Diskussion: Lohnt sich ein burschenschaftlicher Verband heute noch?

plakat-eisenach-aktuell-demokratie-ohne-schriftOb und wie sich heutzutage noch ein (neuer) burschenschaftlicher Verband für seine Mitglieder lohnt – dazu hat der Kommentator „Otto Framm“ hier im Blog BPA Burschenschafterpacktaus einen interessanten und umfassenden Kommentar geschrieben, den wir gerne als Artikel wiedergeben.

Unserer Ansicht nach lohnt sich ein burschenschaftlicher Verband ähnlich wie ein Berufsverband, wenn er einem gemeinsamen Ziel im Themenfeld von „Einsatz von Burschenschaften für Demokratie und Bürgerrechten“ verpflichtet ist, eine Strategie definiert und sich mit professioneller Verbandspolitik, PR und Marketing dafür einsetzt, die demokratischen Traditionswerte von Burschenschaften in die Moderne zu übersetzen und seine Mitglieder beim Keilen, Networken und Feiern zu unterstützen. Und der Verband lohnt sich, wenn er hilft, die durch Braunbuxen schwer beschädigte Marke Burschenschaft wieder mit neuen/alten burschenschaftlichen und demokratischen Werten aufzuladen und wieder attraktiv  zu machen. Entscheidende Frage für den neuen Verband ist auch: wie steht er zu Braunbuxen? Geht er aktiv gegen diese vor? Betrachtet er sie mehr als bloßen Imageschaden oder als Gefahr für die Demokratie?

Für Kommentator „Otto Framm“ ist die Zeit der Traditionsverbände vorbei: „Die ausgetretenen Bünder werden sich sehr überlegen müssen, ob und wie sie einen neuen Verband gründen wollen, oder einem bestehenden wie z.B. der NDB beitreten. Denn, erst eimal die Verbandsfreiheit erreicht, stellen sich alsbald die Vorteile dieses Zustands ein, andererseits werden die großen Nachteile eines Verbands a la “DB” offensichtlich. Die Frage stellt sich nämlich sofort: welche Vorteile bietet ein Verband dem Einzelbund, Klartext eine Kosten-Nutzenanalyse. Die sieht für studentische Verbände sehr ungünstig aus: überflüssige Tagungen, sinnentleerte Tagesordnungen auf “Burschentagen” mit nachfogendem Geschwätz, alles mit Kosten, Bürokratie und Energie verbunden. Am schwerwiegendsten sind jedoch die Kosten für die Altherrenkasse, die an den “Dachverband” abgeführt werden müssen, Gelder, die wesentlich nutzbringender für die Erhaltung/Modernisierung des eigenen Hauses eingesetzt werden können oder zu Vergabe von Studienstipendien an Aktive. Vorteile einer Verbandsmitgliedschaft waren in den Jahrzehnten mit der “DB” nicht zu erkennen oder eher zufällig.
Die Zeiten dieser “Traditionsverbände” dürfte vorbei sein (mag sein, dass Kösener, Weinheimer, Katholen das noch anders sehen), der Typ “DB” mit politischem Prinzip und Mandat hat ausgespielt. Schon die Keilarbeit spricht dagegen.

Meine Burschenschaft ist 1996 mit Krach aus der “DB” ausgeschieden und lebt jetzt mit 25 – 30 Aktiven vorzüglich in seiner Hochschulstadt, unter Beibehaltung der Traditionen, Pflichtmensuren, etc. Verband? Der müsste erst einmal erfunden werden.“

Zum „Verband erfinden“ treffen sich ausgetretene und freie Burschenschaften zu den „Bonner Märzgesprächen„, um u.a. laut Einladung „Vorschläge zu sammeln für die Gestaltung eines neuen Zusammenschlusses“.

Wie sehen Sie die Frage „Ob und wie lohnt sich ein burschenschaftlicher Verband heutzutage noch“? Sie können gern auch anonym kommentieren.

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2 Antworten zu “Diskussion: Lohnt sich ein burschenschaftlicher Verband heute noch?

  1. Welch´grenzenloser Optimismus:
    „Und der Verband lohnt sich, wenn er hilft, die durch Braunbuxen schwer beschädigte Marke Burschenschaft wieder mit neuen/alten burschenschaftlichen und demokratischen Werten aufzuladen und wieder attraktiv zu machen.“
    Diese nachvollziehbare Wunschvorstellung ist doch nur eine Folge des Momentanzustandes der jetzt ausgetretenen Burschenschaften: „oh Gott! Jetzt haben wir keinen Verband mehr, wo ist der neue?“ Als ob das ein Hauptproblem der jeweiligen Burschenschaften wäre. Das Hauptproblem liegt völlig woanders und das zieht für fast alle Verbindungen. Ich nenne es einmal „Wasserbauchsyndrom“. Die überwiegende Mehrheit der Alten Herren besteht aus „Über-60jährigen“, d.h. nach statistischer Wahrscheinlichkeit sind die meisten von diesen in 20 Jahren nicht mehr da. Mein Bund hat ausgerechnet, dass um eine gleichbleibende Zahl an Alten Herren zu erhalten, jährlich 6 Neuernennungen sein müssten (diese Zahl mag von Burschenschaft zu Burschenschaft variieren). Leider machen die keilschwachen 80/90er Jahre dies zu einer Illusion (Ausnahmen bestätigen die Regel).
    Auf der Gegenseite stehen jedoch: das meist recht üppige Haus mit seinen noch üppigeren Unterhaltungs/Modernisierungskosten (Energie!), der Mittagsessenszuschuss, die Festivitäten, etc. Klartext: die Altherrenbeiträge werden rapide zunehmen müssen, um den bisherigen Zustand zu erhalten. Ob sich das alle leisten können/wollen, wage ich zu bezweifeln. Vermutlich werden aus diesem Grund an meinem Hochschulort etliche Bünder schließen müssen, gleich aus welchem Verband.
    Wer da noch Zeit und Geld hat, sich um aufreibende Dachverbandsgründungen zu kümmern, kann ich nur bewundern. Da reichen vorerst freunschaftliche Beziehungen zu Burschenschaften an anderen Hochschulen völlig aus.

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