Austritt in Diskussion (2): Sieben typische Argumente in der Austrittsdiskussion – von Burschenschafter einer ausgetr. süddt. Burschenschaft

marke-burschenschaftIn der BPA-Reihe „Austritt in Diskussion“ widmen wir uns der Frage, welche Empfehlungen Burschenschafter von ausgetretenen Burschenschaften haben, wenn es um die Frage „Wie man die Diskussion steuern könnte“ geht. In diesem zweiten Teil der Reihe gibt ein Burschenschafter einer ausgetretenen süddeutschen Burschenschaft seine Erfahrungen und Empfehlungen in der Diskussion weiter (Die Meinung unserer Kommentatoren ist nicht unbedingt unsere Meinung. Wir geben sie 1:1 und unkommentiert wieder).

„Zwei wesentliche Punkte in der Steuerung der Austrittsdiskussion:

In den wesentlichen Punkten kann ich die Überlegungen des Burschenschafters von der B! der Norddeutschen und Niedersachsen („DB-Austritt in fünf Schritten“, Anmerkung der Redaktion) sehr gut nachvollziehen. In meinem Bunde ist ein vergleichbares Verfahren verwendet worden. Zustimmen kann ich vor allem dem Punkt, dass ein schriftliches Verfahren für die Abstimmung richtig ist, und dass diese die demokratische Legitimation der Entscheidung gewährleistet. Nur so wird jeder Bundesbruder gehört. Der Vorstand muss willens und in der Lage sein, ein solches Verfahren fair und souverän umzusetzen.
 
Maßgeblich für unseren Austritt war, dass die Aktivitas den Austritt geschlossen befürwortete und diese Position auch im Wege von Stellungnahmen und durch viele persönliche Gespräche kundtat. Gerade diese Tatsache überzeugte auch viele Alte Herren, dass der Austritt notwendig und richtig war (vor allem diejenigen, die sich in den letzten Jahren mit dem Thema DB eher weniger beschäftigt hatten). Wesentlich für den Zusammenhalt des Bundes war auch, dass sich der Vorstand keinesfalls parteiisch bzw. polarisierend verhalten hat. Vielmehr hat er dazu beigetragen, die Diskussion auf einem stets sachlichen und bundesbrüderlichen Niveau zu halten.
 
Unsere Austrittsdiskussion wurde nach zwei Grundsätzen geführt: Es gilt, jeden Bundesbruder zu hören und es gilt, jeden Bundesbruder zu erhalten. Wir sind aus der Diskussion und der abschließenden Abstimmung stärker hervorgekommen, als wir uns eingangs wähnten. Eine „Abspaltung“ gab es nicht. Als Ergebnis unserer Entscheidung haben wir in den letzten Monaten Bundesbrüder auf dem Haus begrüßen dürfen, die seit einigen Jahrzehnten nicht mehr da waren und die offenbar nur auf ein solches Signal gewartet hatten, um sich wieder für den Bund zu engagieren. Wie es weitergeht, in welcher Gestalt auch immer, wird sich noch zeigen. Wie andere Bünde befinden wir uns derzeit noch in einer Phase der Umorientierung und müssen – nach den langwierigen Diskussionen über die DB – uns erst wieder auf unsere Grundsätze und Prinzipien besinnen. Dieses Verfahren war und ist bei uns notwendig und der Austritt hat es uns erlaubt, uns voll und ganz dieser Diskussion zu widmen.
 

Sieben typische Argumente in der Austrittsdiskussion:
 
Nach Gesprächen mit anderen Bünden verwenden die Befürworter für einen Verbleib in der DB häufig die gleichen Argumente, die aus meiner Sicht nicht überzeugend sind:
 
1. Wenn man austritt, kann man nichts mehr dazu beitragen, dass sich in der DB  etwas ändert. Man räumt „sang- und klanglos“ das Feld.
 
– In den meisten Bünden beschäftigt sich nur eine sehr kleine Zahl von Aktiven/Alten Herren aktiv mit der DB. Die Frage ist berechtigt, ob der Bund tatsächlich in der Lage ist, „etwas zu verändern“. Sofern die DB überhaupt noch reformfähig ist – was nach den vielen Austritten höchst zweifelhaft ist – ist das ein Generationsprojekt. Ist der Bund wirklich willens, und hat er wirklich die Ressourcen, dieses Projekt zu stemmen? Findet er in der DB heute noch genug Verbündete, die über ähnliche Ressourcen und Bereitschaft verfügen? Falls nicht, ist ein Austritt nur konsequent. Das Feld gehört bereits anderen.
 
2. Einige Mitglieder, die sich der DB sehr verbunden fühlen, werden vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt.
 
– Sicherlich richtig. Aber ist man vorrangig Mitglied der DB oder Mitglied der eigenen Burschenschaft? In den meisten Bünden, die ich gut kenne, entspricht nur Letzteres dem Selbstverständnis. Träumen die DB-Befürworter vielleicht einem Dachverband noch nach, der nicht mehr so existiert?
 
Eine Vielzahl von weiteren Mitgliedern hat es bisher (vielleicht auch nur still) geduldet, dass der Bund noch Mitglied des Dachverbands ist, und deren Geduld ist nach den letzten Vorkommnissen (Zusammenbruch des Burschentages 2012, die ergebnislosen Bemühungen in Stuttgart, die Hardliner-Burschenschaft als Vorsitzende) vermutlich ausgeschöpft. Diese stehen ebenfalls vor noch schwerwiegenderen Entscheidungen (Austritt). Es gilt, diese in die Diskussion bzw. in die Abstimmung mit einzubeziehen.
 
3. Die Kosten sind nicht so hoch…
 
– Doch. Die Mitgliedschaft im Dachverband beträgt mehrere tausend Euro im Jahr, verbunden mit einem erheblichen Zeitaufwand, der meistens durch die Aktivitas zu leisten ist. Es ist für den Bund sinnvoller, das Geld und die Zeit unmittelbar in das Bundesleben zu investieren, beispielsweise um ein Stipendium anzubieten, Hausreparaturen durchzuführen und den Aktivenbetrieb zu finanzieren. Insbesondere dann, wenn die Aktivitas selbst von der DB-Kosten-Nutzung-Rechnung nicht mehr überzeugt ist.
 
4. Das politische Engagement wird fehlen.
 
– Die DB hat sämtliche nach der Wende noch existierende politische Wirkungskraft verloren. Allein durch ihre Handlungsmöglichkeiten (geschweige denn, durch ihr tatsächliches Verhalten) ist sie nicht in der Lage, einen Beitrag zu aktuellen politischen Themen zu leisten. Auf den in den letzten 20 Jahren wichtigsten hochschulpolitischen Themen (beispielsweise die Pisa-Reformen) hat sie keinerlei Einfluss ausüben können. Auch eine ausgewogene Vertretung der burschenschaftlichen Ideale fehlt; diese Ideale werden zunehmend dazu instrumentalisiert, um sich  fragwürdiger Thesen zu bedienen.
 
5. Man verliert ja den wichtigen Kontakt zu den anderen Bünden.
 
– Die DB war stets ein Forum, in dem man alljährlich die verschiedenen Ausgestaltungen von Burschenschaften hautnah erleben konnte und dabei erkennen konnte, was der eigene Bund mit den anderen gemeinsam hatte und von den anderen trennte. Diese Erkenntnisse waren für das Selbstverständnis vieler Bünde wichtig. Allerdings ist die Vielfalt der in der DB verbliebenen Bünde nun deutlich geringer geworden. Dieser Vorteil fällt heute entsprechend mager aus. Eine Montan-Burschenschaft aus Clausthal, eine Ur-Burschenschaft und einen Mannheimer/Göttinger Bund lernt man beim Burschentag nicht mehr kennen. Letztendlich ist es eine Frage, mit welchen Bünden man in Zukunft den Kontakt pflegen will. Viele gute sind schon lange weg.
 
6. Die Aktivitas wird zur amorphen Partyverbindung degenerieren.
 
– Nicht wenn die Altherrenschaft sich mit der Aktivitas engagiert auseinandersetzt und ihr Erwartungen und Forderungen stellt (zusammen mit der notwendigen Unterstützung). Der Zusammenhalt des Bundes und seine inneren Leitlinien und Umgangsformen müssen von innen kommen. Wenn diese schwach sind, ist es Aufgabe des eigenen Bundes, und nicht die des Dachverbandes, diese zu stärken.
 
7. Wie soll es denn ohne eine Alternativlösung weitergehen?
 
– Die Frage über einen Verbleib in der DB kann und sollte an und für sich entschieden werden, ohne dass eine Alternative (neuer Dachverband usw.) unmittelbar präsentiert werden oder vorhanden sein muss. Tatsächlich begegnet man dieser Frage besser, wenn man sich erst von der alten Struktur getrennt hat.

Süddeutscher Burschenschafter“

Ein herzliches Dankeschön auch an diesen Burschenschafter, seine Erfahrungen und Empfehlungen hier im Blog weiterzugeben.

Teil 1: Acht Empfehlungen eines Burschenschafters rund um Abstimmungen: Infoklick.

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2 Antworten zu “Austritt in Diskussion (2): Sieben typische Argumente in der Austrittsdiskussion – von Burschenschafter einer ausgetr. süddt. Burschenschaft

  1. Bevor man die Schritte 1-7 unternimmt, ist es dringend angesagt, sich selber erst einmal klar zu werden, worin denn die unüberbrückbaren Differenzen zu dem Restdachverband der sg. „Deutschen Burschenschaft“ bestehen. Das kann zB. im Rahmen einer sg. SWOT-Analyse erfolgen.
    Wenn man diese Klarheit hat und anschaulich nachweisen kann, dass der Restdachverband urburschenschaftliche Ideale aufgegeben hat – die Vorgänge gegen einen Mannheimer Bund und das Verunglimpfen eines deutschen Nationalhelden können da als Indizien herangezogen werden – fallen einem die folgenden Schritte, wie oben von 1 – 7 beschrieben, wesentlich leichter.

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    • Mein Bund, 1996 aus der DB ausgetreten, hat diese Diskussion mit zunehmender Vehemenz schon Jahre vorher geführt. Die Berichte der Aktivitas von den Burschentagen und deren Diskussionen/Ergebnisse, die „burschenschaftlichen Blätter“ usw gaben ja auch genügend Anlass. Folglich wurde auf einem Bundesconvent beschlossen, dass der uns schon häufig angetragene Wunsch auf Übernahme des DB-Vorsitzes angenommen werden sollte (was dann auch sofort eintrat), nicht jedoch ohne vorab unabdingliche Reformziele festzulegen die erreicht werden mussten. Diese Ziele wurden der DB über die „burschenschaftlichen Blätter“ umgehend kundgetan.
      Die Ergebnisse dieses Vorsitzjahres waren schlimmer als erwartet und haben bei einer starken AH-schaft (ca 250 Mitglieder) den fast einstimmigen Beschluss des Austritts aus der DB herbei geführt. Somit war das während der Diskussionen häufig in das Feld geführte „Drückebergerargument“ obsolet geworden.
      Man täusche sich nicht: das bei einer Aufwands/Ertragsrechnung häufig fallende Kostenargument wird zwar lautstark als „spießig, unfein“ bezeichnet, ist aber im Hintergrund überzeugend und meinungsbildend.
      Jeder Bund ist ein Produkt seiner Mitglieder, aber auch der Rahmenbedingungen, welche die Hochschule und Stadt setzen. Es mag sein, dass unsere Hochschulstadt etwas sonderlich ist, zutreffend ist dieses Argument auf jeden Fall. Damit setzt der Austritt aus einem überflüssigen, den eigenen Zielen hinderlichen Verband Energien frei die sich alsbald positiv auf die Nachwuchsfrage und den bundesbrüderlichen Zusammenhalt auswirken werden.
      Fazit: 17 Jahre nach dem Austritt aus der DB und bewusst verbandsfrei, steht unser Bund gestärkt (mit 30 Aktiven vor Ort) da, ohne auch nur ein Jota seiner Einstellungen, Traditionen aufgegeben zu haben. Pflichtmensuren und weitere „Fechtspezialitäten“ unserer Hochschulstadt werden strikt eingehalten, Kommerse, Kneipen wie gehabt gefeiert, befreundete Bünder besucht, die Bildung voran getrieben, von der Hochschule als kompetenter Gesprächspartner anerkannt.
      Einige werden es ahnen: hier schreibt ein Harzer Buxe.

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