    @ Bonner Buxe: Auch wenn hier einige Inspirationen bei den Bonner Märkern entlehnt sein sollten, zählt am Ende doch das Ergebnis mehr, als einzelne Stationen auf dem Weg dorthin.

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  4. Erstaunlich, erstaunlich!
    „Und Felmann schreibt, dass im „zeitlosen Kern der burschenschaftlichen Idee“…“
    „…der burschenschaftlichen Prinzipien,,,“ „eines burschenschaftlichen Grundprinzips.“
    „Herr Feldmann liefert eine fundierte – und wie ich finde – zutreffende Analyse der Ist-Situation.“

    Soso. Nun wissen wir also endgültig Bescheid über den „zeitlosen Kern der burschenschaftlichen Idee“. Es verbleibt nur die klitzekleine Frage, wie das definiert, ausgelegt wird. Da gehen wir doch vorsichtshalber nicht ran, sondern sind zufrieden, bei ach so modernen Kommersen/Kneipen und einigen Bierchen intus „Schwört bei dieser blanken Wehre“ aus voller Kehle und Blick gen Himmel stehend zu schmettern. Wahlweise darf es auch eine Festrede über „Ehre, Freiheit, Vaterland“ sein (bitte das „heute“ nicht vergessen), deren Inhalt wir alle langsam im Kanon rückwärts singen können.
    Womit wir endlich bei dem ach so modernen, von Buxen gepflegten Liedgut des Lahrer Kommersbuchs angelangt wären.
    Wie bitte? Couleur? Chargiertenwichs? Aber claro, genau das passt doch perfekt zu den „burschenschaftlichen Grundprinzipien“!
    Könnte es sein, dass es die „burschenschaftliche Idee“ garnicht mehr gibt, die tradierte längst eingelöst ist? Die Buxen folglich aus Gewohnheit in der Mottenkiste grabbeln?
    Nein, Herr Feldmann liefert keine fundierte, zutreffende Analyse der Situation. Neu ist diese Analyse schon garnicht. All das haben wir schon seit den 68ern hinter uns, mit durchschlagendem Erfolg, siehe „historischer Kompromiss“…“willste das, krieg ich jenes! Bravo!
    Die Feldmann-Analyse mag ja auf seinen Bund „Stauffia“ zutreffen, ich vermag das nicht zu beurteilen. Falls ja, sollte er sich darum bemühen das zu realisieren. Steine werden ihm meinerseits nicht in den Weg gelegt. Jeder Bund ist frei zu analysieren und dementsprechend zu entscheiden.
    Wir aber auch!

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    • @Otto Framm

      „Nun wissen wir also endgültig Bescheid über den “zeitlosen Kern der burschenschaftlichen Idee”. Es verbleibt nur die klitzekleine Frage, wie das definiert, ausgelegt wird“…
      In der Tat ist das das Hauptproblem, was wenige innerhalb der Burschenschaft angingen, weil sie über das Feiern nicht mehr hinauskamen. Einige Bünde haben versucht das für sich klarzukriegen. Ihrer ist sicherlich einer davon genauso wie die Bonner Märker.
      Leider ist es so, dass viele Burschenschafter bei inhaltlichen Debatten jeglicher Art abschalten. Solange sich das nicht ändert, wird sich an der Ist-Situation nicht viel verändern.
      Zum Thema „Frauen“. Ich erinnere mich dunkel an eine Diskussion zwischen einem Bonner Märker und einem Münchener Danuben, die vor Jahren in einem Korporierten Forum lief. Letzterer ritt unter anderem darauf rum, dass die Bonner Märker ihre Satzung dahingehend geändert hatten, dass Frauen zumindest ausserordentliche Mitglieder werden können. Ich bin ehrlich gespannt, wie dieser Herr nun mit den Thesen des Herrn Feldmann mental fertig wird. Da wird in München Freude aufkommen…

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      • Wenn die wenigstens gefeiert hätten. Befürchtungsweise haben die sich zeitraubend mit der „reinen“ Ehre-Freiheits-Vaterlands-Lehre und deren Umsetzung beschäftigt. Ihre Mitgliedszahlen sowie die Qualität ihrer Mitglieder geben nunmehr eine klare Antwort darauf. Mein Mitleid hält sich stark in Grenzen.
        Wenn eine Burschenschaft der Ansicht ist weibliche Mitglieder aktiv zu machen, dann soll sie das unternehmen. Ob sie pflicht-fakultativ-nicht schlagend sein will, oder die weiblichen Mitglieder auch scharf fechten sollen (wollen) bleibt doch völlig dem Einzelbund überlassen. Mit welchem Recht wollen wir uns denn da einmischen? Oder soll das etwa ein „Verband“ vorschreiben? „Urburschenschaftliche Prinzipien“? Lachanfall!!

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  5. @Otto Framm

    „Befürchtungsweise haben die sich zeitraubend mit der “reinen” Ehre-Freiheits-Vaterlands-Lehre und deren Umsetzung beschäftigt. “

    Also „Ehre“ und vor allem „Freiheit“ waren bei den Rechtsbuxen allenfalls ein Nebenthema. Dafür habe sie sich aber ellenlang mit „Vaterland“ befasst. Ich denke da an einen grenzdebilen Ostpreussen-Beauftragten, der sechsstellige Summen verbrannte und an „lustige“ Abende auf Burschentagen, wo man sich von unseren Thekenstrategen Elegien über den nicht erfolgten Entlastungsangriff am Kursker Bogen anhören durfte.

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  6. @ Otto Framm: Ich habe mich nicht genau genug ausgedrückt, sorry. Mit der „zutreffenden Analyse der Ist-Situation“ meinte ich die Darstellung zu Sein und Wahrnehmung der DB.
    Den „zeitlosen Kern der burschenschaftlichen Idee“ versucht der Autor dann aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten und zu destillieren. Der Fokus wird von der bislang mehrheitlich vertretenen überwiegend rückwärts gewandten historischen Sichtweise zu einer zielorientierten Interpretation für relevante Positionen in der heutigen Gesellschaft gewendet. Mit durchaus nachvollziehbaren und, wie ich finde, richtigen Schlussfolgerungen. Ob man das dann als „urburschenschaftlich“ bezeichnen möchte, ist mir letztlich gleichgültig. Entscheidend ist der Blick über den Tellerrand und die Bereitschaft entsprechende Konsequenzen aus dem Beobachteten zu ziehen. Aus meiner bisherigen Erfahrung mit der DB und in der Wahrnehmung der MB Stauffia kann ich mir nicht vorstellen, dass es dort irgendwelche Veränderungen im Sinne der von Herrn Feldmann vorgeschlagenen Möglichkeiten geben wird. Das „Plädoyer“ ist dennoch hilfreich, da es anderen Vereinen als Diskussionsgrundlage oder Blaupause zur Bewältigung der eigenen Hausaufgaben dienen kann. Vorausgesetzt, der entsprechende Handlungsbedarf ist erkannt und die Probleme werden zielgerichtet angepackt. Wo diese Probleme liegen, haben Sie ja schon vielfach deutlich in Ihren Beiträgen heraus gearbeitet.

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    • @ Erwin Alemin,
      auch meinerseits eine Klarstellung: ich wende mich nicht gegen die Darstellungen des Herrn Feldmann, halte sie sogar für (teilweise) sehr zutreffend und zielführend. Nur diese Fokussierung auf die:
      – Fechtfrage
      – Aufnahme weiblicher Mitglieder
      – der ewige Rekurs auf „urburschenschaftliche Ideen“
      ist aus meiner Sicht etwas nervig, vor allem nicht neu. Damit werden die Hauptprobleme der Buxenvereine weder angepackt, noch gelöst. Wieviele Studentenverbände, selbst unser Staat berufen sich auf urburschenschaftliche Ideen als Basis ihrer Daseinsberechtigung, Traditionsschiene. Kaum mehr zu zählen. Mit gelösten Problemen schafft man keine Zukunft. Es müssen folglich andere Vorstellungen, Begründungen für die Existenz einer Studentenverbindung ran, oder sie manövrieren sich selbst ins Abseits (wo viele schon befürchtungsweise stehen).
      Die Zukunft der burschenschaftlichen Bewegung (Verbände) ist, ohne Prophet zu sein, sehr überschaubar.
      – die „DB“: es werden noch einige Bünde austreten. Um das schlimmste zu verhindern (die Pleite) wird sie gezwungen sein einige „Kompromisse“ zu schließen, reine Augenwischerei. Danach versinkt sie mangels Knete und Mitglieder im rechten Sumpf.
      – die „NDB“ wird weiterhin vor sich hindöseln, mal ein Bund mehr, mal einer weniger. Achtbar aber bedeutungslos.
      – der „neue Verband“ der Stuttgarter Promotoren wird entstehen, aber kleiner als erhofft. Zu Beginn viel Tamtam, um danach in den üblichen Tagesproblemen eines Verbands zu versinken. Ebenfalls bedeutungslos.
      – das „SK“ wird, weiterhin funktionierend, sich keinem Verband mehr anschließen.
      – Es verbleibt eine Anzahl von Burschenschaften, meist traditionelle, „hochschultypische“, die einem Verbandswesen sehr kritisch gegenüberstehen, eine Notwendigkeit hierfür nicht mehr einsehen. Sie werden, von Fall zu Fall, Arbeitsgemeinschaften zur Erreichung definierter Ziele bilden. Nennen wir das einmal die Ausbreitung des „Rinderwahns“. 😉

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