Austritt in Diskussion (3): „Ende ist Chance für Neuanfang“ – Empfehlungen eines „mitteldeutschen“ Burschenschafters

marke-burschenschaftIn der BPA-Reihe “Austritt in Diskussion” widmen wir uns der Frage, welche Empfehlungen Burschenschafter von ausgetretenen Burschenschaften haben, wenn es um die Frage “Wie man die Diskussion steuern könnte?” geht. Mit der Reihe wollen wir beitragen, die Diskussionen zu versachlichen. Im dritten Teil der Reihe gibt ein Burschenschafter einer ausgetretenen „mitteldeutschen“ Burschenschaft seine Erfahrungen und Empfehlungen in der Diskussion weiter. Er fasst seine Ratschläge in einem Satz zusammen: „Jedes Ende ist auch die Chance für einen Neuanfang.“

(Die Meinung unserer Kommentatoren ist nicht unbedingt unsere Meinung. Wir geben sie 1:1 und unkommentiert wieder).

1. Empfehlungen
„Sehr wichtig ist, eine breite Diskussion unter Beteiligung alle Bundesbrüder herbei zu führen. Es müssen alle mitgenommen werden. Daher ist es empfehlenswert den Antrag mit den Einladungen zur Bundesversammlung anzukündigen und im Wortlaut zu versenden. Dieser sollte eine ausführliche Begründung enthalten, die Für und Wider abwägt. Das entspannt schon dahingehend, dass damit wesentliche Punkte bereits erwähnt sind und nicht ausführlich noch auf der Versammlung erarbeitet werden müssen. Das spart auch Zeit. Unschädlich ist es, etwa Probeanstimmungen herbeizuführen und ggf. den Tagesordnungspunkt auch nochmals aufzuschieben.
Wir haben hier 3 Anläufe gebraucht, wobei die ersten zwei Versammlungen gar kein Antrag vorlag, sondern lediglich Diskussionsrunden mit Probeabstimmungen war. Nachdem die 2. Versammlung dazu nahezu 12 Stunden dauerte, war die abstimmende Versammlung relativ kurz, da alles gesagt war.
Im übrigen haben viele Alte Herren ihr Votum von dem der Aktivitas abhängig gemacht.

Entscheidend ist, dass vereinsrechtlich eindeutig ist, wie die Mehrheitsverhältnisse für eine solche Entscheidung sein müssen, d.h. Satzungsklarheit besteht. Mein Bund hat ausführliche Diskussionen darauf verwandt festzustellen, welche Mehrheiten notwendig sind. Ein Umstand, der uns letztlich den schmerzlichen Verlust einiger Bundesbrüder gekostet hat.“

2. Konsequenzen
„Von Anfang an haben sich die verschiedenen Lager wechselseitig versichert, dass man sich der Mehrheitsentscheidung beugen wird, ohne mitgliedschaftliche Konsequenzen zu ziehen. Auch der Umstand, dass von den Austrittswilligen versichert wurde, mit den frei werdenden Kapazitäten (Zeit und Geld) im Interesse ideeller burschenschaftlicher Verenstaltungen umzugehen, und dies auch durchgeführt wurde, hat sicher viele beschwichtigt. Auch wenn sicher einige wenige mit dem Beschluss unglücklich sind, so zählt doch bei uns das Credo, dass man in seiner Confuchsia und seinem Bund studiert und aufgewachsen ist, und nicht in der Deutschen Burschenschaft. Deutlich überwiegend ist heute der Eindruck, dass man sich nun freier fühlt. Auch wenn unsere Entscheidung bereits vor dem Massen-Exodus fiel, so haben die Ereignisse der letzten Zeit diese Entscheidung lediglich bestätigt. Die meisten Zweifler sehen heute die DB mit großem Abstand, eher wie ein Insektenforscher ein Forschungsobjekt beäugt und stehen hinter der Entscheidung der damals getroffenen Entscheidung.“

3. Methodik 
„Ob briefliche Abstimmungen zugelassen werden ist letztlich Satzungsfrage. Unsere Satzung ließ dies nicht zu, jedoch wurden alle Stellungnahmen, die den Vorstand erreichten, vorgelesen, jedoch nicht als Stimme -mangels Satzungsgrundlage- gewertet. Wir hatten diskutiert, Briefstimmen zuzulassen, jedoch im Hinblick auf „gelebten demokratischen Parlamentarismus“ darauf verzichtet. Denn die mündliche Diskussion dürfte erhellender sein, als Voten aus dem stillen Kämmerlein. Es wird eben jede Meinungsströmung ihre „Heere“ sammeln und vor Ort bringen müssen. So geschah es. Hier ist noch zu erwähnen, dass ausdrücklich mitgeteilt werden muss, dass es nun zu der maßgeblichen Versammlung kommt. Sofern zuvor ein schriftlicher Meinungsaustasch stadtfindet, sollte dieser zentralisiert werden. Es ist für keine Sache förderlich, wenn vermeintliche Streiter für Gerechtigkeit sich in sponaten Rundmails äußern. Hier kann man durchaus die Bundeszeitung nutzen oder etwa auch das Internet (Einrichtung geschlossener Foren).“

4. Einbindung
„Enttäuschten Bundesbrüdern muss eine Perspektive gezeigt werden. Sei es im Engagement für den Bund, d.h. insbesondere für die Aktivitas, denn davon lebt der Bund; sei es in anderen Vereinigungen, z.B. Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung. Heute dürfte sicher für viele von Interesse und zugleich Hoffnungsträger sein, dass es zahlreiche Gesprächsrunden gibt, die letztlich auf die Schaffung eines liberal-konservativen Verbandes zulaufen.“

5. Perspektiven
„Eine Vereinigung, gleich welcher Art neben DB und NDB, wird sicher die Möglichkeiten bieten, nicht im eigenen burschenschaftlichen Sumpf zu verkümmern. Dies sollte auch Sinn eines Verbandes sein, den burschenschaftlichen und intellektuellen Horizont zu erweitern, von Erfahrungen anderer zu profitieren und gemeinsame Interessen zu bündeln. Hier muss ein Erfahrungsaustausch möglich sein, der fernab von Verbandquerelen den einzelnen Bund und dessen Mitgliedern zu einem Erkenntniszugewinn verhilft. Bedauerlich ist, dass die NDB sich stets dem Stigma des Verrats ausgesetzt sieht, lediglich über die Abgrenzung zur DB wahrgenommen wird und nicht in der Lage sein wird, die heute frei werdenden Kräfte zu bündeln. Die DB wird als burschenschaftliche Großmacht verkümmern, wie es einst schon ganze Imperien erleben mußten. Eine alternative Vereinigung neben den bestehenden Dachverbänden wird eher konservative Werte sammeln als die NDB, jedoch sicher aus Werten der Aufklärung heraus sich nicht vor neuen Erkenntnissen verschließen, wie dies die DB leider überwiegend praktiziert. Ein alternativer Verband braucht Personalkraft, da ist Hoffnung. Den Protagonisten der heutigen alternativen Bestrebungen sollte man Erfolg wünschen und diese unterstützen.
Für jeden austrittswilligen Bund gilt: Jedes Ende ist auch die Chance für einen Neuanfang.

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In Teil 1 der Reihe „Austritt in Diskussion“ gibt ein norddeutscher Burschenschafter acht Empfehlungen zur Steuerung der Austrittsdiskussion

Und in Teil 2 diskutiert ein süddeutscher Burschenschafter sieben typische Argumente der Austrittsdiskussion

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