Jahresrückblick 2013 – Teil 1: Burschenschafterprozess, Burschentag und Buxenverband ade (Januar bis Juni)

logo-burschenschafter-gegen-neonazisViel Druck war 2013 im Kessel des Themas „Rechtsaussen-Burschenschafter und Widerstand gegen sie“.
Medien, Politik, Initiativen und Zivilgesellschaft informierten, klärten auf, engagierten sich und hielten den Druck von Januar bis Dezember hoch.

Unser zweiteiliger Jahresrückblick schaut noch einmal auf Ausgewähltes aus dem Kessel, über das Medien und Blogs berichteten.

Teil 1 von Januar bis Juni 2013

(Teil 2 des Jahresrückblicks von Juli bis Dezember: Infoklick)

Januar

– in Heidelberg gibt es Proteste gegen ein Verbands-Seminar. Der Oberbürgermeister distanziert sich von der veranstaltenden Burschenschaft
– Medien widmen sich der neuen österr. Verbands-Vorsitzenden
– erste Aufregung um ex-WKR-Ball in Wien, der nun von FPÖ veranstaltet wird: Parteichef und Burschenschafter sagt ab
– öffentlicher Wirbel in Berlin um die mögliche Besetzung einer Professorenstelle durch einen österreichischen Burschenschafter
– bei der Oberbürgermeisterwahl in Leipzig erringt ein Burschenschafter die rote Laterne
– nach dem Foto einer Ku-Klux-Klan-artigen Feier bei einer pennalen Burschenschaft fordern die Grünen Österreichs ein Stopp der öffentlichen Förderung
– politische Verwirbelungen in Berlin um CDU-Staatssekretär und Burschenschafter
– medialer Wirbel um eine burschenschaftliche Veranstaltung zu Ehren von Schönerer, des geistigen Vaters Hitlers
– Bonner Amtsgericht verurteilt Burschenschafter in Strafprozess wegen Verunglimpfung von Widerstandskämpfer. Berufung angekündigt.
– zwei Burschenschafter wurden in den sächsischen NPD-Vorstand gewählt
– hohe Haftstrafen im Alpen-Donau-Info-Prozess
– die Austrittswelle aus altem Verband geht weiter und zahlreiche Medien wie SZ.de, Spiegel.de, Zeit.de berichten
– Kölner NS-Dokumentationszentrum erkennt Scharnierfunktion von Burschenschaft zur extremen Rechten
– FAZ fordert Burschenschaften zum Austritt aus altem Verband auf
– Austrittswelle auch aus übergeordnetem Dachverband der Korporationen
– Dritte Kleine Anfrage zum alten Verband an Bundesregierung

Februar

– liberale Burschenschafter kündigen an, dass sie sich in Bonn wg. eines neuen Verbandes treffen
– selbst in München verlassen Burschenschaften den alten Verband
– politische Krise in Berlin wegen Fall Buxen-Staatssekretär geht weiter
– in Unterlagen zum NPD-Verbotsverfahren finden sich auch Zitate von Burschenschaftern
– Bundesminister begründet den Austritt seiner Burschenschaft aus altem Verband in Zeitungsinterview
– Eisenachs Oberbürgermeisterin spricht von Burgfrieden in altem Verband und kann Vertrag nicht kündigen
– österr. Presse berichtet über Verfassungsschützer als möglichem Mitglied einer Burschenschaft
– Studentenverbindungs-Forscherin sagt eine Radikalisierung des alten Verbandes und insgesamt drei Verbände voraus
– FPÖ-Akademikerball mit deutlich weniger Besuchern als im Jahr vorher beim WKR-Ball

März

– liberale Burschenschafter kündigen bei Bonner Märzgesprächen einen neuen Verband bis 2015 an
– umfangreiche Berichterstattung zu Bonner Märzgesprächen z.B. von DLF, WAZ, TLZ, Welt,
– FAZ stellt altem Verband kein gutes Zeugnis aus
– Burschenschafter liefern sich in FAZ eine Leserbrief-Schlacht
– eine neue burschenschaftliche Gemeinschaft will alten Verband mit erstem Treffen in Fulda konsolidieren
– Wirbel in Marburg (Stadtparlament, Medien) um Marburger Marktfrühschoppen
– Marburger Stadtpolitik verabschiedet Resolution gegen öffentliche Auftritte von Burschenschaften des alten Verbandes an
– medialer Wirbel um ein Burschenschafter-Medienseminar in Erlangen
– Burschenschafter kandidiert nicht mehr als österr. Parlamentspräsident
– Ringvorlesung über Rechtsextremismus an Hamburger Bundeswehruni – inkl. Vorlesung über alten Verband
– in Berlin nimmt Fall Buxen-Staatssekretär in der Politik weiter Fahrt auf
– beim AB-Mittelrhein-Prozess gegen 26 Angeklagte sagt ein angeklagter „ex-Burschenschaftsnaher“ an mehreren Tagen ausführlich aus

April

– Medien berichten über rechtes burschenschaftliches Strategiepapier
– lokaler und überregionaler Medienhype um Mensur in Hamburg mit einer vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften pennalen Burschenschaft. Schulbehörde will über Schüler-Burschenschaften aufklären
– Burschenschafter wurde in erweiterten NPD-Bundesvorstand gewählt
– immer mehr Medienseminare auf rechten Burschenschaftshäusern
– im Berliner Parlament steht der Entlassungsantrag der Opposition für Buxen-Staatssekretär auf Tagesordnung. Er bleibt im Amt, viele Medien berichten
– zum Termin von Hitlers Geburtstag treffen sich Verbandsburschenschaften in München, enthüllt die SZ
– parlamentarische Anfrage der SPÖ, warum Burschenschaften nicht mehr im österr. Verfassungsschutzbericht aufgeführt sind
– SPD kritisiert mangelhafte Nennung rechtsextremer Studentenverbindungen im bayer. Verfassungsschutzbericht
– bayer. Verfassungsschutzbericht 2012 stuft eine einzige Burschenschaft als rechtsextr. Organisation ein
– in Freiburg wird ein Verbands-Seminar abgesagt. Starker öffentlicher Druck
– öffentliche Diskussionsveranstaltung in Eisenach über Burschentag
– 15-seitiges Spezialheft über rechte Burschenschaften in Zeitschrift „der rechte rand“

Mai

– in Berlin endet ein monatelanger politischer und medialer Wirbel um den Burschenschafter und Staatssekretär mit dessen Entlassung durch seinen Senator
– vier Korporationsverbände grenzen sich von Burschenschaften ab
– zwei Kleine Anfragen im Thüringer Parlament zu Burschentag 2013
– Kleine Anfrage in Thüringen u.a., ob der Stv. Leiter des Thüringer Heimatschutzes ein Burschenschafter war
– in Österreich kritisiert der Bundespräsident die zurückliegende Wahl eines Burschenschafters zum Parlamentspräsidenten
– im Wien verdrängt das österr. Heer am 8. Mai die Burschenschafter vom Heldenplatz. Der Verteidigungsminister ordnete Mahnwache von Soldaten an, um jährliches „Totengedenken“ von Burschenschaftern zu verhindern.
– die Wiener Symphoniker geben am 8. Mai ein Festkonzert gegen das Burschenschafter-“Totengedenken“
– IBZ wächst auf 31 Burschenschaften an
– von möglichen Wiedereintritten in alten Verband spricht Vorsitzende
– wieder Medienhype vor, während und nach Burschentag
– Medienwelle um eine mögliche Neuauflage eines „Ariernachweises“ bereits vor Burschentag – Spiegel.de und Zeit.de mit ausführlichen Artikeln
– Spiegel.de berichtet in sechs Artikeln über Burschentag
– Verband verbietet seinen Mitgliedern eine „Zusammenarbeit“ mit Blog BPA und entlarvt so seine Haltung zur Meinungsfreiheit. Zeit.de, Spiegel.de, taz, DLF kommentieren.
– Spiegel.de kündigt an, rechtsextreme Burschenschafter im Auge zu behalten
– Deutschlandfunk bringt eine 20-minütiges Spezialsendung über rechte Burschenschafter und Widerstand gegen sie
– Polizeigewerkschaft fordert stärkere Beobachtung des alten Verbandes durch Verfassungsschutz

Juni

– österr. Parlamentspräsident und Burschenschafter kündigt Rückzug aus Politik an
– 30. Burschenschaft aus altem Verband ausgetreten
– Burschenschaften ereifern sich über angeblichen Aufruf zu Deichsprengung während des Hochwassers durch Linke. Stellt sich als Fake der rechten Szene heraus
– Kölner Burschenschaft kritisiert öffentlich das „Manifest“ eines Bundesbruders, in dem dieser zur „Abschaffung des Parteienstaates“ aufruft
– wieder politischer und medialer Wirbel um Marktfrühschoppen in Marburg. Regierungspräsidium empfiehlt Absage
– vierte Kleine Anfrage an Bundesregierung zum alten Verband
– liberaler Verband NeueDB kündigt an, seinen Burschentag dauerhaft in Jena auszurichten
– in einem offenen Brief fordert die Marburger Burschenschaft Arminia (NeueDB) den Austritt von Marburger Burschenschaften aus altem Verband
– im Hamburger Verfassungsschutzbericht 2012 wird eine pennale Burschenschaft als rechtsextrem eingestuft. Diese kritisiert das
– Staatsschutz äußert sich zu Diskussionen um „Ariernachweis“ in Zeitungsinterview
– Kleine Anfrage in NRW zu rechten Burschenschaften
– „Ariernachweis“ ist auch Thema in der ZDF-Kabarett-Sendung „Neues aus der Anstalt“

Teil 2 des Jahresrückblicks von Juli bis Dezember: Infoklick

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5 Antworten zu “Jahresrückblick 2013 – Teil 1: Burschenschafterprozess, Burschentag und Buxenverband ade (Januar bis Juni)

  1. Einfacher zusammengefasst: Was haben die deutschen Hochschulorte Dortmund, Duisburg, Essen Frankfurt a.M., Göttingen, Mannheim, Paderborn, Passau, Regenburg, Rostock, Saarbrücken, Siegen, Stuttgart, Trier, Tübingen und Wuppertal gemeinsam ?
    ………

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  2. Richtig: Es gibt dort größtenteils aktive und erfolgreiche Burschenschaften. Diese sind aber nicht (mehr) in der Deutschen Burschenschaft.

    Die Deutsche Burschenschaft hat damit (auch hochschulpolitisch) 2013 deutlich gewonnen – an Bedeutungslosigkeit !!!

    Diese Entwicklung zeigt aber auch, dass man für die Verwirklichung der burschenschaftlichen Ideale keinen Verband benötigt, der einem die Auslegung dieser Ideale und Grundsätze vorschreibt.

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    • Naja, es müsste jedoch definiert werden, was unter „erfolgreich“ zu verstehen ist. Falls darunter der „Altersbauch“ der AH-schaften, dessen Bewältigung durch Nachwuchs und die daraus bitteren finanziellen Konsequenzen gemeint sein sollen, habe ich erhebliche Zweifel bei etlichen, nunmehr ausgetretenen Burschenschaften o.a. Hochschulen. Wie die „DB-Buxen“ diese Fragen beantworten ist mir völlig gleichgültig, Schnee von vorgestern.
      Jedoch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass die Nachwuchsfrage durch den Austritt aus dem verrotteten Altverband und Gründung eines Neuverbandes geregelt, gelöst wird. „Rut ut die Kartoffels und wieder rin“ ist mit Sicherheit keine Lösung, höchstens ein wohlfeiles Ablenkungsmanöver. Die Rechnung dafür wird in einigen Jahren präsentiert.

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  3. Wer sagt denn, dass alle die seit 2012 die DB aus guten Gründen verlassen haben, nunmehr auf der Suche nach einem neuen Verband sind. Ich denke auch verbandsfrei lässt es sich sehr gut leben. Man muss ja nicht auf jeder Hochzeit mittanzen und soweit man auch über Dachverbandsgrenzen hinweg gut vernetzt ist, wird man nichts vermissen.
    Insoweit bitte ich doch mal folgende Übung zu machen:
    1. Sie schließen die Augen!
    2. Sie entspannen!
    3. Stellen Sie sich nun das deutsche Korporationswesen und ggf. Ihre Verbindung ohne die DB vor!
    4. Sie werden feststellen, Ihnen wird nichts fehlen; außer Sie wollen immer wieder die gleichen Diskussionen führen und sich mit Leuten konfrontiert sehen, die ständig „Heilen“, aber keine Heilpraktiker sind.

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    • Vermutlich wird das kaum jemand zu behaupten wagen.
      Betrachtet man jedoch die w(h)ohltönenden Ankündigungen aus dem „Buxenumfeld“, so drängelt sich der Eindruck auf, dass viele der kürzlich ausgetretenen Burschenschaften nichts Eiligeres zu tun haben als einen neuen Verband zu gründen, siehe IBZ, „Viererbund“, „Deutschlandgespräche“, „spätestens 2015 steht ein neuer Verband“, uvam. So war es doch auch nach der ersten Austrittswelle in den 90ern: schwupps! war die NDB da, die jetzt so vor sich hindümpelt. Ausser dem „SK“ und einige sehr wenige traditionelle Burschenschaften haben alle dort mitgespielt.
      „Entspannen“, „sich den eigenen Bund, das Korporationswesen ohne DB, neuen Verband vorzustellen? Das unternimmt mein Bund seit 1996 in gesunder, frischer Harzer Höhenluft. Es funktioniert sehr erfolgreich.
      Deswegen auch meine warnende Stimme hier im Forum: es gibt für Bünde Wichtigeres, z.B. den eigenen Laden auf Vordermann zu bringen, als irgendwelche Verbandsgründungen.

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